Soldano SLO 100 Clone

  • Hallo zusammen,

    bestimmt habt Ihr Euch auch schon mal mit dem Soldano SLO 100 beschäftigt und mit dessen Clone.
    Wenn ich mir die beiden Schematics so anschaue, dann stelltsich mir folgende Frage:

    Beim Original wird dem Clean bzw. Crunch Kanal an V3b beim Aktivieren des Overdrive Kanals dessen Signal einfach parallel zugeschaltet. Beim Clone hingegen wird (sinnigerweise) das Signal des Clean/Crunch Kanals ganz abgeschalten, was ja prinzipiell schaltungstechnisch auch sauberer ist, aber nun die Frage:
    Macht nicht genau diese Parallelschaltung den Sound aus? Oder hat das nur marginalen Einfluss?

    Gruß
    Oli

  • Hallo!
    Danke für die PDFs und die interessante Fragestellung. In den Texten steht unter "*Note3." bzw. "Mod 9" das Wesentliche aber eigentlich schon drinnen:
    Der OD hat deutlich mehr Pegel als der Clean und ist zusätzlich phasengedreht. Ein Mischen beider Signale führt zu einem dezenten Foldback-Distortion-Effekt mit Überbetonung der 3. Harmonischen. Beide Autoren empfehlen daher in den Randnotizen den Clean im OD-Modus mit einem zusätzlichen LDR abzukoppeln, weil ihnen der Effekt wohl auch weniger gefällt.
    Grüße, Loesti

  • Hi Loesti,

    danke für die Antwort. Das ist eben genau die Frage ob es gefällt oder nicht. Vielleicht müsste man wirklich einen A/B Vergleich machen.
    Manchmal mache ich mir auch Gedanken, in wie weit die Eingangsimpedanz der Endstufe einen Einfluss auf den Sound des Preamps hat. Zum Beispiel hat die Mesa 290 eine Eingangsimpedanz von rund 50k und manche Preamps haben eine als Ausgangsstufe einen klassischen Fender Tone Stack. Da geht dann schon mal direkt ein Haufen Lautstärke verloren und wenn man dann das Volume des Preamps etwas runter dreht, dann fehlen auch noch zunehmend Höhen....
    Ich verstehe nicht, warum nicht alle Preamps am Ausgang gebuffert sind, zumal die Endstufen wirklich eine große Bandbreite an Eingangsimpedanzen aufweist....Die Mesa 50-50 hat ein 250k Poti als Eingang, die Engl Enstufen zumeist 470k fest. Wenigstens ist beim SLO 100 der Send röhrengebuffert.
    Kennst Du einen möglichst neutral klingenden Röhrenbuffer (hohe Eingangsimpedanz und Verstärkung=0 über das relevante Frequenzspektrum) mit max. zwei Trioden des Typs 12AX7? Kann man da gerade den FX-Send vom Soldano nehmen, oder färbt dieser das Signal? Oder besser auf OP-Amp zurückgreifen? Wenn ja, mit welchen Wechselspannungen muss ich den bei einer Kathoden-Basis-Schaltung rechnen?

    Gruß
    Oli

  • Hi Oli!
    Ich dachte vielleicht melden sich noch ein par von den Röhrenprofis hier aus dem Forum. Ich bin zwar keiner, aber dann trotzdem ein par Gedanken:
    Das sauberste und einfachste und m.E. auch meistens gut möglich wäre eine Anpassung der passiven Komponenten am Ausgang des Preamp und/oder Eingang Endstufe. Den Eingangswiderstand der Endstufe könnte man z.B. umschaltbar 47k/1M gestalten.
    Mit Halbleitern benötigt man eben immer entweder eine zusätzliche negative Betriebsspannung oder man verfällt in zweifelhafte Bias-Tricksereien.
    Mit einer zusätzlichen Doppeltriode könnte man SRPP versuchen oder eine niedrig verstärkende Kathodenschaltung nebst Kathodenfolger oder man macht eine Mini-Klasse-A-Endstufe und bekommt aus dem Übertrager dann eine niederimpedante und potentialfreie Ausgangsspannung.
    Was man nun konkret macht ist sicher auch etwas persönliche Geschmackssache.
    Grüße, Loesti

  • Vielleicht noch ein Gedanke.
    M. E. Wird man wahrscheinlich das crunch Signal nicht im anderen Signal hören können. Es ist ja nicht nur von der Amplitude kleiner sondern wird über den 2M2 Ohm (!) zugemischt, während der gain Kanal recht Niederohmig sein dürfte.
    Gruß Christof

  • Hi Jungs,

    zunächst mal danke für die Antworten, aber ratlos bin ich noch immer, zumindest was die Impedanzgeschichte betrifft.....

