Effektgeräte für Line-Level bauen?

  • Hallo Pedalfreaks! Ich bin neu hier und werde erstmal einiges hier zu lesen haben, bevor ich eigene Geräte bauen kann. Ich habe mich schon ein bisschen auf Elektronik-Kompendium.de eingelesen, aber muss noch einiges zum Verständnis elektrischer Schaltkreise lernen. Ich hätte allerdings eine Frage, die vielleicht schon im Voraus gestellt werden kann, damit sich abzeichnet, ob sich mein weiteres Engagement lohnt:


    Können die Effektgeräte auch so gebaut werden, dass sie für Line-Level taugen? Hintergrund ist der, dass ich keine Gitarre spiele, aber vom Format der Stomp Boxes begeistert bin. Ich mache elektronische Musik mit Hardware-Synthesizern, die ich über mein RME Bybyface aufnehme (kleine Röhren-Preamps von ART vorgeschaltet). Nun besitze ich schon einige Effekte von MXR, die sich dafür ganz gut eignen. Angeblich ist das eine Besonderheit gerade diesen Herstellers.


    Deshalb meine Frage: Wenn ich mir hier einen Bausatz hole... ließe sich eine solche Schaltung mit wenig Umstand für ein Line-Level-Signal umgestalten? Müssten dafür nur Eingangs- und Ausgangswiderstände angepasst werden, oder müsste man jeweils einzelne Bauteile des ganzen Schaltkreises neu berechnen?


    Außerdem stelle ich mir die Frage: Gibt es jeweils eine bevorzugte Wahl bei den Komponenten, wenn man möglichst qualitativ hochwertigen Sound erreichen möchte? Ich bin z.B. auf Metallschicht-Festwiderstände aufmerksam geworden (Vishay Dale CMF55), die sich angeblich durch einen besonderen Temperaturkoeffizient speziell für Audio-Anwendungen qualifizieren. Wie ist das bei Potentiometern oder auch Kondensatoren, Spulen, ICs etc.?

  • Das Vorhaben wird wohl etwas schwierig werden,
    Diese Gitarreneffekte, egal ob nun von Musikding oder von anderswo, sind speziell für die Impedanzverhältnisse
    von Gitarren und Verstärkern ausgelegt.
    Die Probleme sehe ich schon bei den Eingangspegeln, 2 Volt z.B. in den "Der Range" o.ä. wird den Eingang total verzerren.
    Was aber die Spannungs und Impedanzverhältnisse für die Ausgänge anbetrifft, da sehe ich schwarz. Rechne mal selber, angenommen du schickst in ein effekt 2 Volt eff. Signalspannung, diese wird 60 fach verstärkt, also 2V * 60 = 120V eff welche dann am Ausgang heruaskommen das wären +43 dbu, mit einer solch hohen Signalspannung überfährst du technisch gesehen alles.Außerdem ist so ein Ausgang eines Effekts auf eine hohe eingangsimpedanz des nachfolgenden Gerätes angewiesen 1Mohm, andernfalls bricht die Spannung ein. Schließt du so ein effektgerät also an einen Lineeingang an wird es leise und dumpf klingen.
    Du müsstest also hinter das effektgerät einen Impedanzwandler und ein Poti zur Reduzierung der Lautstärke schalten. Aber auch vor dem Effekt wäre ein Poti nicht verkehrt. Dann könnte es eventuell gehen.

  • Das Vorhaben wird wohl etwas schwierig werden,Diese Gitarreneffekte, egal ob nun von Musikding oder von anderswo, sind speziell für die Impedanzverhältnisse
    von Gitarren und Verstärkern ausgelegt.
    Die Probleme sehe ich schon bei den Eingangspegeln, 2 Volt z.B. in den "Der Range" o.ä. wird den Eingang total verzerren.
    Was aber die Spannungs und Impedanzverhältnisse für die Ausgänge anbetrifft, da sehe ich schwarz. Rechne mal selber, angenommen du schickst in ein effekt 2 Volt eff. Signalspannung, diese wird 60 fach verstärkt, also 2V * 60 = 120V eff welche dann am Ausgang heruaskommen das wären +43 dbu, mit einer solch hohen Signalspannung überfährst du technisch gesehen alles.Außerdem ist so ein Ausgang eines Effekts auf eine hohe eingangsimpedanz des nachfolgenden Gerätes angewiesen 1Mohm, andernfalls bricht die Spannung ein. Schließt du so ein effektgerät also an einen Lineeingang an wird es leise und dumpf klingen.
    Du müsstest also hinter das effektgerät einen Impedanzwandler und ein Poti zur Reduzierung der Lautstärke schalten. Aber auch vor dem Effekt wäre ein Poti nicht verkehrt. Dann könnte es eventuell gehen.

