Nachbau von Röhrenamps

  • Hallo zusammen,

    der Nachbau von Röhrenamps macht ja wirklich extrem viel Spaß. Leider geht das aber auch richtig ins Geld, gerade, wenn man immer den kompletten Amp nachbaut, also mit Endstufe und womöglich noch mit der Box/Gehäuse, gerade wenn man z.B. einen alten Fender Combo nachbauen will. Da ich 19"-Fan bin, habe ich mal von einigen Amps die Vorstufen miteinander verglichen und bin ehrlich gesagt verwundert, wie ähnlich sich z.B. die alten Marshalls, Vox und Fenders da sind.
    Nun frage ich mich natürlich, in wie weit der "Sound / Feeling" des Amps von den einzelnen Teilen des Amps abhängt:

    a) Vorstufe
    b) Phaseninverter
    c) Endstufe
    d) Box

    Und dann kommen ja noch ganz andere Faktoren dazu wie Gitarre, Raumakustik, "eigene Tagesform" etc.

    Mangels A/B Vergleichsmöglichkeit kann ich das so überhaupt nicht abschätzen. Wer hat schon die ganzen Amp-Klassiker zu hause rumstehen? Vieles, was man so liest ist mit Sicherheit Voodoo, aber eine 4x12" klingt definitv anders als eine 1x12" offene Box, eine Röhrengleichrichtung mit PP 6L6 anders als eine SE EL84.
    Die entscheidende Frage, die ich mir stelle ist, ob es überhaupt Sinn macht, die Vorstufen der Amps ohne die zugehörige restliche Soundkette nachzubauen??? Klar, wenn man eine PP 6L6 Endstufe hat, macht es schon Sinn eine SLO100-, XTC- oder Rectifier-Vorstufe zu bauen, aber die "Klassik-Amps"?

    Gruß
    Oli

    [size=1]DIY: Soldano X88R, Peavey 5150, Engl 530,Boss AC-2,BD-2,BF-2,CE-2,DM-2,DS-1,DS-2,EH-2,FT-2,HM-2,MD-2,MT-2,NF-1,NS-2,OC-2,OD-1,OD-2,OD-3,OS-2,PH-1, SD-1,SD-2,SG-1,SP-1,TW-1,XT-2,Rocktave Divider,Small Stone,Woody,STL,TS10,TS9,TS808,Obsidian 1+2,EasyVibe,Ultraflanger,Zombie Chorus,PT-80,MU-TRON, etc.[/size]

  • Zumindest sollte die Endstufe flexibel sein. ZB neg. Feedback regulierbar, Umschaltung Katodenbias vs fixed... Und man sollte bei Lautsprechern und Boxen mehrere Optionen haben.
    Es hat ja Amps mit modularem Konzept mit verschiedenen Vorstufen gegeben. Zum Teil für sich betrachtet gar nicht schlecht, aber erfolgreich waren sie alle nicht.
    Fraglich ist, wofür man baut: Im Studio ist es ja kein Problem, wenn man komplette, sehr unterschiedliche Amps hat. Und live ist die totale Authentizität nicht wichtig, im Gegenteil, die Sounds müssen gut zusammen passen.

  • Moin Oli,

    Bin kein Ampbau-Profi, aber leidenschaftlicher Soundfanatiker, Hobby-Recorder, DIY-ler, Historikbegeisterter, Gitarrist.und außerdem Ingenieur (= wissenschaftsgeprägt).
    Habe mich gedanklich auch schon öfter damit beschäftigt und die Frage kann man mMn nicht beantworten. Zu viele Faktoren, zu viele Interaktionen.

    Dass sich die alten Amps so stark ähneln liegt wohl daran, dass alle mit Wasser kochen und damals drastisch voneinander kopiert haben. Der Marshall JTM45 basiert soweit ich weiß stark auf nem Fender Bassman. Der Mesa Boogie Mki war ein gepimpter Fender Princeton. Der gute Hr. Bogner ist als junger Mann der Story nach mit nichts als nem gemoddeten JCM800 in die USA und hat diesen angeblich gegen Eddie van Halens Gitarre getauscht, so kam er größer raus (hat er mal in nem Interview erzählt). Bei Diezel war es glaube ich auch mal ein gemoddeter JCM800.