    Ich plane nämlich zur Zeit einen Preamp, der ziemlich viele ander bekannte (Pre-)Amps im Gehäuse hat (SLO 100, Dual Rectifier, Ecstacy, Dumble, Koch Twin Tone, Plexi, JTM45 und noch ein paar andere). Im Prinzip sind das alles komplette Amps. Da ich aber schon die wesentlichen Endstufen habe (EL34, 6L6, KT88, EL84) genügt es mir nur die Vorstufen der Amps zu bauen. Als gemeinsamen Endpunkt habe ich immer den Kondensator direkt vor dem hochohmigen Phaseninverter genommen. Deshalb dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, noch einen Impedanzwandler danach zu schalten.

    Hier kommt aber nun schon die nächste Frage:
    Wenn ich mir zum Beispiel den Send des SLO 100 anschaue, dann sehe ich als Ausgangsstufe einen Kathodenfolger, bei dem das Ausgangssignal durch den Spannungsteiler 100k/2,2k an der Kathode heruntergeregelt wird. Nun ist aber doch damit das Ausgangssignal wieder hochohmig geworden, nämlich mindestens mit den 100k dieses Spannungsteilers! Was soll das dann bringen? Wäre es nicht besser gewesen das Eingangssignal dieser Stufe mittels hochohmigen Spannungsteiler davor herunterzuregeln - also direkt vor V3b?

    Noch eine Frage:
    Mit welchen Signalwechselspannungen muss man denn beim klassischen Kathodenfolger und mit welchen bei der Kathoden-Basis-Schaltung rechnen? Kann man das größenordnungsmäßig sagen?

    Gruß
    Oli

    [size=1]DIY: Soldano X88R, Peavey 5150, Engl 530,Boss AC-2,BD-2,BF-2,CE-2,DM-2,DS-1,DS-2,EH-2,FT-2,HM-2,MD-2,MT-2,NF-1,NS-2,OC-2,OD-1,OD-2,OD-3,OS-2,PH-1, SD-1,SD-2,SG-1,SP-1,TW-1,XT-2,Rocktave Divider,Small Stone,Woody,STL,TS10,TS9,TS808,Obsidian 1+2,EasyVibe,Ultraflanger,Zombie Chorus,PT-80,MU-TRON, etc.[/size]

  • Hallo!
    Ob man das Cleansignal heraushört hängt sehr von den eingestellten Pegeln ab. Am lautesten wird es relativ zum Drivesignal direkt beim anzupfen der Saite(n) sein und dem Drivesignal einen kleinen "zzzing" extra geben.
    Das sieht dann insgesamt also nach einem größeren Projekt aus. Ein Impedanzwandler wird aber den Klang genauso verändern wie eine dezente Fehlanpassung.
    Wegen der Frage mit der Ausgangsimpedanz des Spannungsteilers beim Kathodenfolger kann man sich ja mal überlegen, ob es den "stört" wenn man ihn nun mit 22k (also deutlich kleiner als die 100k!) zusätzlich belastet? Nein, das stört ihn nicht besonders, das Teilerverhältnis ändert sich nur unwesentlich von 100k/2k2 zu 100k/2k.
    Die V3 soll im Drivemodus vermutlich auch noch etwas mitfahren. Die Pegel mit denen man hier rechnen sollte sind Peak-Peak nicht viel unter der Anodenspannung. Deswegen wird ja für den Send auch so kräftig heruntergeteilt.
    Grüße, Loesti

  • Hi,
    nochmal zu der Frage, ob man das Crunch/Clean Signal zusätzlich abschalten sollte:
    Da die Triode V2b hier schon eine besondere Schaltung mit dem sehr großen Kathodenwiderstand hat, hatte ich mich gefragt, ob sie sozusagen aktiv das Signal bedämpfen kann: Eine Stromänderung an ihrem Anodenwiderstand würde sich in einer Strom und Spannungsänderung am Kathodenwiderstand bemerkbar machen, und damit an ihrer Differenzspannung Kathode-Gitter. Ich wollte wissen, ob sie daher das Signal des anderen Kanals "ausregelt".

    Insgesamt wird das Signal (400Hz) von Amplitude 10V vor R5 auf 0,4V an R4 runtergeteilt.
    Das entspricht so ungefähr dem Runterteilen via R5/R3, also kein besonderes zusätzliches "aktives Bedämpfen".

    Die Triode hat einen "halbwegs verhungerten" Arbeitspunkt mit 90µA bei 3,5V am R1 39k.
    Kennt jemand eine Diskussion dieser seltsamen Beschaltung mit deren Effekt?

