Fingerzinkenverbindung für Gehäuse

  • Die Frage kam öfters, wie man ohne Stechbeitel eine Fingerzinkenverbindung herstellt.
    Die Verbindung kann man in meiner Galerie betrachten.
    Achtung: Fingerzinkenverbindung ist quasi der kleine Bruder - aber auch der einfachere - der Schwalbenschwanzverbindung.
    Fingerzinken sind so breit wie Ihre Zwischenräume und so tief wie das Material dick ist.
    Man sollte dran denken, die Fingerzinken von dem einen Brett versetzt zu dem Brett zu machen, mit dem es verbunden werden soll. ;D

    Grundsätzlich ist bei allen Verfahren EXAKTES anzeichnen UND arbeiten UNERLÄSSLICH.
    Sonst passt nachher nix. Ich arbeite viel mit dem Bosch ZF60.

    Es gibt grundsätzlich 2 Wege:
    1. mit Oberfräse
    Achtung: Sperrholz/ Multiplex, aber auch Vollholz neigt zum Ausfransen und Splittern beim Bearbeiten, vor allem bei schnellem Vorschub oder großer Frästiefe.
    Grundsätzlich empfehle ich bei Verwendung von Oberfräsen UND Sperrholz/Multiplexplatten, dass die jeweils nachher sichtbare Außenseite durch eine weitere, gleich große aber nur 6mm Dicke Platte gleichen Materials geschützt wird. Alternativ kann man auch 2 Platten gleichzeitig fräsen und die 2 Außenseiten nach innen tun. Dann spart man sich 2 von den Schutzbrettern. Denkt daran, dass auch die Innenseite der Zinken nicht splittern darf, sonst sieht man das nachher und hat die Spachtelarbeit.

    1a) Oberfräse mit Zinkenfräsgerät
    Das ist sicherlich die komfortabelste Art. Man kauft bei Bosch das ZF60 für ca. 260 EUR, nachdem man geprüft hat, ob man die Führungshülse passend für die Schablone organisieren kann, falls man keine OF von Bosch hat.
    Dann spannt man die Platten in das Gerät vertikal ein, richtet sie GENAU aus, und fährt mit derOberfräse horizontal und in einem 90° Winkel zu den Platten (immer der Schablone nach) durch die Bretter. Die Schablone liegt also horizontal auf den vertikalen Plattenenden (dort wo die Zinken hinkommen). Man fräst also die Zwischenräume zwischen den Zinken ab. Dazu braucht man nur einen Nutfräser, der genau den Durchmesser wie die Zinkenbreite hat.

    Es gibt bei ebay massig anbieter von Zinkenfräsgeräten, die günstiger sind als das Bosch gerät. Ich weiss aber nicht, in welcher Qualität diese Geräte sind und welche Breite sie verarbeiten können. Mit dem Bosch Gerät kann ich über 500mm Breite Bretter bearbeiten, und es ist von sehr guter Qualität.

    1b) Oberfräse in Verbindung mit Schablonen
    Das funktioniert wie oben, bloss dass man sich eine Schablone für das Gerät als Ersatzteil bei Bosch kaufen kann, oder selber machen kann.
    Hier muss man allerdings selber sehen, wie man die Bretter senkrecht eingespannt kriegt und die Schablone rutschfest auf die Bretterkanten befestigt. Vielleicht hilft hier ein Frästisch?
    Ich hab davon gehört aber noch nicht gesehen, wie das die Leute machen.

    1c) Oberfräse ohne Schablonen
    Hier muss man dasselbe wie in 1b) machen, mit dem Unterschied, dass man sich die Schablone spart, indem man alle Zinken anzeichnet und dann statt einer Schablone die Fräse an Führungsschienen/Holzleisten laufen lässt. Das ist vermutlich eine elendige Einstellerei, aber sicherlich möglich. Ich weiss nicht, ob hier der Stechbeitel nicht die bessere Lösung ist.

    2. manuell mit Stechbeitel.
    Vorteil: man braucht keine teuren Geräte, nur einen Hammer und verschiedene Stechbeitel.
    Es ist sicherlich weniger Arbeit als man denkt, vielleicht ist hier (nach dem Anzeichnen) das Risiko am kleinsten, ungenau zu arbeiten. Denn hat man oben mit den Maschinen falsch eingespannt, ist es rum. Hier bearbeitet man jeden Zinken separat. Vorteil ist auch, dass es keinen Höllenlärm macht und man an Ruhezeiten nicht gebunden ist.
    Man kann angeblich auch mit japanischen Sägen die Schnitte einbringen und dann mit dem Stechbeitel den Rest rausklopfen, dass soll sehr genau sein. Vielleicht ist das das richtige für die Fortführung Deiner Arbeiten, Wolfgang?

