Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

  • Hallo!

    Nachdem vor längerem mal in G&B in der Rubrik 'Effektiv!' ein Artikel über das Fender Reverb (das externe Federhallgerät) erschien, habe ich dieses nachgebaut. Schon damals sollte mein Nachbau auch ein Tremolo an Bord haben, und ich hatte eine Schaltung von Cesar Diaz gefunden (Patentschrift über Recherche bei depatisnet.de; nach dem Tip im G&B-Artikel), welche das Original-Fender Reverb mit einem Optokoppler-Tremolo á la Fender-Amps versah. Das funktionierte auch einigermaßen, aber irgendwie ist mir dieses Optokoppler-Konzept unsympathisch. Jedenfalls habe ich dafür eine komplette ECC83 gebraucht, und nun für ein alternatives Konzept zur Verfügung:

    Viele Leute schwärmen vom Klang der Bias-Tremolos, wie sie z.B. frühe Fender-Amps benutzten. Die meisten dieser Schaltungen beeinflussen direkt die Vorspannung der Endröhren, was bei einem externen Effektgerät natürlich nicht funktioniert. Aber einige Varianten arbeiten auch auf eine Triodenstufe, und eine Solche Variante möchte ich gerne für mein Hallgerät realisieren. Die Frage ist nur: Wie mache ich das am besten?

    Während beim Fender Reverb der Wet-Zweig einige Verstärkungsstufen und die Hallspirale durchläuft, sieht der Dry-Zweig des Signals lediglich einen Impedanzwandler (Kathodenfolger). Beide Zweige laufen schließlich auf ein Mix-Poti und von dort zum Ausgang (der Schaltplan ist übrigens hier zu finden: http://www.ampwares.com/ffg/schem/reverb_6g15_schem.gif). Die Optokoppler-Variante belastet nun einfach den Ausgang (und damit wie gewünscht trockenes und verhalltes Signal) mit einem variablen (Photo-)Widerstand; wo lasse ich aber mein Bias-Trem angreifen?

    Variante 1 - Ich schalte dem Ausgang eine Triodenstufe nach, welche moduliert wird. In dem Falle hätte ich nur noch die Oszillatorhälfte der Tremolo-ECC83 zur Verfügung; die Verstärkerhälfte zur Ansteuerung der Glimmlampe würde ich dann für diese Ausgangsstufe verwenden. Bei dieser Variante bin ich mir aber über die Realisierung der Intensity-Einstellung noch unklar.

    Variante 2 - Da ich nicht weiß, ob ich einen Kathodenfolger genau wie eine normale Kathodenbasisstufe über die Kathode modulieren kann, habe ich auch schon überlegt, diesen durch eine 'normale' Triodenstufe mit sehr geringer Verstärkung zu ersetzen und dann diese sowie die Reverb-Recovery-Stufe simultan zu modulieren. Dann könnte ich beide Hälften der Tremolo-ECC83 für eine Oszillator-Kathodenfolger-Kombination samt Intensity-Steller á la Fender Vibro Champ nutzen.

    Was denkt ihr?

    Viele Grüße,
    Christian

    Ich hab noch nie gesehen, daß Zucker sowas kann...

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hi Peter!

    Danke für den Hinweis. Diese Seite hatte ich auch schon gefunden. Hier wird das 'Harmonic Tremolo' benutzt, das die Höhen und Tiefen getrennt bearbeitet und eine Zeit lang in einigen der großen Fender-Amps zum Einsatz kam. Eine sicherlich sehr interessante Schaltung, aber sie hat ein Problem: Es wird eine komplette Doppeltriode zusätzlich benötigt! Ich kriege aber auf meinem Chassis beim besten Willen keine weitere Röhre mehr unter, somit fällt diese Idee leider flach. Schade!

    Viele Grüße,
    Christian

    Ich hab noch nie gesehen, daß Zucker sowas kann...

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Fiselgrulm

    Schau dir mal den Schaltplan vom Silverface Princeton Reverb an.
    Der hat ist ein BIAS-Trem mit einer ECC83/12AX7 Triodenhälfte mit Speed und Intensity Regelung. Einen Optokoppler benötigt man dafür auch nicht.

    Du kannst aber auch einfach nur ein altes Schaller Tremolo vorschalten, das klingt genauso. So macht's auch Jimmy Vaughan.