    Immer wieder interessante Fragen...
    :) Christof

  • Hi,

    deine Frage bezieht sich auf den hohen Wert von R1? Falls ich deine Frage richtig verstanden habe, dann habe ich eine laienhafte Erklärung:
    Das ist ein sogenannter "Cold Clipper" und der Arbeitspunkt ist mit Absicht verschoben (cold bias). Bei genügend Eingangpegel bringt ein "Cold Clipper" schöne, asymmetrische Vorstufenverzerrung, allerdings mit niedrigem Ausgangspegel.
    Hier im Abschnitt "Cold Clipper Gain Stage" gut erklärt: https://robrobinette.com/Voicing_an_Amp.htm

    Klappt übrigens auch mit JFETs und klingt sehr gut, allerdings braucht man meistens noch ne Aufholstufe danach.

    Hoffe, deine Frage richtig verstanden und eine hilfreiche Antwort gegeben zu haben.

    Lieben Gruß,
    Max <3

    "Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann."
    - Antoine de Saint-Exupéry

  • HAllo,

    ein Tip zur Simulation: V2 als Signalquelle ist ja die vorhergegende Röhrenstufe. Da solltest du den Ri (Rser) berücksichtigen, das sind schon einige -zig kOhm (wenns kein Kathodenfolger ist) und das macht sich im Signalpegel schon bemerkbar.

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Hi Bernd,
    Danke für den Hinweis.
    Angesichts des 2m2 Widerstands R5 hatte ich darauf verzichtet.
    Außerdem war mein Ziel, zu sehen, ob V2b das Signal aktiv ausregelt. Für diesen Zweck hatte ich zusätzlich noch alternativ einen fetten Kathodenkondensator an V2b. Dieser sollte zum Kontrast die Gegenkopplung über r1 lahmlegen. Stattdessen bekommt man mit diesem Kondensator eine kleinere Ausgangsspannung.
    Letztlich habe ich bei der Aktion gelernt, dass der Ausgangs Widerstand von V2b in der Größenordnung ihres Anoden Widerstands liegt. Und das sind dann die "einigen zig Kiloohm", von denen Du schreibst....
    Gruß Christof

  • @Max,
    Man kann sich zusätzlich fragen, ob man zusätzlich zur schlichten Begrenzung auch noch die Gate-Kathodenspannung in den gekrümmten Bereich schiebt, wo die Triode komprimiert.
    Gruß Christof

  • Hi Jungs,

    ist ja echt erstaunlich, was man da so alles simulieren und berechnen kann - wenn ich das nur auch könnte! Aber zum Glück habe ich ja Euch. Ich werde jedenfalls in meinem Projekt das Signal des Clean Kanals wegschalten.

    Nächste Frage:

    Beim SLO hat die Eingangsstufe keinen Gridstopper, wie sonst üblich. Hat das wesentlichen Einfluss auf den Sound? Sollte man einen verwenden, also zum Beispiel die Marshalltypischen 34k? Mit meinem bescheidenen Verständnis dürfte das nichts am Sound drehen. Manche Amps benutzen ja sogar noch einen Kondensator, z.B. 1 µF Folie, dann 34k Gridstopper und 1M nach Masse. Liege ich da richtig, dass das alles kaum Einfluss auf den Sound hat?

    Gruß
    Oli

    [size=1]DIY: Soldano X88R, Peavey 5150, Engl 530,Boss AC-2,BD-2,BF-2,CE-2,DM-2,DS-1,DS-2,EH-2,FT-2,HM-2,MD-2,MT-2,NF-1,NS-2,OC-2,OD-1,OD-2,OD-3,OS-2,PH-1, SD-1,SD-2,SG-1,SP-1,TW-1,XT-2,Rocktave Divider,Small Stone,Woody,STL,TS10,TS9,TS808,Obsidian 1+2,EasyVibe,Ultraflanger,Zombie Chorus,PT-80,MU-TRON, etc.[/size]

  • Hi,

    mich wundert jedenfalls, dass Mesa den grid stopper grundsätzlich weglässt, da Mesa imo einer der technisch ausgefeiltesten Amps herstellt. Also reine Kostenersparnis und Gewinnmaximierung kann ich mir da beim besten Willen nicht vorstellen.

