Boss CE-2 Chorus: Mehr Speed, wie am besten?

  • Hi,

    ich plane grad einen CE-2 Klon. "Rate" soll bei Rechtsanschlag mindestens doppelt so schnell sein, wie beim Original. Die langsamste Stellung sollte aber unverändert bleiben. Wie realisiert man das am besten? Es sollte halt eine Lösung sein, die ohne zusätzlichen Schalter etc auskommt, denn die Kiste soll so einfach und übersichtlich bleiben, wie das Vorbild. Rein aus Interesse wüsste ich auch gerne mal, wie es bei den offenbar recht populären Mods von Keeley und Monte Allums gelöst ist.

    Plan: http://www.madbeanpedals.com/projects/PorkB…/PorkBarrel.pdf

    Ich hab mehrere unterschiedliche Ansätze gefunden:
    -R36 verkleinern, von 10k auf zB 4k7
    -"Rate" von 100k auf 1M ändern und R35 von 1M auf 100k
    -C20 verkleinern, auf ca 47 bis 62nF (aber dann wird ja auch die langsamste Stellung schneller)
    -R35 verkleinern, von 1M auf 560k

    mfg, Immo

  • Moin

    Ich habe vor längerer Zeit den CE2 Klon von Tonepad gebaut. Ich habe dabei R35 halbiert. Damit ist die Modulationsgeschwindigkeit doppelt so hoch, die Langsamste ebenso wie die Schnellste. Die Langsame bekommst Du wieder herunter indem Du R36 verkleinerst.
    Einen Nebeneffekt hat das Ganze allerdings: die Modulationstiefe steigt generell ebenfalls an. Das lässt sich mit dem Depthregler natürlich einfach regeln, aber bei den (neuen) schnelleren Geschwindigkeiten wird es echt extrem. Falls Dich das stört, kannst Du dann einen Widerstand (50k -100k) vor dem Depth Poti einfügen, um den Regelbereich wieder in gewohnte Regionen zu bringen.

    Gruß, Dieter

  • Moin,

    klingt plausibel. Dass man bei hohen Geschwindigkeiten einen sehr starken Effekt hat, ist doch grundsätzlich gar nicht schlecht, es klingt ja dann durchaus etwas wie das Leslie des kleinen Mannes. Da ich evtl doch noch einen Effekt-Level-Regler mit einbaue, könnte das jedenfalls ganz passend sein.

    Gibt es noch andere Vorschläge bzw. Gegenargumente gegen diese Variante?

    mfg, Immo

  • Hallo,

    R35 · C20 bildete die Zeitkonstante des Integrators IC2B und bestimmt damit die Frequenz des LFO - natürlich zusammen mit der durch RATE einstellbaren Spannung an R35. Einen von beiden Werten halbieren, verdoppelt die max. Frequenz - aber leider auch erstmal die minimale mit.

    Als Gegenmaßnahme dazu bietet sich an, R36 zu halbieren, damit müßte dann insgesamt die min. Frequenz gleichbleiben. Den Rate-Regler zu verändern bringt (fast) nichts, da er als reiner Spannungsteiler fungiert. Fast deshalb, weil er natürlich auch den Strom durch R36 mitbestimmt und damit die untere Frequenz, aber ein Potitausch ist halt die aufwendigste Lösung.

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Ein wenig Theorie:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Operationsverstärker#Integrierer

    Der Integrator:
    [ATTACH=CONFIG]10721[/ATTACH]

    Die Berechnungsformel

    [ATTACH=CONFIG]10723[/ATTACH]

    ergibt, daß Ue + Tau (r*c) für die Dauer der Integration verantwortlich sind.

    Der betreffende Dreieckgenerator:

    [ATTACH=CONFIG]10724[/ATTACH]

    IC2A + R33 + R34 bilden einen Schmitt-Trigger , dessen Hysterese (unterer Einschaltpunkt und oberer Ausschaltpunkt) durch die beiden Widerstände bestimmt wird. Damit am Schleifer des Spannungsteilers RATE, wenn er am kalten Ende steht, die Spannung garantiert über dem unteren Einschaltpunkt liegt, dient der R36. Das Verhältnis ist 110:10

    Um den Regelbereich so zu vergrößern, daß bei gleicher niedrigster Frequenz die höchste Frequenz nach oben verschoben wird, ist folgendes erforderlich:
    C20 halbieren
    RATE verdoppeln (klar - macht Arbeit...)
    R36 verdoppeln

    Falls der Platz ausreichen sollte, kann man R36 auch durch einen 25K Trimmer ersetzen, der so eingestellt werden muß, daß die Schwingung bei der tiefsten Frequenz nicht abreißt.
    Veränderungen von R35 würden den Frequenzbereich lediglich verschieben.

