"Sandy Sustain" - kleine Ergänzungsschaltung z.B. für das Zen

  • Hier möchte ich eine kleine Zusatzschaltung vorstellen zu Overdrives, die Verzerrung im Feedback eines Operationsverstärkers mit Dioden erzeugen. Ich hatte das Zen als Basis.

    Die Idee ist, das "Gain" eines Overdrive automatisch so zu betreiben, dass er stets im leicht angezerrten Bereich arbeitet. Dazu soll direkt der verzerrende Diodenstrom zur Verstärkungsregelung verwendet werden. Sozusagen ein integrierter Kompressor mit "der richtigen Einstellung".
    Nach längerer Tüftelei ist die Schaltung anbei entstanden, die nur aus 2 Transistoren, 2 Dioden, 2 Widerständen, sowie einer selbstgebauten LDR-LED-Kombination als Optokoppler besteht. Ein Schalter 2*um mit Mittenstellung dazu plus eine kleine Lochrasterplatine machen das Ganze komplett.

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    In der Schaltung arbeiten die beiden BAT41 und die Basis(silizium)diode in T1 wie sonst auch im negativen Zweig des Opamp zur Erzeugung des Diodenklipping. D.h. Spannungen größer deren Durchlassspannungen werden einigermaßen weich gekappt. Ströme über die Basis von T1 werden jedoch verstärkt über R1 an C1 weitergegeben, der sich auflädt. Die Spannung an C1 wird über T2, der als Stromverstärker agiert, abgegriffen und über R2 an die LED als variabler Strom weitergegeben. Die LED leuchtet also umso heller, je mehr Klippingstrom über die Basisdiode von T1 fließt. Der lichtempfindliche Widerstand LDR setzt davon abhängig die Verstärkung des Opamp herunter, sodass dessen Ausgangsspannung ca. 0,7V beträgt. Die beiden BAT41 haben eine etwas geringere Durchlassspannung, was die Verzerrung erzeugt. Nimmt man nur eine der Dioden, so erhält man mehr Verzerrung- mir war's zu viel. Der Basisstrom von T2 entlädt den Kondensator, damit sinkt der Strom durch die LED und die Verstärkung des Opamp wird erhöht. Das Ausklingen der Saiten wird dadurch ausgeglichen.
    Wenn man R1 verringert, so reagiert die Schaltung schneller auf Anschlag-Spitzen. Allerdings entstehen dann Lautstärkeschwankungen. Mit C1 kann man die Zeit für das Herunterfahren und das Erhöhen der Verstärkung einstellen.
    Zur Herstellung des Optokopplers habe ich eine rote ultrahelle LED und einen LDR aus der Bastelkiste von beiden Seiten in einen Holzstab in passende durchgehende Bohrungen gesteckt, sodass die LED den LDR beleuchten kann. Mit schwarzem Schrumpfschlauch wird das ganze lichtdicht zusammengehalten. Solche Kombinationen kann man auch fertig kaufen als "Vactrol". Es mag sein, dass R1 und C1 an den Optokoppler angepasst werden muss.

    Die Anbindung an die bestehende Schaltung erfolgt an den beiden Punkten A und B, also parallel zum Gain-Poti, was zwecks Nachrüstung auch leicht zugänglich ist. Ausserdem benötigt man noch Betriebsspannung. Die vor der Mod bestehende Klippingspannung muss natürlich größer sein als die 0,7V, die hier zur Regelung benötigt wird.

    Das klangliche Ergebnis ist ein verzerrtes Anschlaggeräusch und danach ein sehr langes nur angezerrtes sandiges stabiles Singen. Ich finde, damit entsteht übrigens auch eine Möglichkeit, einer Hifi-Anlage einen "recht brauchbaren" Klang als Gitarrenverstärker zu eröffnen.

    Copyright 17.05.2012 C. Eberspächer Frei zur privaten Nutzung.


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    Tja, nun würd' mich interessieren, ob es der eine oder andere probiert und wie der Eindruck ist.

    Viel Spass beim Basteln! C.

  • seehr sehr interessant find ich.
    schade dass das Thema so wenig Aufmerksamkeit bekommt. Bin selber auch schon lange am grübeln gewesen wie man eine relativ klangneutrale Zerre baut, die grösstenteils nur den Anschlag verzerrt. Mal sehn - die Schaltungsergänzung hier könnte da echt die Problemlösung sein.

    Wie siehts denn aus mit dem Cleanup der Schaltung? ist der eher aprupt oder geht das sehr fliessend?

    Viel Brei verdirbt den Koch.

  • So einfach es ist so grandios ist es auch! Ich hatte auch lange schon über etwas anschlaggesteuertes nachgedacht, hatte das mal mit einem parallelen Eingangsbuffer und einem LM258 mit Optokoppler am Ausgang realisiert. allerdings war das ganze noch etwas sehr harsch und ließ sich nicht wirklich gut kontrollieren.
    Deine Variante sieht richtig gut aus, werde ich denke ich mal ausprobieren :)

  • Hallo,

    dafür muss man aber die vorhandenen Clipping-Dioden ausbauen? Außerdem fällt mir grad noch ein, waren in dem Zen nicht noch MOSFETs drin, zumindest für das weiche Clipping? Die BAT41 als Schottkys schalten doch sehr schnell...und waren die Dioden nicht ursprünglich anders herum?
    Irgendwie bin ich grad verwirrt...

    mfG Felix

  • Hallo Felix,
    im Zen sind lt. Original- Schaltplan MOSFESTs + je nach Richtung 1 1N4148 oder 2 BAT41 drin. Nach meiner Messung muss damit in beiden Richtungen diese Klipping-Spannung über derjenigen der Erweiterung liegen. Also ist der Ausbau nicht nötig. Da die FETs gesockelt sind, kann man zur Kontrolle diese auch mal ziehen.
    Gruß Christof

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