    Gruß
    Oli

    [size=1]DIY: Soldano X88R, Peavey 5150, Engl 530,Boss AC-2,BD-2,BF-2,CE-2,DM-2,DS-1,DS-2,EH-2,FT-2,HM-2,MD-2,MT-2,NF-1,NS-2,OC-2,OD-1,OD-2,OD-3,OS-2,PH-1, SD-1,SD-2,SG-1,SP-1,TW-1,XT-2,Rocktave Divider,Small Stone,Woody,STL,TS10,TS9,TS808,Obsidian 1+2,EasyVibe,Ultraflanger,Zombie Chorus,PT-80,MU-TRON, etc.[/size]

  • Hallo Oli,
    der Gridstopper dient mit dem Eingangswiderstand und der Millerkapazität der Röhre als Tiefpaß (20kHz), um AM-Rundfunksender o.ä. zu unterdrücken.
    Je nach Standort und Länge Deines Gitarrenkabels kann das auch heute noch manchmal vorkommen. Und wenn die Millerkapazität eh schon vorhanden ist,
    kann man ihr so auch noch was Gutes abgewinnen.


    Gruß
    Peter

    Die klangliche Genialität von Röhrenamps basiert auf ihren technischen Unvollkommenheiten.

  • HI Peter,

    danke für Deine Erklärung. Ich habe mal ein paar Eingangsstufen angehängt - oben die sog. "high gain" Varianten und unten die "low gain". NUn die Fraegn:

    a) Kann man zwischen den einzelnen Varianten (der selben Gainstufe natürlich) Soundunterschiede feststellen?

    b) Mich wundert z.B. dieser 39pF nach Masse beim 5150. Ist dieser nicht auch so ein Tiefpass, der im Prinzip aber schon mit dem Gridstopper und Cdyn bewerkstelligt wird?

    c) Was soll der 100nF beim 5150?

    d) Gibt es einen plausiblen Grund, warum Mesa den Gridstopper weg lässt? Hängt der Effekt auch mit der Beschaltung der Triode zusammen? Da sind der Plexi und der SLO 100 doch ziemlich unterschiedlich.

    Gruß
    Oli

    Bilder

    [size=1]DIY: Soldano X88R, Peavey 5150, Engl 530,Boss AC-2,BD-2,BF-2,CE-2,DM-2,DS-1,DS-2,EH-2,FT-2,HM-2,MD-2,MT-2,NF-1,NS-2,OC-2,OD-1,OD-2,OD-3,OS-2,PH-1, SD-1,SD-2,SG-1,SP-1,TW-1,XT-2,Rocktave Divider,Small Stone,Woody,STL,TS10,TS9,TS808,Obsidian 1+2,EasyVibe,Ultraflanger,Zombie Chorus,PT-80,MU-TRON, etc.[/size]

  • Hallo Oli,

    da Du sicher nicht die knurrenden Mägen meiner Familie auf dem Gewissen haben möchtest antworte ich erst jetzt.
    Ich bin hier nämlich auch der Küchenchef. 8)

    Eine Klärung voraus. Bei den Eingangsstufen handelt es sich nicht um High- oder Low Gain-Stufen, sondern um Eingangsschalungen
    mit hoher oder niedriger Eingangsimpedanz, die vorwiegend von den ohmschen Eingangswiderständen bestimmt wird.
    Diese werden angeboten, um z.B. hochohmige passive- oder niederohmige aktive PU's besser an den Verstärkereingang anzupassen.

    a) Wer Fledermausohren hat könnte mit geringerem oder keinem Gridstopper mehr hohe Höhen ausmachen.
    Deine SLO-Stufe ist hier fehl am Platz. Das ist die Eingangsstufe der Endstufe.
    In der Verstärker-Eingangsstufe hat der SLO ebenfalls 68k drin (siehe Deinen obigen Link).

    b) Ja, das ist auch ein Tiefpaß, der aber eine Grenzfrequenz im Langwellenbereich hat (185/ 370 kHz).
    Bei der Reihenschaltung von Tiefpässen beginnt man mit der höchsten und endet bei der niedrigsten Grenzfrequenz.
    So ergänzen sie sich in ihrer Wirkung.
    Gerade die Langwelle kann auch heute noch durch Luft- und Seefunk, teilweise auch in Telegraphie, oder exotische Rundfunksender nerven.

    c) Der 100n Kondensator trennt Gleichspannung vom Verstärker-Eingang zur Röhre ab. (z.B. schlecht konstruierte Effekte)

    d) Warum Mesa die weg läßt kann ich Dir nicht sagen. Da müßtest Du mal übern Teich telefonieren.
    Ich hatte aber schon mehrere Anfragen, um auch bei Mesa-Amps Einstreuungen zu verhindern.
    Da der Arbeitspunkt aller Eingangsstufen im mittleren, verzerrungsfreien Kennlinien-Bereich liegen muß, kann die Beschaltung der Röhre aufgrund
    unterschiedlicher Anodenspannungen leicht abweichen.
    Das hat aber keinen Einfluß auf die besprochene Thematik.

    Gruß
    Peter

    Die klangliche Genialität von Röhrenamps basiert auf ihren technischen Unvollkommenheiten.

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