  • Moin

    Vielen Dank für die kurze Zusammenfassung.
    Ich verstehe an Deinen Schlussfolgerungen zwei Dinge nicht:
    -da das Produkt R*C die Dauer der Integration festlegt, wieso sollte dann C(20) halbiert werden, aber nicht R(35)?
    -wenn RATE+R36 einen Spannungsteiler darstellt, dessen Ausgangsspannung die Eingangsspannung des Integrierers ist, wieso soll ich dann beide verdoppeln? Das Teilungsverhältnis bleibt dann doch gleich (220:20 = 110:10 = 11:1). Wenn man dagegen nur RATE verdoppelt (schwierig den Potiwert zu finden) -> 210:10 ODER R36 halbiert (einfacher) -> 105:5, erreicht man genau das Ziel Ue des Integrierers für die langsamste Frequenz zu halbieren (21:1), um die urspüngliche langsame Frequenz wieder zu erreichen.
    Kann gut sein, dass ich dabei was übersehen oder nicht verstanden habe ...

    Falls ich aber richtig liege, ist die einfachste Lösung tatsächlich: R35 halbieren (doppelte Max Frequenz) und R36 halbieren (originale Min Frequenz)

    Gruß, Dieter

  • Zitat von kaluablue;339133

    Ich verstehe an Deinen Schlussfolgerungen zwei Dinge nicht:
    -da das Produkt R*C die Dauer der Integration festlegt, wieso sollte dann C(20) halbiert werden, aber nicht R(35)?


    Bei dem Widerstandswert von R35 mußt Du auch den Wert des Potis zwischen Schleifer und heißem Ende beachten. RATE ist kein niederohmiger Spannungsteiler.

    Zitat

    -wenn RATE+R36 einen Spannungsteiler darstellt, dessen Ausgangsspannung die Eingangsspannung des Integrierers ist, wieso soll ich dann beide verdoppeln? Das Teilungsverhältnis bleibt dann doch gleich (220:20 = 110:10 = 11:1). Wenn man dagegen nur RATE verdoppelt (schwierig den Potiwert zu finden) -> 210:10 ODER R36 halbiert (einfacher) -> 105:5, erreicht man genau das Ziel Ue des Integrierers für die langsamste Frequenz zu halbieren (21:1), um die urspüngliche langsame Frequenz wieder zu erreichen.

    Ich war zu faul, die untere Einschaltspannung des Schmitt-Trigger zu berechnen. R36 ist dafür zuständig, wenn sich der Schleifer am kalten Ende befindet. Ist R36 zu klein, schwingt das Teil nicht.

    Zitat

    Falls ich aber richtig liege, ist die einfachste Lösung tatsächlich: R35 halbieren (doppelte Max Frequenz) und R36 halbieren (originale Min Frequenz)


    Das kann dazu führen, daß die Schwingung im niedrigen Bereich abreißt.

    Einfach wärs, R36 wegzulassen. Dann bestimmen R35 + C20 die höchste und RATE die niedrigste Frequenz.

  • Moin Meikel

    Danke, dann sehe ich jetzt etwas klarer. Dass meine Variante tatsächlich funktioniert ist also auch etwas Glück gewesen ;)
    Immerhin: sie funktioniert.

    Gruß, Dieter

  • Hi Immo,

    da ich mir gerade das gleiche PCB bestellt habe, würde ich mich über einen Erfahrungsbericht für den Umbau freuen. Leslie Effekt klingt gut. Leider verstehe ich die technisch-theoretischen Ausführungen und weiterführenden Vorschläge zur Zeit nicht so wirklich (Abteilung Böhmische Wälder). Aber solange es gute Bausätze und nachvollziehbare Bauanleitungen gibt, klappts ja dann meistens doch noch und ein bisschen versteht man dann hinterher doch :)

    Toddy

  • Hi,

    den Pseudoleslieeffekt kann man sich ja anhören, es gibt auf youtube einige Videos zum Keeley Mod, wo der Rate-Regler weit aufgedreht wird.
    R35 und R36 zu verkleinern funktioniert laut Dieter ja, da erwarte ich nu keine Überraschungen, ich hab im Madbean-Forum auch entspr. Hinweise gefunden. Die anderen erwähnten Mods sind beim Tonepad.com Projekt bzw dort in den Build Reports beschrieben. Ich füge auf jeden Fall den Effektlevelregler (250kC-Potie in Serie zu R27, der kann dann etwas kleiner, zB 39k) hinzu und evtl auch den Vibrato/Chorus-Schalter (unterbricht das Dry-Signal vor R9).

    Hast du rausgefunden, was Madbean mit "kleinen Printpotis" meint, die genau für diese Platine passen sollen?

    mfg, Immo

  • Zitat von roseblood11;339236


    Hast du rausgefunden, was Madbean mit "kleinen Printpotis" meint, die genau für diese Platine passen sollen?


    Ich hab das Teil noch nicht bekommen und hab's auch nicht gelesen. In dem PDF hab ich nur diesen Text gefunden: "This drilling diagram illustrates the hole locations for the PCB mounted pots. " Aber wenn ich mir das PCB so anschaue, könnte es doch sein, dass man einfach jeweils ein Alpha Poti mit den 3 Pins in die 3 Löcher steckt und verlötet, oder?

  • Sieht so aus, ja. Hab es wohl mit dem Sparkplug verwechselt, den ich mitbestellt habe.

