Mini-Endstufe(n) für Gitarrenamp (z.B. ECC82, 6N6P)

  • Hi Martin,
    Mir leuchtet noch nicht ganz ein, was du sagst bezüglich des Überschlags.

    Hmm, die Faustformel 2-3 x Ri ist aber für eine Triode. Muss ich mal mit Merlins Buch gegenchecken...
    Und mit 9ma bei 300V und Ra = 33k wird die maximale Ua überschritten und du erreichst nicht die maximale Ausgangsleistung (bei Ug von -12V im Arbeitspunkt kannst du nur bis 0V und -24V aussteuern, ab dann wird eine Halbwelle "abgeschnitten", da du negativ ja noch deutlich weiter aussteuern kannst...

    Die maximale Anodenspannung einer 12AU7 liegt soweit ich weiß bei 300 V. Die maximale Spitzenspannung bei 1200 V.
    Auch wenn Merlin von einer Pentode ausgeht sehe ich nicht, warum Ra=U*U/Pmax nicht gelten sollte - das ist ja nur das umgestellte Ohmsche Gesetz. Und alles, was Merlin zu den Pentoden schreibt, trifft doch erstmal trotzdem zu an diesem theoretischen "Optimum" mit Ua= 300V / Ia= 9mA und Ug=-12V, Uss=24V bis Vollaussteuerung.
    D.h. Center Biasing bei gleichzeitig maximaler Ausgangsleistung.


    In deiner Rechnung mit Ra=16-24k landet man bei niedrigerem Ruhestrom und negativerem Ug, also höherem Uss allerdings mit niedrigerer Ausgangsleistung.


    Ich verstehe die ganze Auslegung einer SE-Stufe so:

    • Grenzen beachten, die uns die Röhre vorgibt: Maximale Anodenspannung, maximale Spitzenspannung, Anodenverlustleistung
    • Für maximale Ausgangsleistung müssten Ia und Ua möglichst nah am Maximum (Grenzwerte) sein
    • Gleichzeitig will man möglichst maximale Uss bis zur Vollaussteuerung haben
    • Im Kennliniendiagramm heißt das dann: Arbeitspunkt möglichst nah an der Pmax-Linie, Steigung der Lastlinie (=-1/Ra) möglichst parallel/tangential zu Pmax. Im Umkehrschluss: Ra zu niedrig -> Lastlinie zu steil, Bereich oberhalb Pmax wird im Betrieb angefahren -> nicht gut. Ra zu hoch -> Lastlinie zu flach, Pmax wird zwar nicht durchfahren, aber dafür verringerte Ausgangsleistung.

    In Summe: Man sucht den Kompromiss aus sicherem Betrieb (Einhalten der Betriebsgrenzen), maximaler Ausgangsleistung und maximalem "Headroom" bis zur Vollaussteuerung. Und in die Richtung komme ich doch durch die genannten Überschlagsrechnung.


    Hab ich das richtig verstanden?


    Lieben Gruß,
    Max <3

  • HAllo,


    zur Heizungsfrage:
    ECC81-82-83 sind für Parallel- und Serienheizung spezifiziert. Man könnte daher auch - wie das "früher" Standard war (bevor man sich gerne und freiwillig Störungen durch SNT einhandelte ;) ) -
    mit 20 V / 0,3 A AC eine PCL86 plus eine ECC8x in Serie heizen. Die ECC gehört dabei "nach unten" zum geerdeten Heizungsanschluß.


    Gruß, Bernd

  • In meinen Datenblättern (RFT und Philips) habe ich 550V stehen, nicht 1.200V. So hohe Spannungen können "normale" Kleinsignalröhren höchstens bei impulsförmigen Spannungen ab, wo hast du das denn gefunden. Und natürlich führen viele Wege nach Rom - bei Trioden ist die Wahl des Arbeitspunktes sowieso nicht so kritisch wie bei Pentoden, selbst wenn man klssisch die Leistung maximieren und Verzerrungen minimieren will. Aber die Grenzwerte würde ich gerade bei Röhren, die nicht als End(stufen)röhren entwickelt wurden, einhalten. Ehrlich gesagt ist es auch nicht mein Ziel, Faustformeln zu überprüfen oder neue aufzustellen ;)


    Wenn dich die Grundlagen interessieren aber nicht die Theorie, sind "Praktiker" Bücher oder Artikel aus den 50ern und 60ern eine gute Quelle, z.B. das hier (allerdings auch hier ohne Herleitung der Faustformeln):
    https://www.radiomuseum.org/bo…linien_Triode_Pentode.pdf


    Oder zum Thema SE-Endstufe:
    https://roehrenfibel.files.wor…o-amplifikatus-1-band.pdf

  • Moin


    Die Universalität dieser Standard-Endstufenschaltung ist schnell beschrieben. Sie begründet sich nicht nur mit der Verwendung bei vielen namhaften Verstärker-Herstellern. So z.B. bei Hiwatt, Barkley, Vox, Marshall, Orange, Dr.Z, Dumble, Fender (Deluxe Reverb, Bassman 5F6) und vielen anderen. Übrigens auch im Madamp A15 findet man sie. Wenn ich meine Schaltungssammlungen durchgehe, treffe ich sie bei jeder zweiten oder dritten Schaltung an. Genau so, oder mit einem oder zwei veränderten Widerständen (wegen Gegenkopplung, macht ja nicht jeder Hersteller). Man kann sie mit fixed- und Autobias verwenden. Jeder kennt die Schaltung.


