Welches Reverb, welches Delay?

  • Hi,
    ich stehe ein wenig vor der Qual der Wahl, denn ich würde gern noch ein Delay und n Reverb selbst bauen. Aktuell habe ich dafür nen "T-Rex Space Master" als Reverb und ein "TC Electornics The Prophet" delay. Beide funktionieren okay, hauen mich aber nicht vom Hocker.

    Bei Reverb Effekten hab ich anscheinend die Wahl zwischen Digital, Digital oder Digital. ...genauer FV-1 oder Accutronics. Gibt es denn nix anderes? Reverb brauche ich am Amp eigentlich nur dort, wo ein Effekt unangenehm zu-trocken klingt. Auf jedenfall immer mit relativ wenig mix. Ich hab es sehr gern, wenn der Reverb hell klingt und so flapsigem spring-reverb kann ich nix abgewinnen. Ideal wäre es wenn ein reverb ein pre-delay hat, damit es im Mix den sound in den Vordergrund bringt (Psychoakkustik: ist der Reverb sofort da, steht man hinten in der Ecke. Kommt er verzögert steht man weiter vorn und weiter entfernt von der Rückwand)

    Ein Delay nutze ich hauptsächlich dezent wie ein reverb mit pre-delay. Für diesen Fall passt mir etwas matschigeres wie ein Tape-Delay (kenn ich nur als simulation) ziemlich gut. Slapback find ich auch ganz cool, allerdings scheint mir das im Bandkontext nur beim spielen zu klick praktikabel.

    Demnächst baue ich noch ein Midfi-Electronics Clari(not). Das ist sowohl Reverb als auch Delay und keines so richtig. Ich find es klingt ziemlich interessant, aber wie produktiv ich das einsetzen kann sehe ich dann ;)

    Mich würd auf jedenfall mal interessieren, welche Geräte ihr empfehlen könnt.

    Grüße,
    Simon

  • Das sind genau die beiden Effekte, wo ich immer käufliche digitale verwende. Man kriegt einfach für wenig Geld und auf kleinem Raum viel mehr, als man selbst basteln könnte. Schaltungen mit dem PT2399 sind ziemlich grottig. Bleibt der FV-1, der auch ziemlich limitiert ist (viel verwendet bei Z.Cat), evtl hat uk-electronic.de noch Boards dafür. Beides ist uralte bzw nicht ganz so uralte Digitaltechnik. Es gibt schon nette kleine Delays, zB das Small Time von Valvewizard. Aber wenn du vergleichst, was ein Flashback 2 für einen guten Hunni alles kann... Bei Hall sieht es erst recht mau aus. Die Belton-IC's sind auch bloß drei PT2399 mit Deckel, und die können auch bloß Federhall.
    Analoge Delays gibt es, aber die besseren BBD Chips werden langsam knapp und teuer. Madbeanpedals hat evtl noch Platinen dazu. Einfacher erhältlich sind die limitierteren Chips mit 5V, bloß landet man dann auf dem Niveau von EHX Memory Toy und ähnlichem Billigkram, das lohnt also den Aufwand nicht.
    Boss war an dem gleichen Punkt schon 1988, als das ME-5 als erstes "richtiges" Multi-FX rauskam: Alle Effekte waren noch analog, außer Delay und Reverb.

    Grüße, Immo

  • Ich verwende für mein Solo-Genudel eigentlich lieber etwas abgedrehtere Reverbs und Delays. Reverbs sind auf meinem Board der Orion Kafka (sehr tief und grummelig) und der EQD Afterneath (ewig lange modulierte Hallfahnen) hängengeblieben. Im Bandkontext (garage rock) funktioniert das natürlich überhaupt nicht, deshalb habe ich etwas dezenteres gesucht - und im PCB Guitar Mania Ghost Device gefunden. Den kann man zwar auch ordentlich ins Jenseits jagen, es gehen aber auch sehr gute subtilere Einstellungen damit. Mit meiner Reverend Double Agent am Fender Hot Rod Deville bekomme ich damit einen schönen hellen Reverb-Effekt hin.

