Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

  • Moin!
    Ich muss mich für Endröhren für meinen selbstbau-Amp entscheiden.
    Wie würdet ihr die 6L6, 5881 und die 6550 charakterisieren?
    Soll ein Highgain-Amp werden mit richtig straffen Tiefmitten und Bässen. Kann mir jemand etwas empfehlen?

    Danke schonmal,
    Nils

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    ich hab mir einen g5-amp gebaut, single-ended, class a mit nur einer röhre in der endstufe. je nach röhre zw. 5 und 10 watt ausgangsleistung.

    verwende abwechselnd EL34, KT66, 6550 und KT88.

    eigentlich habe ich diesen amp nur gebaut, um verschiedene röhren klanglich testen zu können, er ist in der vorstufe recht clean und bläst dafür die endstufe ordentlich an. er verändert praktisch mit jederm röhrentyp total sein klangliches "gesicht".

    mit der EL34 kommt das volle britische brett, so typisch marshall, mit der KT66 (6L6-clone) kommt der typische fender-sound, also schön klar aber mit starker kompression, die 6550 kommt am klarsten, geht aber auch schön tief runter und die KT88 ist der hammer, die ist lauter als die anderen, kommt in den bässen total sauber und hat eine mords dynamik.

    bei der von dir gewünschten klangrichtung mußt du die zerre ja in der vorstufe erzeugen, richtige endstufenzerre knickt unten und oben rum immer ein, je mehr es zerrt, desto mittiger wird der sound. klingt ja auch genial, aber halt nicht so, wie du es wünschst.

    also, die zerre erzeugt dann die vorstufe, die endstufe soll oben und unten rum sauber hochverstärken ...

    EL34 kommt dann also schon mal gar nicht in frage (zu mittig). von der 6L6 würde ich auch abraten, die komprimiert zu stark unten rum, also bleiben 5881, 6550 oder KT88.

    die 5881 muß ich auch erst noch testen, daher kann ich dir nicht viel drüber sagen. sie ist aber vom typ her sehr verwandt zu 6550 und KT88

    die 6550 ist m.e. wohl das beste für dich, je nachdem, wieviele röhren du in deinem amp hast ...

    die KT88 kommt soundmäßig noch ein bißchen dicker daher, ist aber kein sehr großer unterschied zur 6550. man kann sie jedoch noch höher anfahren (anodenspannung), dann kann man mit ihr bei 2 röhren durchaus reine 70 watt oder mehr rausholen, bei einem quartett läßt sich die leistung auf über 150 watt steigern ... allerdings ist die KT88 auch die teuerste von allen.

    die KT88 würde sich also erst dann lohnen, wenn man die stromversorgung so richtig an sie anpaßt. dann jedoch schlägt sie alle anderen in puncto leistung, dynamik und sound.

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    Wow!
    Danke schonmal für den Bericht!
    Habe noch ein paar Fragen/Unklarheiten:

    Zitat von haebbe58


    die 5881 muß ich auch erst noch testen, daher kann ich dir nicht viel drüber sagen. sie ist aber vom typ her sehr verwandt zu 6550 und KT88


    Ich dachte immer die 5881 sei eher ähnlich der 6L6?! Wird oft in einem Atemzug genannt...

    Zitat von haebbe58


    von der 6L6 würde ich auch abraten, die komprimiert zu stark unten rum


    Hm, interessant, wo die doch in den Rectifiern sind

    Zitat von haebbe58


    also bleiben 5881, 6550 oder KT88


    6550 und KT88 könnte ich auch in meinen 100Watt Marshall mit EL34s setzen, ohne den Ausgangs-OT wechseln zu müssen, oder?
    Wie siehts da mit der 5881 aus?