    Vielleicht kann Wolfgang was zum Zeitaufwand sagen?
    Ich habe für 2 Top-Gehäuse und 2 Boxen-Gehäuse (also 32 Kanten mit Zinken) ca. 12 Stunden gebraucht - inklusive der Bohrungen für die Dübel, die kann man ebenfalls bequem mit dem Gerät von 1a) machen. Grund ist halt, dass man bei Birke Multiplex nicht die ganze Tiefe auf einmal fräsen kann. Bei 18mm Brettdicke = Frästiefe muss man schon in 3 - 4 Schritten fräsen.

    Weiterführende Sachen gibt es im Internet zuhauf, auch Anleitungen für die Stechbeitelart, sowie Geräte bei ebay. Stichworte: Zinkenfräsgeräte (BOSCH, Festo, andere), Fingerzinken, Schwalbenschwanzzinken, Schwalbenschwanzverbindungen, Zinken.

    Apropos Dübeln: Hatti hat eine sehr coole Methode, ohne großen Aufwand seine Bretter zu verdübeln. Hat mir sehr gefallen. Ich machs trotzdem mit dem Zinkengerät... ;D

    Ich hoffe, das hilft mir, den einen oder anderen anzuregen, sein Holz nicht unter unwurdiges Plastik verschwinden zu lassen und die wahre Natur zu zeigen. ;) ;D
    Holz dunkelt ja nach, und mit der Zeit und mit Dellen, Kratzern und Flecken bekommt Holz ja erst sein Flair... (Dellen u. ä. sind auch gut zu reparieren)

    Grüße
    Baguette

    *EDIT*
    Vor dem Verleimen UNBEDINGT die Passung aller Teile durch Zusammenbau ohne Leim prüfen. Oft stimmt eine Kleinigkeit nicht, oder ein Splitter liegt noch dumm im Weg rum. Dann passt alles nicht. Also bitte vorher prüfen.
    Beachtet auch bitte, dass beim Verleimen SEHR SCHNELL gearbeitet werden muss. Grund ist, dass viele kleine Flächen beleimt werden und die Passung sehr gut sein sollte. Viel Zeit zum ausrichten bleibt nicht. Innerhalb von 10 min. sollte geleimt UND ausgerichtet sein.
    Man sollte grundsätzlich Boden und Seiten gleichzeitig verleimen wegen dem Verspannen. Der Deckel kann auch nur ohne Leim aufgesetzt werden, damit er nachher genau passt - und wegen dem Verspannen mit Spannzangen.
    Hier haben sich große Spannzangen sehr bewährt, mindestens 8 Stück sollten es sein, um kleine Fugen mit Gewalt wegzubekommen und die Last gleichmässig zu verteilen. Ich hatte nur 4 und musste meinen Alabasterkörper zu Hilfe nehmen - siehe Galerie. Und 20 min. in der Position auszuharren ist echt anstrengend.
    Rechtwinkligkeit bitte nicht vergessen ;D
    Anschliessend wird der Deckel verleimt und verspannt.
    *ENDE EDIT*

  • Re: Fingerzinkenverbindung für Gehäuse

    Hallo bguette,

    vielen Dank für diesen Thread bzw. Deine ausführliche Antwort. Also bei meiner Fähigkeit im Umgang mit dem Stechbeitel sind es etwa 10-15 min. pro Zinke (also anzeichnen, Einsägen mit der Bandsäge, Anreissen, Ausstechen), macht bei 124 Zinken etwa 20 - 30h, nur für die Box, für's passende Verstärkergehäuse nochmal so viel.

    Ich habe zwar einen Frästisch und eine stationäre Oberfräse, aber da kann ich die Bretter nicht hochkant führen. Aber ich werde mit mal so eine Schablone genauer angucken, vielleicht gibt es ja eine Lösung, wie man das Ganze hochkant stabil einspannen kann.

    BTW, ich verwende 18mm Kiefer massiv, ich denke nicht, dass da mehr als 5mm Vorschub pro Fräsgang drin sind; dennoch glaube ich, dass das eine gewaltige Zeiterparnis ist.

    Gruß, Wolfgang

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