Effektminiaturisierung – Der Screamer

  • Hallo,

    die Bastelwut hat mich mal wieder übermannt und diesmal sollte es ein Effektgerät für meine Gitarre werden. Auf der Suche nach einem Overdrive hab ich dann hier den Screamer gefunden. Da ich gerne selbst ätze, wollte ich die Platine dafür selbst machen. Aus Bohrfaulheit nehme ich dann halt gerne SMD-Bauteilewo dies möglich ist.

    Nach meiner Anfrage beim Musikding, ob Interesse an dem Layout für eine auf SMD-Wiederstände geänderten Platine besteht, kam als Antwort: "Wenn du die Platine so klein bringst, dass sie in ein A-Gehäuse passt, dann wäre das tatsächlich sehr cool :-)" Herausforderung schon mal blind angenommen, wird schon gehen...

    Nachdem ich mir das Gehäuse besorgt hatte kam der erste Schock darüber, wie klein das Ding ist. Es musste also erstmal ein grobes Layout her, welches die Besonderheiten eines so kleinen Gehäuses berücksichtigt.

    Änderungen gegenüber dem Originallayout:

    - alle Widerstände auf SMD geändert (Bauform 1206)
    - Dioden auf SMD geändert (MiniMELF bzw. MELF)
    - Ausschließlich der RC4558 ist gesockelt. Für weitere Sockel ist kein Platz!
    - Potis von Durchmesser 16 mm auf 9 mm geändert
    - als Kippschalter werden die Mini-Ausführungen verwendet.
    - keine Möglichkeit, eine Batterie anzuschließen (intern), da ich schon froh bin, ohne Batterie alles reinbekommen zu haben
    - Klinkenbuchsen nur in Mono-Ausführung. Erstens ist kaum Platz für eine Stereo-Buchse und zweitens ist kein Platz für eine Batterie. Somit brauchts also nur Mono-Buchsen.
    - Umschaltung zwischen TS9 und TS808 eingebaut. Kann aber eigentlich entfallen, ich finde, so groß ist der Unterschied nicht. Wenn ich mich entscheiden MUSS, würde es der TS808 werden.
    - im Nachhinein den OPV gegen einen OPA2604 getauscht. Ich finde,der klingt noch mal etwas schöner, ist allerdings auch etwas teurer (RC4558 ca 0,25€ / OPA 2604 ca. 3,50€).

    Die Platzierung von Bauteilen in nicht-SMD-Form (Kondensatoren, IC, Transistor…) musste sich an den Gegebenheiten der Großbauteile (Klinkenbuchse, Potis, Fußschalter, Kippschalter, DC-Buchse, Einbaufassung LED) orientieren. Nach ein paar groben Überlegungen hab ich das Ganze lieber in 3D nachmodelliert.
    Die Platine ist daraufhin 2-Seitig geworden, die Versorgungsstränge 9V-4,5V-GND sind auf die Seite mit den Kondensatoren gewechselt. Bei der Leiterbahnführung habe ich auf eine möglichst sternförmige Masse und wo immer möglich auf nichtparallele Leiterbahnen geachtet. Die sollte ein Überkoppeln von Signalen vermeiden.

    Die Platinenkontur hat mir eine Kollege gefräst, damit ich möglichst viel Grundfläche ausnutzen kann. Ich hab danach das Layout geätzt.
    Nach dem Löten der kleineren Bauteile kam der erste Zusammenbau. Die Litze sind immer so geführt, dass man die Platine in eine Richtung wegklappen kann. Unter die Platine passten keine Abstandhalter mehr. Damit keine Kurzschlüsse zum Gehäuse entstehen, habe ich hier Ursprünglich 2 Lagen Papier bzw. jetzt eine Lage Kaptonfolie (Isolator, gibt es auch als Klebeband) eingelegt.
    Der erste Zusammenbau hat ca. 40 Minuten gedauert, da andauernd irgendein Kabel irgendwo im Weg war und Klinkenstecker gedreht oder Kabel komplett anders verlegt werden mussten. Schließlich war dann doch der Deckel zu.

    Der erste Soundtest verlief katastrophal, da noch eine Lötbrücke übersehen war und eine Leiterbahn offenbar unterbrochen (Belichtungsfehler -> durchgeätzt). Nach der Fehlerbehebung war ich restlos begeistert. Der Sound des Screamers ist genau das, was ich gesucht habe und schließt bei meinem Amp die Lücke zwischen Clean und Gain im leicht angezerrten Bereich. Favorit ist der asymmetrische Modus des TS808.