    Das Original kann man sich bei YT anschauen:

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    . Ich stelle das im Bandsetting aber alles viel minimaler ein. Ich finde die Mania-Platinen todesnervig zu bestücken, das war hier ja auch schon häufiger Thema, den Effekt kann ich aber wirklich empfehlen. Hör doch mal rein, vielleicht trifft es ja das, was Du suchst.

    Für Delay bin ich beim Gekauften geblieben (Jam Pedals Delay Llama Extreme), da haben mich die Beschreibungen und die skeptischen Einschätzungen über den Eigenbau hier im Board so wie Immos hier dann doch abgehalten.

    Viele Grüße
    Jan

  • Vielen Dank schonmal für eure Antworten! Ich muss auf jedenfall nochmal genauer schauen, was ihr dort benennt.
    @erwin e. neumann Das Ghost Echo klingt auf jeden Fall echt interessant und würde auch etwas Platz auf meinem Board schaffen, da es im bandcontext delay und reverb in einem ersetzt.
    Gruß, Simon

  • Ich kann mich nur anschließen. Digital hat derart viele Vorteile, und man könnte ja auch sagen, dass die Ingenieure seit den Achzigern etwas dazu gelernt haben, dass ich auch auf gekaufte digitale zurückgreife. Und wenn schon digital, dann darf es auch mehrere Presets haben. Erst hatte ich ein Source Audio Soundblox (mittlerweile gibt es einen Nachfolger) jetzt ein GFI-System Specular Tempus. Beide kann ich nur empfehlen.

  • Ich hatte eben auf dem weg zur Arbeit nochmal den Einfall, dass ich natürlich auch versuchen könnte typische basis-schaltungen selbst zusammen zu bringen: PT2399 für ein Pre-Delay, Accutronics für reverb. Nun hab ich nur das problem, dass ich eigentlich zwischen original signal und early-reflections/pre-delay einen Reverb-swell brauche. Undzwar nicht mit triggering sondern continuous. Was passiert, wenn man den Accutronics mit Feedback gestaltet?

  • Ich kann dir guten Gewissens den Cirrus von KMA empfehlen. Außergewöhnlich gute Kombi aus Reverb und Delay mit vielen tollen Features.

    http://kma-machines.com/m_cirrus.html

    Zieh dir einfach mal die Videos rein - das Pedal hat seinen eigenen Charakter.

    Nicht ganz billig, aber dafür super Qualität Made in Germany. Und in diesen Zeiten eine kleine lokale Manufaktur zu unterstützen hat doch auch was :P

  • Kann da nicht wirklich mitreden,aber als guten Bausatz kann ich das Reverb mit Belton 3 von UK electronic empfehlen,gutes Reverb,schön kompakte PCB,
    wenn es Psycho werden soll,hab gerade den Aquaboy von Madbean inklusive LFO und Double Delay Time Daughterboard fertiggestellt,geht so ein wenig in Richtung Memory Man,echt abgedrehte Sounds mit dem Teil.Wäre allerdings von Vorteil wenn man ein Scope hat zum kalibrieren,mit Audio Probe und nach Gehör kann sich das Stunden ziehen :| ,musste da durch,da ich momentan nicht die nötige Pinke für ein vernünftige Scope hab.


    Gruß,
    Micha

  • Kann da nicht wirklich mitreden,aber als guten Bausatz kann ich das Reverb mit Belton 3 von UK electronic empfehlen,gutes Reverb,schön kompakte PCB,
    wenn es Psycho werden soll,hab gerade den Aquaboy von Madbean inklusive LFO und Double Delay Time Daughterboard fertiggestellt,geht so ein wenig in Richtung Memory Man,echt abgedrehte Sounds mit dem Teil.Wäre allerdings von Vorteil wenn man ein Scope hat zum kalibrieren,mit Audio Probe und nach Gehör kann sich das Stunden ziehen :| ,musste da durch,da ich momentan nicht die nötige Pinke für ein vernünftige Scope hab.


    Gruß,
    Micha

    Moin,
    wrum nutzt du kein Softwarescope auf dem Rechner??