  • Zitat von roseblood11;339236

    den Pseudoleslieeffekt kann man sich ja anhören,


    Bleiben wir doch mal beim Original:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leslie-Lautsprecher
    Am Ende gibts zwei Klangbeispiele.

    1. grundsätzlich benötigst Du für den Leslie-Effekt zwei Verzögerungsleitungen: eine agiert im Mittel- und Hochtonbereich, die andere im Baß. Übliche Delayschaltung (ohne Feedback/Resonance, aber mit Direktsignal - in der Box gabs auch LPs, die sich nicht drehten) mit Frequenzweiche am Eingang. Natürlich benötigst Du für jede Verzögerungsleitung einen eigenen Modulator, weil auch die unterschiedliche Rotation des Baß- und Mittelhochtöners seinen Reiz hat.
    2. da sich beim Leslie-Effekt die Lautsprecher ja drehen, ändert sich nicht nur die Phasenlage und die Frequenz (Doppler-Effekt) sondern auch geringfügig die Lautstärke und zwar dann, wenn der Lautsprecher "nach hinten brüllt". Kannste einfach so erledigen, daß die negative Halbwelle des LFO die Verstärkung geringfügig absenkt, bevor die NF in den "ersten Eimer" kommt.
    3. Leslie klingt wesentlich besser, wenn danach ein leichter Hall erzeugt wird.

    Klar: das alles kriegste nicht ins Originalgehäuse.

  • Das ist ja alles bekannt.

    Natürlich erzeugt ein CE-2 keinen echten Leslie-Sound, entsprechend hatte ich das ja auch ausgedrückt. Aber mit etwas mehr Depth und höherem Tempo kriegt man eben einen sehr schönen Sound raus, der zumindest live in vielen Situationen den gleichen Zweck erfüllt, wie ein echtes Leslie. Denn da leben die meisten von uns zB eh mit einem Monosignal. Und selbst wenn man zB mit Ampmodeling und Stereohall etc arbeitet, kann man auch eine Leslie-Simulation benutzen, die in den POD's von Line6 ist z.B. einer der besten Effekte, die diese Kisten zu bieten haben.

    mfg, Immo

  • Zitat von roseblood11;339258

    Das ist ja alles bekannt.


    Natürlich ist das bekannt. Vielleicht liegts ja an dem, was ich lese, wenn ich versuche, sich drehende Eulen auf die Bühne zu tragen.

    Kaum is man ma nett, kriegt man trotzdem eine... ???

  • War gar nicht so gemeint. Ich wollte bloß sagen, dass mir schon klar ist, dass ein Leslie was anderes ist als ein Chorus...

    Wie nahe (oder nicht nahe) man mit einem Chorus an einen richtigen Lesliesound rankommt, ist hier gut gezeigt:
    http://www.youtube.com/watch?v=g52csY…channel&list=UL
    Er kommt in einem längeren Video zum selben Schluss wie ich: Authentsch ist das nicht, aber es erfüllt live nahezu den gleichen Zweck, und kann durchaus interessanter klingen, als das Leslie.

    mfg, Immo

  • Zitat von roseblood11;339951

    Wie kann man den CE-2 am besten um einen Tone-Regler ergänzen, der mehr Höhen hinzufügt?


    Das ist schwierig, wenn die Höhen schon weggefiltert wurden, sie wieder aus dem Hut zu zaubern.

    Entscheidend sind die Tiefpässe vor und nach dem BBD sowie die Taktfrequenz.

    Zitat

    Kollege Dirk-Hendrick macht das bei seinem "AfterImage", rückt die Infos aber leider nicht raus...


    Möglich, daß er die "Höhenfräse" vor dem Ausgang (C15 + R23 - Originalschaltplan) regelt.

    Eindrucksvoller dürfte es werden, wenn Du testweise die Cs der Tiefpässe halbierst und versuchst (sicherheitshalber), die Taktfrequenz auf fu >= 20KHz anzuheben, falls niedriger und falls es "pfeift".
    Wie gesagt, es ist einfacher, vorhandene Höhen wegzufiltern als nicht vorhandenes "dazuzuschwindeln".

  • Hi Immo,

    guck dir dazu mal den Plan von einem Boss CE-5.
    Da lassen sich zwar die Höhen nur absenken und nicht anheben, aber interessant finde ich dabei
    den regelbaren Hochpass. Damit lassen sich die Tiefen nach bedarf "wegschneiden"
    und wenn man dabei den Chorusanteil mit dem Mixregler anhebt, kommt das einer Höhenanhebung ähnlich.

    Der allgemeine Vorteil der Absenkung von Bässen bei nem Chorus ist ein klarer Ton, ohne zu eiern und mulmen
    wenn er etwas stärker dosiert wird. Damit lassen sich auch verzerrte Sounds prima würzen.
    Das ist zwar nix mehr Vintätsch (stehe eh nich drauf), aber praxistauglich auf jeden Fall.
    Habe selber seit Jahren mehrere CE-5 im Einsatz und rede da aus Erfahrung.

    Gruss
    Chris

    :P Ich liebe Blondinen :P

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