Effekte und Kabel messen?

  • Hallo,

    ich möchte die True-Bypass Schaltungen meiner Effekte oder meine Kabel auf Defekte durchmessen, weil ich irgendwo in meinem Board ein schwarzes Schaf drin hab, was mir meinen Sound verdumpft und ich traue meinem Gehör nicht.

    Ich benutze:

    Scope - ein Software Oszillator und mehr
    JANA - Java Frequency Analyser
    und Audacity, in dem ich einen Sweep (Sinus, von 0-20kHz, 20sec., Amplitude 0.8, logarithmisch) messe

    indem ich:
    Output zu meinem Input verdrahte und dieses mit dem Originalsignal, anhand des Frequenzspektrums, vergleiche


    Problem:
    1. Ich habe bei meinen Messungen kaum Unterschiede in den Frequenzverläufen finden können, auch wenn ich True-Bypass- und aktivierte Effektefrequenzverläufe vergleiche, kann ich große Klangsunterschiede rein vom Gehör hören! Zum Beispiel kann ich deutlich Hall in dem Sinus-Sweep mit Delay hören, aber anhand vom Frequenzspektrum wäre mir das nie aufgefallen. So vermute ich, dass ich noch auf andere Variablen achten muss, außer nur die Frequenzabdeckung (auch wenn doch Kopfhörer und Boxen mit solchen Frequenzspektren charackterisiert und beurteilt werden).
    Das Programm Scope, der Oszillator, kann zum Beispiel noch einen X-Y-Graphen, neben Oszilloskop und Frequenz darstellen. Unter Frequenz auch Übertragungsfunktion und Wasserfall.
    JANA - das kleine Java Programm ist extra auf Frequenzspektrenanalyse ausgelegt und hat die folgenden Analysemethoden: Dual FFT, Direkte Anzeige, Impulsvergleich und benutzt rosa Rauschen
    Wie ich nun am besten einen Klang untersuche, müsste mir jemand helfen!

    2. Mir ist klar, dass ich hier zwangsläufig mit einem Line-Signal arbeiten muss. Macht es irgendwie Sinn, Guitar-Level ähnliche Signale irgendwie zu replizieren, z.B.durch gezielte Signalabschwächung ? Wahrscheinlich nicht, obwohl Effekt-, Kabel- und Tonabnehmerkonstrukteure doch auch ständig mit standartisierten Guitar-Level Signalen arbeiten müssen.

    Bitte um Rat!

    Grüße
    :D

  • ich hab zwar wenig Ahnung in dem Gebiet aber könnte es sein, daß du es hier mit Phasenverschiebungen zu tun hast und dadurch Auslöschungen im Klang? Das merkst du mit nem Sinussweep wahrscheinlich nicht. Probier doch mal ein aufgenommenes Gitarrensignal das du vorne reingibst und dann mit nem Abgriff auf Kopfhörer an beliebigen Stellen deiner Signalkette wieder rausholst. Dann sollte die Stelle wo der dumpf herkommt vllt. besser zu finden sein?
    Anderer Ansatz, 3dB weniger Signal hörst Du deutlich (z.B. in den Höhen wenns untenrum gleichlaut bleibt) aber siehst Du die auch auf deinem Oszi?
    Vllt. mußt Du feiner schauen/messen.
    man sieht auf dem Scope zum bsp. eine beginnende Übersteuerung kaum (wenn der Sinus platter wird) aber man hört das deutlich.
    Ich hatte kürzlich ein Fuzz am Oszi. Das hat schon mächtig gesägt, aber die outputkurve war nur ein weing breiter oben als das inputsignal.

    Viel Erfolg
    LöD

    Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben. (A.v.Humboldt)


  • Teste folgendermaßen:
    Speise ein exaktes Rechtecksignal mit 1KHz und max. 0dB (0,775mV) am Eingang ein und taste mit nem Oszi die Baugruppen. Ideal wäre ein Zweistrahloszi, weil Du dann das Original zum Vergleich haben könntest.
    Beispiele: Ne Höhenbetonung macht sich als Überschwingen der Flanken bemerkbar, ein Tiefenabfall durch ne Delle im Dach.
    Die zweite Möglichkeit: speise rosa Rauschen ein und miß das Frequenzspektrum.