    Die Layouts sind mit Inkscape kreiert (Vektorzeichenprogramm, open source) und dann mittels Decalfolie auf das Gehäuse gebracht. Dazu muss das Gehäuse wieder demontiert werden. Mit nach dem Bekleben nötigen Lackieren bin ich noch nicht zufrieden. Mein Sprühlack hatte auf den Folien erst noch leichte Blasen geworfen, die sich aber zum Glück gelegt haben. Und dann hab ich wohl etwas zu früh angefasst, jedenfalls ist an den Seiten der Lack etwas Fusselig geworden. Ich habe Sprühklarlack mit Lösungsmitteln genommen, da ich keinen anderen gefunden habe. Wenn da einer einen Tip hat, immer her damit.

    Nach dem Trocknen wurde dann alles wieder in das Gehäuse gebaut. Das Ding funktioniert jetzt einfach traumhaft. Kein rauschen, keine falsch gekoppelten Signale.

    Fazit:
    Man bekommt den Screamer in ein Hammond A-Gehäuse. Allerdings ist dies sehr frickelig und ich denke, es sollten ein paar Bastelerfahrungen, Löterfahrungen und vor allem gute Nerven und ein guter Tee vorhanden sein.
    Wenn man sich für eine Variante entscheidet, wird es durch den wegfallenden TS808/TS9 Schalter deutlich mehr Platz geben. Neben dem Fußschalter ist ein Transisor. Der sollte noch ein wenig verlegt werden, da sich hier gerne Kabel quetschen.

    Anbei ein paar Bilder zu dem Werdegang.


    Grüße,
    Sönke

  • Hi,
    Das mag für dich gehen. Aber diesen Aufbau möchtest du doch keinem wirklich zumuten. Auch mit deinem Routing solltest du noch ein wenig üben. Wenn schon SMD, dann allerdings auch strickt durch bis auf Klinkenbuchsen, Schalter und Potis;D
    Schau dir mal ein paar Effekte im A-Gehäuse aus China an. Irgendwo geistert hier auch ein Thread rum.

    MfG uwe

    Uwe = MEK-Sounddesign
    --> Weniger ist manchmal mehr <--

  • Absolut beeindruckend!
    Irgendwann fang ich auch an mir SMD löten reinzudonnern.. :)

    Ich bin ja ein riesiger Fan von möglichst kleinen Effekten. Auch wenn es unpraktischer so ist gefällt es mir deutlich mehr. :D

    Aber ich muss Uwe schon recht geben. Warum nur teilweise SMD ?


    Schönen Abend
    Lucas

    Built: Dod250, Sho, Obsidian, Channelswitch, OneKnobFuzz, Woolly Mammoth, Little Gem, Bluebox, 3-Kanal Batterie/Solar Verstärker

  • Zitat von marshmellow;341637

    Well done! Ich verstehe ja auch nicht, warum nicht mehr hier in SMD bauen...Gruß
    Volker

    Hi!

    ...weil es keinen gravierenden Vorteil bringt?
    Letztes Jahr habe ich beruflich an smd-schaltungen gebastelt, für Bodentreter hat mann doch noch genug Platz, dann braucht man jede Menge Lupen und Extragerät. Außerdem kann man die Boards kaum selbst herstellen, wenn es gut sein soll...
    Wer aber den Drang verspürt nur zu.


    Bastlergruß

    Because Shit happens!

  • Tag,

    also, noch kein komplett SMD, weil ich mich erstmal herantasten wollte an den Effekt. Zum Tei lsind ide Folienkondensatoren in SMD etwas blöd zu bekommen. Da müßte ich mal bei Farnell schauen. Im allgemeinen Soundvoodoo hab ich erstmal noch zum Teil auf die "altbewährten" Bauteile gesetzt. aber evtl mach ich nochmal eine 2. Variante mit Potis etc auf der Platine. Reizvoll wärs. Die Klingenbuchse bewegt sich recht viel, da hätte ich auf Dauer Angst vor einem Lötbruch, wenn die direkt auf der Platine ist.

    Dass es recht frickelig war habe ich ja oben schon selbst zugegeben. Der Vorteil bei SMD ist für mich ganz einfach der, dass ich bei selbstgeätzten Platinen weniger Bohren muss. Und 1206er Widerstände lassen sich prima mit einer 0,8er oder 1,2er Lötspitze verarbeiten. Damit verlöte ich auch µCs in QFP44 Gehäusen.