    Ich habe so'n Teil und klanglich eigentlich auch keinen Unterschied zu 'nem echten BIAS-Trem bislang festgestellt.

    Jürgen

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hi Jürgen!

    Zitat

    Schau dir mal den Schaltplan vom Silverface Princeton Reverb an.
    Der hat ist ein BIAS-Trem mit einer ECC83/12AX7 Triodenhälfte mit Speed und Intensity Regelung. Einen Optokoppler benötigt man dafür auch nicht.

    Das stimmt wohl, aber: Das Trem des Princeton arbeitet direkt auf die Vorspannung der Endröhren! Ich weiß nicht, wie ich dieses Konzept auf mein endröhrenloses Effektgerät anpassen soll...

    Zitat

    Du kannst aber auch einfach nur ein altes Schaller Tremolo vorschalten, das klingt genauso. ... Ich habe so'n Teil und klanglich eigentlich auch keinen Unterschied zu 'nem echten BIAS-Trem bislang festgestellt.

    Das glaube ich dir gerne und ich würde es tun, wenn nicht der Hall der eigentliche Grund für mein Projekt wäre. Ich spiele einen Laney Klipp, und der hat weder Hall noch Trem; beides sind aber Effekte, die ich liebe und gerne einsetzen möchte. Also dachte ich mir, wenn ich ein Röhrenhallgerät baue, kann ich diesem auch gleich noch ein schönes Tremolo spendieren!

    Viele Grüße,
    Christian

    Ich hab noch nie gesehen, daß Zucker sowas kann...

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Fiselgrulm

    Dann schau die mal den Schaltplan vom Vibro King an.
    Wenn du noch eine ECC83 unterbingen kannst, dann kann man das Tremolo dort 1:1 nachbauen und mit dem Ausgang oder auch Eingang vom Hallgerät verbinden (ansonsten mit Transen bauen).

    Ist zwar kein echtes BIAS-Trem, aber du kannst ja die Endröhren von deinem Klipp 'eh nicht benutzen um ein echtes BIAS-Trem zu erzeugen, da du das Ganze ja nur vorschalten willst. Soundmäßig ist das Vibro-Trem auch nicht übel.

    Für ein echtes klassisches BIAS-Trem müsste man den Klipp schon modden und das Ganze dort integrieren, um den BIAS der Endröhren zu beeinflussen.

    Übrigens:

    Ich würde die Steinzeitsiebkette durch eine modernere Variante ersetzen.

    Jürgen

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hi Jürgen!

    Zitat

    Dann schau die mal den Schaltplan vom Vibro King an.

    Der hat doch das normale Optokoppler-Tremolo. Ich suche ja gerade nach einer Alternative dazu... ;)

    Zitat

    Für ein echtes klassisches BIAS-Trem müsste man den Klipp schon modden und das Ganze dort integrieren, um den BIAS der Endröhren zu beeinflussen.

    Nun, 'Bias' bezieht sich ja nicht nur auf Endröhren. Auch Vorstufenröhren haben eine negative Gittervorspannung, die man modulieren kann; so wird es ja z.B. im Champ gemacht.

    Gibt es denn eigentlich einen Grund, wieso für das trockene Gitarrensignal im Fender Reverb dieser Kathodenfolger zum Einsatz kommt? Könnte man diesen nicht durch eine normale Kathodenbasisstufe ersetzen, deren Verstärkung man durch entsprechende Beschaltung niedrig einstellt? Dann wäre das Problem für mich nämlich eliminiert, und ich könnte die Champ-Schaltung nutzen...

    Zitat

    Ich würde die Steinzeitsiebkette durch eine modernere Variante ersetzen.

    Welche, die im Klipp? Was schlägst du vor?

    Viele Grüße,
    Christian

    Ich hab noch nie gesehen, daß Zucker sowas kann...

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hey!

    Wenn du den Kathodenfolger zu einer Kathodenbasisstufe umbaust, ist di Ausgangsimpendanz der Stufe höher. Das könnte eventuell zu höhenverlusten z.B. beim Mixpoti oder bei längeren Kabelwegen führen...
    Um das zu vermeiden könntest du einen HV FET zur Impedanzwandlung einsetzen. Dann könnte die Sache laufen.

    Meinungen dazu? ;)
    Gruß, Kim

    Man muss so bekloppt sein das utopische zu wollen um das Mögliche zu erreichen.