    LG Uwe

    Uwe = MEK-Sounddesign
    --> Weniger ist manchmal mehr <--

  • Achtung. OT:

    Moin Uwe,

    Schön das es Dich auch noch gibt :thumbup: ,hoffe es lebt sich noch gut in Ungarn :D ?

    Die Überlegung stand tatsächlich auch schon im Raum,dann müsste ich mir aber auch noch einen zweiten Rechner besorgen,bin auch noch einer von denen mit Dinosaurier Tower,und dieser ist fest im Wohnzimmer eingebaut,müsste also für den Arbeitsplatz dann noch nen Läppi oder ähnliches besorgen,dann weiß ich auch nicht ob die Softwaredinger was taugen,sollte unter anderem auch für Röhrenamps reichen.

    Hab mal ein gutes von Tectronix oder so ähnlich gehabt,und damals leider verschenkt,seitdem halte ich Ausschau nach so nem günstigem alten oder halt ein neues digitales Speicher Scope.
    Gab da schon einige günstige,scheiterte aber letzten Endes daran,das ich mich da nicht so auskenne und mir erst mal klar machen muss was das Ding alles können muss.

    Lieben Gruß,bleib Gesund,
    Micha

    Einmal editiert, zuletzt von Hendrixianer (4. November 2020 um 09:47)

  • etwas dezenteres gesucht - und im PCB Guitar Mania Ghost Device gefunden.
    ...
    einen schönen hellen Reverb-Effekt hin.

    Ich finde die Mania-Platinen todesnervig zu bestücken ...


    Viele Grüße
    Jan

    Hallo Jan,

    auch auf die Gefahr hin, hier ein wenig off-Topic zu werden,
    zwei Fragen:

    - Ist das Predelay, mit dem zusätzlichen PT2399 realisiert wird,
    klanglich sinnvoll und notwendig? M.M.n enthält schon der
    Belton-Bricket ein Predelay (Größenordnung m.M.n etwa 50ms).

    - Da ich mich die Tage mit dem Belton-Patent befasst habe:
    Sind dir bei diesem Gerät größere Rausch-Probleme (ich weiß,
    der PT2399 rauscht ohnehin) aufgefallen? Ich frage deshalb,
    weil dem Eingangs-Filter des ersten PT2399 m.E. ein
    Kondensator fehlt (zwischen R3, R17 und R15 gg. Masse).

    Schöne Grüße

    Torsten

  • Ich find das überhaupt nicht Offtopic. Ich finde 50ms als predelay fast zu kurz. Das entspricht einer Distanz von ca. 16m. Wenn man also zwei meter vor nem Amp steht, ist die hintere wand des Raumes maximal 7m entfernt.

  • Moin!

    ... Nun hab ich nur das problem, dass ich eigentlich zwischen original signal und early-reflections/pre-delay einen Reverb-swell brauche. Undzwar nicht mit triggering sondern continuous. Was passiert, wenn man den Accutronics mit Feedback gestaltet?

    Nur ne Idee:

    Nehme die Schaltung vom Ghost Reverb, nur das du anstelle des Mono Reverbs einen Stereo Reverb baust (siehe Datenblatt BTDR3). Der PT2399 kommt über Pin 13/14 zum In2, das hier:


    kommt dann auf In1. Der Schaltplan dafür ist vom Dreamtime Delay von Dead Astronaut FX, die Chorus Sektion. Könnte funktionieren, muss aber nicht. Oder du kaufst die den hier, wenn du n paar Groschen übrig hast :thumbup: :

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    Keine Ahnung ob meine Idee funktioniert. ich glaube ich gehöre zur Kategorie 2b X/


    Greetz
    Thomas

    Einmal editiert, zuletzt von T.B.S (4. November 2020 um 21:32)

  • Moin in die Runde,
    Ja, mir geht's gut :) noch geht es . Es gibt zwarz Einschränkungen, aber nicht so krass wie bei euch. Ab und an schau ich ja mal vorbei, obwohl im Moment nicht viel mit Elektronik ist, mehr Haus und Hof :-). aber jetzt kommt ja die dunkle Jahreszeit und der Arbeitsplatz ist auch eingerichtet.
    Zum Oszi: ich habe hier einen Philips 3310, uralt aber für micht ausreichend, auch einen Owon digital, aber mit den Dingern werde ich irgendwie nicht warm. Der steht in der Kiste.