    Den IC würde ich schon gerne bedrahtet lassen, einfach weil man so ganz einfach mal einen anderen testen kann.

    Auf dem Bild vom Innenleben sieht es übrigens chaotischer aus als es ist ;) Ich bekomme das nicht vorteilhafter fotografiert...

    Wie auch imer, das Ding ist im Kasten und funktioniert. Selbstgebaut gibt mir da irgendwie mehr Befriedigung beim Spielen als gekauft ;)

    Grüße,
    Sönke

  • Zitat von Feierabendklampfer;341639

    Hi!

    ...weil es keinen gravierenden Vorteil bringt?
    Letztes Jahr habe ich beruflich an smd-schaltungen gebastelt, für Bodentreter hat mann doch noch genug Platz, dann braucht man jede Menge Lupen und Extragerät. Außerdem kann man die Boards kaum selbst herstellen, wenn es gut sein soll...
    Wer aber den Drang verspürt nur zu.


    Bastlergruß

    Doch, diverse:

    - Kleiner
    - Bedeutend schneller aufzubauen
    - Günstiger
    - Wie Sönke sagt, weniger/fast keine Löcher zu bohren beim Selbstätzen

    Ich brauch da weder Lupe noch Extragerät, wenn man mal von einer Pinzette und einer feineren Spitze absieht.


    Gruß
    Volker

  • Schön und gut, aber wieso sollte es interessant sein, da einen Bausatz draus zu machen? Es gibt doch auf diystompboxes einen Thread für Pedale mit A-Gehäuse, da tauchen auch regelmäßig Tube Screamer mit nomalgroßen Bauteilen auf, und zum Teil noch deutlich komplexere Schaltungen. Wenn man auf die Buffer verzichtet, kriegt man einen TS auch locker auf Streifenraster da rein, evtl auch mit Buffer.
    Aber wer sich an solchen Kleinkram ranwagt, egal ob SMD oder nicht, kauft vermutlich sowieso keine Bausätze, höchstens einzelne Platinen.

    Für den Shop interessant wären vielleicht Platinen für SMD für komplexere Schaltungen, die man nur so in ein 1590B-Gehäuse kriegt. ADA-Flanger mit MN3007 würde mir jetzt einfallen oder Echobase, Okko Dominator etc

  • Generell einen SMD Bausatz zum Füße nassmachen fände ich persönlich ziemlich nett.

    Ausserdem ist es interesannt, das du jetzt den Dominator als Bausatz vorschlägst, wobei du vor einiger Zeit zu mir gesagt hattest, das ein Bausatz eines Okko Pedals unmoralisch wäre. :D

    Built: Dod250, Sho, Obsidian, Channelswitch, OneKnobFuzz, Woolly Mammoth, Little Gem, Bluebox, 3-Kanal Batterie/Solar Verstärker

  • Zitat von Chrismettal;341644

    Generell einen SMD Bausatz zum Füße nassmachen fände ich persönlich ziemlich nett.

    Ausserdem ist es interesannt, das du jetzt den Dominator als Bausatz vorschlägst, wobei du vor einiger Zeit zu mir gesagt hattest, das ein Bausatz eines Okko Pedals unmoralisch wäre. :D


    Hi,
    ist es auch. wer SMD Bausätze anbietet muss auch die Bauelemente dazu horten und die BS packen. Nein danke. Und auf einer ordentlichen DKL Platine kann man auch so einiges an Standard Bauelementen unterbringen.

    MfG Uwe

    Uwe = MEK-Sounddesign
    --> Weniger ist manchmal mehr <--

  • Hi!
    Lupe: kommt drauf an, es gibt halt auch verschiedene SMD- Größen, und die Platinen die ich validiert hatte waren halt die mit ganz kleinen R's 1/2mmm, und Adlerauge habe ich auch nicht mehr. Der Vorteil der smds ist größtenteils die Maschinenbestückung bei größeren Serien.
    Ab und zu waren auch mal Prototypen von Hand zu bestücken und das dauert genauso lang wie größere Bauteile und ist verd anstrengend. Und wenn es keine Qualitätsplatine mit Stopplackmaske etc. ist kannst Du die Bauteile nur einmal auflöten. Sag nicht wir hätten Dich nicht gewarnt;D

    Bastlergruß

    Because Shit happens!