    Zitat


    1. Ich habe bei meinen Messungen kaum Unterschiede in den Frequenzverläufen finden können, auch wenn ich True-Bypass- und aktivierte Effektefrequenzverläufe vergleiche, kann ich große Klangsunterschiede rein vom Gehör hören! Zum Beispiel kann ich deutlich Hall in dem Sinus-Sweep mit Delay hören, aber anhand vom Frequenzspektrum wäre mir das nie aufgefallen. So vermute ich, dass ich noch auf andere Variablen achten muss, außer nur die Frequenzabdeckung (auch wenn doch Kopfhörer und Boxen mit solchen Frequenzspektren charackterisiert und beurteilt werden).


    Das ist das Problem, das, was man hört, zu messen.

    Zitat

    Das Programm Scope, der Oszillator, kann zum Beispiel noch einen X-Y-Graphen, neben Oszilloskop und Frequenz darstellen. Unter Frequenz auch Übertragungsfunktion und Wasserfall.
    JANA - das kleine Java Programm ist extra auf Frequenzspektrenanalyse ausgelegt und hat die folgenden Analysemethoden: Dual FFT, Direkte Anzeige, Impulsvergleich und benutzt rosa Rauschen


    KA, wie genau das arbeitet, aber vom Prinzip her müßte das reichen... :-?

    Falls Du nix siehst, nimm die Ohren: speise rosa Rauschen ein, trimme Deine Ohren auf das Geräusch und taste mit nem NF Tastkopf die einzelnen Baugruppen ab.

  • Okay, ich werd die Tipps mal zu Herzen nehmen.

    Noch kurz ein paar Fragen:
    - was ist ein NF-Tastknopf? ich hab zwar eine grobe Vermutung, aber im moment Stecke ich mit 6,3mm Klinkensteckern meine Kreisläufe wie ich sie brauche.
    - ist eine logarithmische Darstellung gegenüber einer linearen Darstellung besser? Ich meine wenn ich einen logarithmischen Sweep erstelle, sind die Tiefen natürlich sehr langgezogen und hört sich natürlicher an, ein linearer Sweep durchläuft die Tiefen wirklich sehr schnell und die höhen sind sehr langgezogen. (man bedenke: Sweep und Darstellung sind unabhängig voneinander linear oder log darstellbar)

    [ATTACH=CONFIG]11333[/ATTACH]
    hier ein Beispiel meiner Analyse. (sorry bildqualität ist nicht so gut, was auffällt:
    Halleffekt ist der grob abweichende, allerdings auch erst ab 15-16kHz. Und die beiden Kabel Cordial und Sommer fallen bei 16400 Hz anstatt 15500 Hz ab, jedenfalls zeigt mir die Grafik wieder, dass die Frequenzanalyse irgendwie nicht die erwarteten Ergebnisse liefert)

    - Der Oszillator im Scope Programm zeigt beide Signalquellen an, aber ich kann noch nicht qualitativ die Unterschiede bewerten. Ich werde mal deinen Tipp mit dem Rechtecksignal probieren meikel :)

  • Zitat von LeeFX;342886

    - was ist ein NF-Tastknopf?

    Sorry. Hier im Forum bezeichnet man das als Audioprobe. Wichtig ist:
    ein hoher Eingangswiderstand des Verstärkers und ein Abblockkondensator in der "Seele".

    Zitat

    hier ein Beispiel meiner Analyse. (sorry bildqualität ist nicht so gut, was auffällt:


    Ist für mich nicht aussagekräftig genug. Ich kann noch nicht mal die Farben auseinanderhalten.

    Zitat

    Halleffekt ist der grob abweichende, allerdings auch erst ab 15-16kHz.


    Würde ich schon nicht mehr hören. Meine Löffel steigen bei ca. 12 KHz aus.

    Zitat

    Ich werde mal deinen Tipp mit dem Rechtecksignal probieren meikel :)


    Und erschreck nicht, wenn Du das Ergebnis siehst. Selbst bei HiFi Geräten sieht man den Unterschied zwischen Werbung und Wahrheit... <ggg>

  • okay, also ich bin mal gespannt: :)


    Allererster Vergleich mit Rechtecksignal:

    [ATTACH=CONFIG]11339[/ATTACH]

    Cordial 1m gegen Strymon Timeline Buffered Bypass

    [ATTACH=CONFIG]11338[/ATTACH]

    Und hier einfach mal aus Interesse der Vergleich mit dem Cordialkabel, einmal an einer Steckdose mit weniger Geräten :)
    [ATTACH=CONFIG]11340[/ATTACH]

    aber ich weiß immer noch nicht, wie ich die Daten interpretieren soll ...