    LG Uwe

    Uwe = MEK-Sounddesign
    --> Weniger ist manchmal mehr <--

  • Hallo Thomas,

    jetzt wirds aber doch etwas spezieller:

    > > - Ist das Predelay, mit dem zusätzlichen PT2399 realisiert wird,
    > > klanglich sinnvoll und notwendig? M.M.n enthält schon der
    > > Belton-Bricket ein Predelay (Größenordnung m.M.n etwa 50ms).

    > Der ist aber nich Variabel ;)

    O.k., das ist ein Argument. Wobei, ich hab nochmal nachgesehen und
    -gedacht, das feste Predelay ist größer (größer 100ms):

    Beim BTDR sind die drei Echostrecken (mit 50ms, 67ms und 87ms) zwar quasi
    parallelgeschaltet (die Ausgänge kommen auf eine Sammelschiene, deren
    Signal zurückgekoppelt wird
    ), aber entweder der Eingang einer Delaystrecke ist
    mit dem Schaltkreiseingang oder deren Ausgang mit dem Schaltkreisausgang
    verbunden, so dass das Signal erst einmal mindestens zwei Delaystrecken
    durchlaufen muss, ehe es am Schaltkreisausgang erscheint.

    > > weil dem Eingangs-Filter des ersten PT2399 m.E. ein
    > > Kondensator fehlt (zwischen R3, R17 und R15 gg. Masse).

    > Soweit ich das verstanden und bei meinen PT Delays gehört habe tritt das erst
    > auf, wenn die Total Harmonic Distortion am VCO überschritten wird. Alles was
    > drunter ist, ist jetzt nicht soooo schlimm. Aber wie ich schon an anderer
    > Stelle erwähnt habe, mag ichden "Schmutz" vom PT :D

    Das verstehe ich jetzt nicht wirklich, was du da mit LoFei meinst:

    VCO? Das ist möglicherweise ein Mißverständnis, das PT2399 arbeitet nicht mit,
    sagen wir, Eimerkette und VCO, sondern mit einem höherfrequenten
    1-Bit-Wandler: Es gibt einen Komperator, der das Eingangssignal mit seinem
    über einem Integratorfilter geglätteten Ausgangssignal vergleicht. Im
    Ruhezustand gibt der immer abwechselnd 0 und 1 aus.

    Wenn jetzt das Eingangssignal steigt, steigt auch die Häufigkeit von Einsen am
    Ausgang des Komperators und am Ausgang des Integrators steigt die Spannung
    auch. Das heißt, die Häufigkeit von Einsen am Ausgang des Komperators folgt
    dem Eingangssignal.

    Am Ausgang einer 44k-1Bit-Verzögerungsstrecke liegt das gleiche Integratorfilter
    noch einmal und gibt so das verzögerte Signal aus.

    LoFei entsteht m.E. eher dadurch, dass die Taktfrequenz relativ niedrig ist
    (für 50ms und 44k Schritte sind das 880kHz), d.h. wenn man für Gitarre am
    Eingang des PT2399 mit 8kHz filtert, sind das 110 Schritte bzw. 110 Abstufungen
    bzw. ein hohes Quantisierungsrauschen. Aus einem Sinus wird eine Treppe.

    Den Eingangsfilter wegzulassen dabei führt m.E. lediglich dazu, dass
    höherfrequentes Rauschen den Komperator zusätzlich "irritiert" und das Signal
    noch mehr versaut.

    Abgesehen hat der BTDR einen eher beschränkten Headroom und zerrt bei
    Übersteuerung eher häßlich.

    Schöne Grüße

    Torsten

    P.S.: Über den PT2399 gibt es bei Elektrosmash einen schönen Artikel.

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