    Zum Abschluss:
    Ich habe gelesen, dass EL34, KT88 und 6550 sozusagen steckkompatibel sind. In wie weit kann man die ohne zu löten einfach austauschen? Bei TAD hat man mir gesagt, für die 6550 müsse man auch schon die Spannungsversorgung ändern. Für die KT88 gilt das ja sowieso, wie Du sagst.
    Ich will zwar auch nen Amp bauen (als Diplomarbeit:D), aber um meinen Marshall zu optimieren ist das sehr interessant. In wie fern besteht die Gefahr, dass 4 KT88 den Marshall-OT überlsten? Zwei wären da wohl besser, was? 70Watt reichen ja auch.

    Vielen Dank,
    Nils

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    Hallo

    Zitat

    die 5881 muß ich auch erst noch testen, daher kann ich dir nicht viel drüber sagen. sie ist aber vom typ her sehr verwandt zu 6550 und KT88

    Eigentlich ist die 5881 ne 6L6 und zwar ne 6L6WA (19W Anodenverlustleistung)

    Interresat zum testen wäre sicher noch die 6CA7 die US EL34 die klingt nämlich nicht wie ne EL34 sondern geht auch in Richtung 6L6, 5881 habe die in meiner Dynachord Reference drin...und die hört sich wirklich gut an. (kann direkt mit dem Laney mit 4xEL34 vergleichen)

    Zitat

    Ich will zwar auch nen Amp bauen (als Diplomarbeit:D), aber um meinen Marshall zu optimieren ist das sehr interessant. In wie fern besteht die Gefahr, dass 4 KT88 den Marshall-OT überlsten? Zwei wären da wohl besser, was? 70Watt reichen ja auch.

    Das hängt von vielem ab...aus 4 KT88 oder 6550 kannst über 200W rausholen so ne Endstufe findest im Buch "Gitarrenverstärker selbstgebaut" von G. Haas oder auf http://www.jogis-roehrenbude.de/Verstaerker/6550.htm

    mfg
    Sebastian

    Ich heiß zwar nicht Otto doch klar ist mein Motto, drum sag ich's barsch wenn nicht Rockt ist's fürn Arsch.

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    Hm, so richtig schlau werde ich aus Jogis Bude nicht. Aber naja, ich lasse es mal auf mich zu kommen, ich hab hier auch noch das Tube Amp Workbook neu, Hau mich jetz mal raus und schmöker drin, vielleicht hab ich dann schon ein paar Fragen weniger.

    Also besten Dank und bis später, schönen Sonntag euch!

    Nils

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    Was mich aber noch interessiert:
    Inwieweit wirkt es sich auf den Klang aus, wenn man aus den Röhren derart hohe Leistungen kitzelt? 200W aus einem Quartett sind doch ne ganze Menge!

    Gruß,
    Nils

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    du mußt nicht die haupt-spannungsversorgung ändern, bei der KT88 ist es nur ratsam, damit holt man noch mehr leistung raus. was du ändern mußt ist die bias-/ruhestrom-einstellungeinstellung bzw. den kathodenwiderstand und ggf. bias-strom/spannung (z.b. 35-50volt-anzapfung am trafo)

    aber wie genau das geht, sollte dir ein fachmann (evtl. hier im forum oder im tube-town-forum) besser erklären können.

    auf der tube-town-homepage gibt es übrigens auch einen super-anleitung für die bias-einstellung.

  • Re: Unterschiede bei Endröhren: 6L6, 5881 und 6550

    TheBasti: um genau zu sein, ist die 5881 die Militärversion der 6L6WGA (G = Glaskolben ;)) und ist (original) von TungSol angegeben mit 23W max. Anodenverlustleistung (19W sind design center, nicht design max). Damit hat die original 5881 auch nur eine max. Anodenspannung von nur 400V :(
    Allerdings gibt es heute auch 5881 mit den Parametern der 6L6GC, also 30W und 500V !
    Da es einige Hersteller/Distributoren nicht so genau mit der Bezeichnung der Röhren nehmen, hilft nur "Augen auf beim Röhrenkauf" ;D
    Gruß, Martin

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