    Anderes Beispiel: Boxen. Eine Marshall 1960er, ne Rectifier- und ne Orange-4x12er, alle mit Vintage 30ern, alle Birke-Multiplex klingen phänomenal unterschiedlich. Fast alles gleich, aber andere Bauweisen oder Geometrien. Riesiger Effekt.

    Ich vergleiche das mit Cocktails. Je nach Cocktail kann es Wurst sein, ob man Rum, Whisky, Vodka oder Gin nimmt. Ein anderer Cocktail schmeckt vielleicht nur mit Gin, der nächste nur mit Rum und ein anderer (dämliche Mischung z.B.) schmeckt mit gar nichts gut.

    Es gibt von ne Ampsim als Plugin, Bias heißt sie, bei der kann man alle von dir erwähnten Komponenten unabhängig voneinander verändern. Klar ist das nur digital, aber da merkt man, dass alles nen Effekt haben kann, mehr, weniger oder auch mal gar nicht, nach Kombination und Fall.

    Wenn du wirklich den Sound der Vintage-Teile willst, dann muss denke ich die Kette stimmen und zusammenpassen, um den authentischen Klang zu bekommen.

    Langer Post, gibt leider keine klare Antwort aber die gibt es mMn auch leider nicht.

    <3 Max

    "Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann."
    - Antoine de Saint-Exupéry

  • Moin Oli

    Nun frage ich mich natürlich, in wie weit der "Sound / Feeling" des Amps von den einzelnen Teilen des Amps abhängt:

    a) Vorstufe
    b) Phaseninverter
    c) Endstufe
    d) Box

    Ich sag mal, zum grössten Teil hängt der Sound vom Lautsprecher bzw der Box ab. Da können sich zw. versch. Lautsprechertypen in der Tat Welten tun.
    Und was Feeleng angeht, naja, wenn der Sound den Gitarrero anspricht, dann bekommt er Feeling von alleine ;)

    Gruss
    Chris

    :P Ich liebe Blondinen :P

  • Hi zusammen,

    so ähnlich habe ich mir das schon gedacht....ein Dann Huff, Eric Clapton oder Mark Knopfler bekommen wahrscheinlich aus jedem Amp zumindest so einen guten Sound heraus, dass man GENAU diesen Amp auch haben will...
    Nichts desto trotz mache ich mich mal an die Planung meines Multi-Preamps, eine sehr flexible Endstufe habe ich zum Glück schon und der Endstufen-Switch ist schon fast fertig.
    Danke für die Antworten.

    Gruß
    Oli

    [size=1]DIY: Soldano X88R, Peavey 5150, Engl 530,Boss AC-2,BD-2,BF-2,CE-2,DM-2,DS-1,DS-2,EH-2,FT-2,HM-2,MD-2,MT-2,NF-1,NS-2,OC-2,OD-1,OD-2,OD-3,OS-2,PH-1, SD-1,SD-2,SG-1,SP-1,TW-1,XT-2,Rocktave Divider,Small Stone,Woody,STL,TS10,TS9,TS808,Obsidian 1+2,EasyVibe,Ultraflanger,Zombie Chorus,PT-80,MU-TRON, etc.[/size]

  • Wenn man das diskutiert, dann lohnt es sich m. E. darauf zu achten, in welchem Gain Bereich man unterwegs ist. Während im eher cleanen tendenziell jede Endstufe mit jeder Vorstufe kombiniert werden kann, ist es bei höherem Gain sehr wichtig, bei welchem Pegel welche Stufe zu zerren beginnt und wieviel Bässe vorher weggefiltert werden. Die großen Vorbilder sind da schon durchkomponiert.
    Auch die Schwingneigung wird kniffliger.
    Außerdem ist natürlich die Frage, ob man nach einem ganz bestimmten Sound sucht.

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