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hi Kim!

    Außer eventuellen Impedanzgeschichten spricht also nichts dagegen? Dann werde ich das bei nächster Gelegenheit mal austesten!

    Viele Grüße,
    Christian

    Ich hab noch nie gesehen, daß Zucker sowas kann...

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hallo, Fiselgrulm

    Den Impedanzwandler solltest du schon beibehalten, sonst wird das Originalsignal zu stark bedämpft.

    Mit besserem Netzteil meine ich in deinem Hall-Vibrogerät, d.h. heutige Standardverschaltung mit Hum-Ballanceregler für die Heizung, Brückengleichrichtung und verbesserter DC-Siebung.

    Die Idee mit dem Princeton Tremolo finde ich gut, allerdings würde ich eine halbe ECC83 zum Ankoppeln vom Tremolo vor den Impedanzwandler setzen.

    Ob ein einfaches Trem mit nur einer ECC-Triodenhäfte in dieser Konfiguration auch funktioniert, kann ich nicht sagen, da diese normalerweise an die Endröhren angekoppelt werden.
    Das Tremolo würde ich sogar in Solid State oder IC ausführen, da die Schaltung 'eh nur ein Oscillator ist.

    Den Impedanzwandler kann man bei Bedarf auch mittels FET realisieren, falls du zu wenig Platz hast oder die Triodenhälfte anderweitig verwenden willst.

    Anbei der modifizierte Schaltplan. Die Bauteile der zusätzlichen Triodenstufe müssen evt. noch ein wenig angepasst, bzw. optimiert werden.

    Jürgen


    [gelöscht durch Administrator]

  • Re:Fender Reverb mit Bias-Tremolo?

    Hi Jürgen!

    Zitat


    Mit besserem Netzteil meine ich in deinem Hall-Vibrogerät, d.h. heutige Standardverschaltung mit Hum-Ballanceregler für die Heizung, Brückengleichrichtung und verbesserter DC-Siebung.

    Achso. Na ja, ich hab's jetzt halt mit einem vorhandenen Trafo für Röhrengleichrichtung aufgebaut und soweit keine Probleme. Einen Entbrummer könnte ich noch nachrüsten, das ist ja kein großer Akt.

    Zitat

    Die Idee mit dem Princeton Tremolo finde ich gut, allerdings würde ich eine halbe ECC83 zum Ankoppeln vom Tremolo vor den Impedanzwandler setzen.

    Du meinst die Champ-Variante! Das mit der 'Koppeltriode' wollte ich wissen; offenbar kann man den Kathodenfolger in der Art wohl nicht direkt modulieren? Könnte ich dann nicht auch folgendes machen: Das Signal wird ja direkt nach der Eingangsbuchse geteilt (trocken / verhallt). Wenn ich nun diese Teilung erst nach der ersten Triodenstufe des Hallzweigs vornehme und dort moduliere? Dann könnte ich die zusätzliche Triodenstufe einsparen.

    Zitat

    Ob ein einfaches Trem mit nur einer ECC-Triodenhäfte in dieser Konfiguration auch funktioniert, kann ich nicht sagen, da diese normalerweise an die Endröhren angekoppelt werden.

    Ich habe auch schon welche gesehen, die eine Vorröhre modulieren, aber dazu wurde dann nie ein Intensity-Steller realisiert...

    Zitat

    Das Tremolo würde ich sogar in Solid State oder IC ausführen, da die Schaltung 'eh nur ein Oscillator ist. Den Impedanzwandler kann man bei Bedarf auch mittels FET realisieren, falls du zu wenig Platz hast oder die Triodenhälfte anderweitig verwenden willst.

    Das ist sicherlich wahr, aber dazu müßte ich die ganze Stromversorgung umbauen, und dazu habe ich keine Lust. Ich komme mit den Röhren schon klar ;) Na gut, der Platz ist schon ein Problem, aber da muß ich mir halt was überlegen.

    Zitat

    Anbei der modifizierte Schaltplan. Die Bauteile der zusätzlichen Triodenstufe müssen evt. noch ein wenig angepasst, bzw. optimiert werden.

    Danke für die Hilfe!

    Viele Grüße,
    Christian

    Ich hab noch nie gesehen, daß Zucker sowas kann...

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