    Ich habe sie u.a, bereits mit folgenden Röhren verwendet: EL84, 6V6, 6L6, EL34, QQE03/12, (ECC82 Puszta-Verstärker ;) ). Sie ist nicht sehr kompliziert und arbeitet bei mir mit reinen Pentoden ohne zu murren sehr stabil. Mit Trioden habe ich sie noch nicht verwendet. Unkontrolliertes Schwingverhalten, was es sie ja auch manchmal bei Endstufen gibt, konnte ich noch nicht beobachten. Die


    Gruß, Bernd

  • Hallo Max,


    bin gerade aus dem Urlaub wieder rein, deshalb die verspätete Antwort. Bezüglich der Beschaltung muss ich mal kramen, ob ich dafür Unterlagen habe, weil ich während des Bauens immer noch einiges verändere und fast niemals Aufzeichnungen davon anfertige. :S

    Gruß, Bernd

  • Hi Bernd,

    Das klingt gut mit dem Urlaub - hast du dich etwas erholen können, war schön? :)

    Kein Stress, bei mir ziehen sich alle Projekte ohnehin über Monate aktuell. Ich plane nur gerne gut im Voraus und würde mich über Anhaltspunkte freuen. Hab die nächsten zwei Preamps auf der Liste: Nen Orange und was aus Merlins Buch. Und da wieder Proben anfangen werden jetzt die Endstufen interessant für mich. Baue mein Arsenal ja als getrennte Vor- und Endstufen aus, damit ich flexibel bin für Mucke daheim und Proberaum. 8)


    Lieben Gruß und danke im Voraus,

    Max <3

  • Ich bin es mal wieder,

    Beim Orange bin ich noch nicht sicher, ob ich ihn als Preamp aufbauen soll oder doch lieber nen kleinen Combo daraus mache. Diesmal 1x12".

    Ich denke über die passende Endstufe nach und habe zweieinhalb Versionen im Kopf:

    1a) Push-Pull mit 1x6N6P und LTP-PI

    1b) Push-Pull mit 1x6N6P und Cathodyne-PI

    2a) Single-Ended mit 1x12AU7 parallel, wie bei meinem "Bassman"-Verschnitt


    2a) ist schön einfach, super billig und klingt ganz gut. Schön leise für daheim, aber Proberaum ist sicher nicht drin. Gemacht beim Bassman, dort auch sehr gut, hier hätte ich aber gerne was anderes. Also tendiere ich eher zur Push-Pull-Variante.


    1a) oder 1b)...

    Ich habe noch den AÜ vom G3-Blues rumfliegen, den ich ja nicht verwendet hatte. Der wäre also schonmal da. Den Aufbau würde ich entweder vom G3-Blues übernehmen für die LTP-Variante, also 1a) oder vom G3-Rock für die Cathodyne-Variante 1b). Damit hätte ich noch ne Triode übrig, die ich wahrscheinlich einfach für die erste Stufe parallel dazunehmen würde. Alternativ könnte ich die auch für nen Kathodenfolgern vor dem Tonestack verwenden, was allerdings den Sound deutlich vom Vorbild (Rockerverb) verschieben dürfte. Was Sinnigeres fällt mir nicht ein mit der einen Triode.


    Was spricht für nen Cathodyne, was für nen LTP? Gibt es generelle klangliche Unterschiede zwischen den beiden? Ein LTP gibt natürlich nochmal Gain für die Endstufe, ein Cathodyne nicht, das ist klar. Das Thema wurde schon an anderen Stellen im Netz diskutiert, das ist mir bewusst, aber ich frage hier mal ganz konkret nach euren Meinungen dazu. MAD Auf welcher Basis entscheidest du denn, welche Art von PI du bei nem Amp nimmst? Rein praktisch gemäß "ich hab eh noch ne Triode übrig also Cathodyne" oder nach welchen Kriterien gehst du hier vor?

    Ich kann bei Interesse auch gerne einen eigenen Thread zum "Orange-Projekt" aufmachen wie beim "Bassman". Will nur das Forum nicht mit Ego-Show fluten, also vorab die Frage nach dem Interesse nach nem Thread zu sowas.


    Danke und lieben Gruß,

    Max <3

  • Der Cathodyne PI klingt übersteuert nicht so gut, kann man zwar mit ein paar tweaks verbessern (z.B. großer grid stopper), aber LTPI klingt deutlich besser. Der Cathodyne hat dafür den Vorteil, aus zwei Stufen zu bestehen, d.h. man kann dazwischen noch gut einen entkoppelten Ton- oder Lautstärkeregler unterbringen und bei der ersten Triode kann man über die Kathoden- und Anodenbeschaltung auch noch den Klang formen. NFB (+ Presence und/oder Deep) geht mit dem LTPI viel einfacher und flexibler und man kann den LTPI auch noch als Mixer zum zusammenführen von zwei Kanälen benutzen.Die eindeutige Antwort also: es kommt drauf an ;)

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!