    Ohje, das hört sich doch komplizierter an, als ich dachte. Kannst du mir Threads empfehlen, die mir Grundlagen für derartige Berechnungen zeigen? Ich habe vor, erstmal eine Box mit Steckplatine zu bauen, wo ich dann Schritt für Schritt einfache Schaltungen ausprobieren kann. Vielen Dank schonmal für die Antwort!

  • HI,
    Effektgeräte arbeiten meistens mit -20dBm. Linepegel sind 0dB oder auch 0.775V und keine 2V. Zb. bekommste aus einem Plexi schon 3V raus :-). In den meisten Fällen wird es reichen einen Eingangspannungsteiler zu installieren, falls die nachfolgende Stufe gleich in's Clipping geht. Das nächste wird dann wahrscheinlich sein, wenn der Ausgnagspegel nicht reicht, das wieder auf die ca. 0Db zu kriegen. Meist reicht es dann die Verstärkung einfach zu änderen. Dazu sollte man sich allerdings mit der Schaltung auskennen :D


    Uwe

  • In den meisten Fällen wird es reichen einen Eingangspannungsteiler zu installieren, falls die nachfolgende Stufe gleich in's Clipping geht.

    Hallo Uwe, edit: oder gerne auch andere Forenmitglieder ;)


    Meinst so?
    http://www.sengpielaudio.com/Rechner-spannungsteiler.htm


    Gruss, Jochen

  • Erstmal vielen Dank für die starke Beteiligung! Geiles Forum hier!


    Ich habe neulich auch überrascht lesen müssen, dass mit dem Line Level meines Moog Synthesizers oder der Akai MPC ein anderes „Line“ gemeint ist, als im HiFi-Consumer-Bereich. Leider verstehe ich den Zusammenhang von dB und Spannung noch nicht wirklich, insofern muss ich da noch einiges lernen.

  • Hi Loco,
    Ich habs mal als Nachrichtenelektroniker mit 0dbm =0.775V gelernt. So wurde auch gemessen, aber auf der anderen Seite war damals ja schon international 8o Gruss nach Hamburch


    MfG Uwe

  • Hallo Uwe, edit: oder gerne auch andere Forenmitglieder ;)
    Meinst so?
    http://www.sengpielaudio.com/Rechner-spannungsteiler.htm


    Gruss, Jochen

    Genauso, aber praktisch würde ich das ganze dann immer als Trimmer im Eingang auslegen, als sogenannten PREGAIN Regler. Das ganze erspart die ganzen Berechnungen vorallem, weil man meistens nie genau die Impedanz der Aus- und Eingangsschaltungen genau kennt, ohne das vorher mal zu messen .


    Uwe

  • Hallo,


    unabhängig von der Pegeldebatte - bei der eh schon alles Wichtige gesagt wurde (nur noch nicht von jedem - hihi) - einige Anmerkungen von mir, warum diese Vorüberlegungen in eine andere Richtung führen sollten:


    Es gibt eine Klasse von Guit-FX (zumindestens für mich), zu der hauptsächlich die Zerrer (inkl. Distortion, Fuzzes, Overdrives etc.) und die (Treble)Booster gehören.
    Diese zeichnen durch mindestens eins dieser Merkmale aus:
    - aus der Frühzeit der FX,
    - daher auch meist Ge bestückt
    - wenige (aktive) Bauelemente in Form von diskreten Transistoren
    - dafür aber oft mit "tricky" Schaltungskonzept (z. B. die AP-Gewinnung)
    - sehr quellimpedanzabhängige (also von der Gitarre abhängig) Soundergebnisse
    - wegen der starken Nichtlinearität (sonst wären es keine "Verzerrer") auch stark dynamikabhängiger (also von Anschlag und Vol-Potistellung der Guit abhängig) Sound


    Diese Gruppe ist für Synth-Ausgänge mit starrer Impedanz eh von untergeordneter Bedeutung. Ja, ich kenne die Anwendung von Zerrern oder Wahs (Reggae) hinter Fender Rhodes...