    [ATTACH=CONFIG]11341[/ATTACH]

    hier ist zum Beispiel mein Boss CS-2, ein alter Compressor aus den 80ern, den viele als wärmer und angenehmer Empfinden, als die Nachfolger (Boss CS-2). Anhand der Kurven kann ich überhaupt keine klanglichen Vorhersagen machen ... :( ich meine was ja sicher wichtig ist, sind die Verhältnisse, die Achsenmaßstäbe... :/

  • Das bringt so nix, wenn die rote Kurve nicht das originale Rechtecksignal darstellt. Dann fehlt der Vergleich mit dem Original.
    Erst mal das: http://de.wikipedia.org/wiki/Rechteckschwingung

    Schräger Anstieg oder Abfall: Höhendämpfung
    Schräges Dach oder Delle im Dach: Tiefendämpfung
    Überschwingen kann unterschiedliche Ursachen haben
    Verschobener Nulldurchgang: kann ne Phasenverschiebung sein.

    Bild 1: lese ich das richtig, das 1m Kabel schon ausreicht, um das Signal so zu verfälschen? Ui...

    Teste es doch einfach mal so:
    1. die Kabel einzeln prüfen
    2. die Geräte einzeln und mit einem guten Kabel

  • Hallo LeeFX,

    > ich möchte die True-Bypass Schaltungen meiner Effekte oder
    > meine Kabel auf Defekte durchmessen, weil ich irgendwo in
    > meinem Board ein schwarzes Schaf drin hab, was mir meinen
    > Sound verdumpft und ich traue meinem Gehör nicht.


    Falls Du mit dem Durchmessen nicht weiterkommst; eine Frage
    vorraus:

    Du benutzt passive oder aktive Tonabnehmer?

    Im Falle passiver Tonabnehmer wäre es notwendig anzumerken,
    daß hier Tonabnehmer, Kabel, d.h. auch Kabellänge, und
    Effektgeräte interagieren. Das heißt, selbst wenn man einen
    Meßkopf direkt in die Gitarre bauen würde, kann sich der Klang
    auch dort durch verschiedene Kabel etc. ändern.

    Das sind allerdings Veränderungen, die mit dem durchwobbeln
    nicht unbedingt zu sehen sind.

    Um es kurz zu machen, der Tonabnehmer hat in den Höhen eine
    Resonanzspitze, die sich mit steigender Kabellänge in ihrer
    Frequenz und auch in ihrer Stärke verringert. Das kann man
    hören, und es ist m.E. auch ein Frequenzbereich, der im Mix
    wichtig ist, damit sich die Gitarre durchsetzt.

    (Bestimmte, eher traditionelle Effektgeräte wie Treble Booster,
    Fuzzes, Big Muff machen die Resonanspitze durch einen geringen
    Eingangswiderstand kaputt [was u.U. auch zu ihrem Klang
    gehört.].)

    Zur Problemlösung wird im Allgemeinen ein Buffer empfohlen.
    Das Thema ist hier auch öfters mal in der Diskussion.


    Ansonsten zum Lesen.

    http://www.petecornish.co.uk/case_against_true_bypass.html

    Der Artikel erklärt die Zusammenhänge recht praktisch. Werbung
    kann man ja ausblenden.

    Eher elektronisch-theoretische Artikel bieten Helmuth Lemme oder "Der
    Onkel".


    P.S.
    Da ich das erste Diagramm sehe:


    Frequenzachse ist immer logarithmisch.

    (Digitale) Hall- oder Echogeräte, u.U. auch Chorus und Flanger
    haben notwendigerweise sehr scharfe Filter, die u.U. bei
    Gitarreneffektgeräten auch nicht den gesamten Hörbereich
    durchlassen (weil das nicht notwendig ist, das wesentliche für
    E-Gitarren spielt sich weit unter 15 kHz ab.).

    Einfach gesagt, das Filter ist notwendig, um eine Modulation
    zwischen dem Audiosignal und dem internen Takt, mit dem das
    Signal abgetastet wird, zu verhindern. (zum Nachlesen -->
    Shanon-Theorem oder Shanonsches Abtasttheorem)

    Dass die Kabel die Filterfrequenz beeinflussen, erscheint mir
    merkwürdig.

    Nebenbei gefragt, bei welchen Sampling-Frequenzen arbeitet deine
    SW? (Beim Audio-Sampling sind ähnliche Filter notwendig)

    Gruß

    Torsten

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