  • Hallo,

    nun erklär mir mal einer (oder kläre mich auf, falls ich mich irre), worin die Miniaturisierung bei diesem Projekt besteht...

    Die Platine im Musikding-Kit hat die Abmessungen 56 x 38 mm, das sind 21,28 cm² Fläche.
    Die hier vorgestellte Miniaturisierung (die Platinenmaße sind ja nicht explizit angegeben) paßt "stramm"(?) in ein Hammond 1590 A Gehäuse. Laut Zeichnungsdaten von Hammond sind die Innenmaße

    89 x 34 mm, ziehe ich von jeder Dimension 1 mm ab, damit es nicht klemmt, komme ich auf eine Platinenfläche von 29,92 cm²

    Das ist doch deutlich mehr als das Original, oder? Ich habe die Aussparungen jetzt nicht abgezogen, da ja auch bei der Kit-Platine die Befestigungslöcher für "tote" Fläche sorgen.

    Auch in der 3. Dimension, der Bauhöhe, ist doch nichts gespart worden, wenn weiterhin TH-Kondensatoren verwendet wurden, bleibt die Platine doch gleich hoch, oder?

    Sagen wir mal so, sie ist "anders". :)

    Auch mit konventionellen TH-Bauteilen kriegt man das deutlich kleiner. Aber für Bausätze, die auch von Anfängern ohne besonderes Werkzeug aufgebaut werden können, gelten andere Designregeln für Platinen als z. B. bei industrieller Feinleitertechnik. Als da wären "bratfeste Lötaugen" lesbarer Bestückungsdruck...

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Hi,

    ja, den Thread kannte ich nicht, die Dinger sehen schon cool aus. Da ich nicht professionell Platinen erstelle, bin ich hinreichend Stolz darauf, dass es funktioniert. Ich üb nochmal und dann schauen wir mal, wie die nächste Platine ausschaut.

    Nichtsdestoweniger erfreue ich mich jetzt erstmal an dem Klang von dem Teil ;)

    Gruß,
    Sönke

  • Die Miniaturisierung ist schon ne feine Sache. Man überlege, die ganzen grossen Treter werden vom Board verbannt :D
    Nur eine Sache, wenn schon kleiner, dann auch kürzer was die Drähte angeht :D

  • Irgendwann erfindet gar noch jemand das Multieffektgerät! Sehe ich echt so: Wenn Platz wirklich ein entscheidendes Kriterium ist, ist zB ein M9 oder Pod HD von Line6 eine gute Wahl. Wenn man ein entsprechend kleines Board mit einzelnen Tretern bestückt, macht man zig Kompromisse und das Ergebnis ist ein sehr eingeschränktes und unflexibles Board, selbst mit 1590A-Gehäusen.

  • Zitat von roseblood11;341729

    Irgendwann erfindet gar noch jemand das Multieffektgerät! Sehe ich echt so: Wenn Platz wirklich ein entscheidendes Kriterium ist, ist zB ein M9 oder Pod HD von Line6 eine gute Wahl. Wenn man ein entsprechend kleines Board mit einzelnen Tretern bestückt, macht man zig Kompromisse und das Ergebnis ist ein sehr eingeschränktes und unflexibles Board, selbst mit 1590A-Gehäusen.

    Naja du musst aber zugeben, dass es hie rum DIY geht und man es macht, weil man es kann, wenn man es kann :D
    Die meisten Effekte liegen hier unbenutzt rum weil es einfach ein schönes Hobby ist das Zeug zu basteln.

  • Klar, geht mir ja auch so - die "Muss mal vertickt werden"-Kiste ist inzwischen voller als das Regal mit den tatsächlich genutzten Effekten. Wobei ich Löten um des Lötens willen schon ein bisschen als vertane Zeit sehe, das Gitarrespielen sollte schon an erster Stelle bleiben... Noch krasser erlebe ich es immer in Foren zu Fototechnik, da gibt es Freaks, die viele Tausender ausgeben und über kleinste technische Details wochenlang diskutieren, Testreihen anfertigen etc, aber kein einziges relevantes oder auch nur brauchbares Foto hinkriegen.

  • Hallo Flughund,
    alles was klein ist muss nicht zwangsweise auch SMD sein.
    Meine Hommage an den Klassiker mit konventionellen Bauteilen - nur etwas kleiner ;D
    Die Klinkenbuchsen NR-J4HF von Neutrik eignen sich sehr generell sehr gut für Klein-Gehäuse-Projekte und haben übereinander Platz.

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