    Bei den anderen, "moderneren" Effekten, die oft IC-bestückt sind, oder gar voll- oder teil-digital arbeiten (Modulationseffekte, Hall, Echo etc.) ist die Ansteuerung mit unüblichen Quellen gar nicht so kritisch, solange man deutlich unter dem Clipping-Pegel des Effekts bleibt. ) Praktische Lösung dazu siehe Uwes Beiträge.


    Impedanz"anpassung" macht eh keinen Sinn, weil das Leistungsanpassung wäre (Zquelle = Zsenke -> Energietechnik). Hier ist Spannungsanpassung üblich: Zquelle < Zsenke. Das dürfte aber für einen Synthausgang kombiniert mit einem FX-Eingang gegeben sein...


    Gruß, Bernd


  • Es gibt eine Klasse von Guit-FX (zumindestens für mich), zu der hauptsächlich die Zerrer (inkl. Distortion, Fuzzes, Overdrives etc.) und die (Treble)Booster gehören.
    (…)
    Diese Gruppe ist für Synth-Ausgänge mit starrer Impedanz eh von untergeordneter Bedeutung. Ja, ich kenne die Anwendung von Zerrern oder Wahs (Reggae) hinter Fender Rhodes...


    Das kommt wieder sehr auf die Anwendung an, finde ich. Die ganzen verschiedenen Arten von Verzerrung, die im Gitarrenbereich zum Einsatz kommen, haben mich „hellhörig“ :) gemacht, weil ich – so schön ein Moog auch ist – nicht nur mit solchen fertigen Synths arbeite, sondern auch gerne mal ein paar geloopte Wellenformen über die MPC trigger… da bin ich auf den Geschmack der MXR-Treter gekommen und bin richtig entzückt davon.

    Quote

    Bei den anderen, "moderneren" Effekten, die oft IC-bestückt sind, oder gar voll- oder teil-digital arbeiten (Modulationseffekte, Hall, Echo etc.) ist die Ansteuerung mit unüblichen Quellen gar nicht so kritisch, solange man deutlich unter dem Clipping-Pegel des Effekts bleibt. ) Praktische Lösung dazu siehe Uwes Beiträge.

    Ich muss dazu sagen, dass mich da schon vorwiegend die analogen interessieren. Meinen Hall werde ich weiterhin mit einem Software-Lexicon machen. Andererseits habe ich mir auch rein spaßhalber die MXR blue box geholt und den Octav-Mod gemacht. Da fand dich einfach das Konzept mit dem Flip Flop IC cool, aber das Ding liefert gerade bei Samples manchmal interessante Glich-Effekte :D

    Quote


    Impedanz"anpassung" macht eh keinen Sinn, weil das Leistungsanpassung wäre (Zquelle = Zsenke -> Energietechnik). Hier ist Spannungsanpassung üblich: Zquelle < Zsenke. Das dürfte aber für einen Synthausgang kombiniert mit einem FX-Eingang gegeben sein...


    Gruß, Bernd


    Danke!


    Gruß Frank

  • Dass ausgerechnet MXR irgendwie besonders "synthfreundlich" sein soll, ist natürlich Blödsinn...


    Fuzz kann sehr gut mit Synthies klingen, ich hab schon Stereo-Fuzze für jemanden mit VA-Synth gebaut.

  • Hi,


    nur mal als Idee und noch nicht als fertige Lösung:
    Wie wäre es mit einem Übertragertrafo (ÜT) vor dem Eingang derjenigen FXs, die sowohl pegel- als auch impedanzabhängig unterschiedlich klingen bzw. bei zu hohem Pegel gnadenlos übersteuern?!
    Mit einem ÜT müssten sich doch sowohl Pegel wie auch Impedanz anpassen lassen ...


    Ich erinnere mich an einige Projekte/Mods, die ÜTs am Eingang von Fuzzes vorsahen, damit man sie mit aktiven low-impedance-Instrumenten oder im Signalweg hinter anderen Effektgeräten betreiben kann.


    Bei Selbstbau von IC-basierten FXs hilft noch eine höhere Versorgungsspannung gegen ungewolltes Clipping. Dazu müssen nur einige Bauteile auf diese Spannungen angepasst werden.


    Gruß
    Ulrich

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