Bauprojekt Stromgitarre

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    hi wolfgang,

    das olivenholz sieht richtig gut aus. werde das für die zukunft mal speichern.

    habe noch eine frage an dich. du sagtest du wirst tungöl benutzten. am wochenende
    habe ich meinen bau abgeschlossen. die gitarre ist schwarz gebeizt und mir
    tungöl behandelt. das ergebnis ist phänomenal. so jetzt zum unerfreulichen:
    gestern war ich mit der gitarre in der küche unterwegs und habe dabei 2 wassertropfen
    mit der rückseite eingefangen. die beize hat sich an dieser stelle sofort aufgehellt!!!!!!!!!
    so ein sch...!!!!!
    hast du erfahrung, oder irgenjemand anders, mit irgend einer art von versiegelung (z.b. wachs)?

    werde heute abend die gitarre bei der probe antesten. bin schon sehr gespannt!

    viel glück beim fräsen!

    gruß
    christian

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Tut mir leid, ich habe bislang nur ungebeizte Hölzer geölt. Ich würde noch ein zweites mal ölen und in jedem Fall wachsen. Schließlich willst Du Dich ja wohl nicht einfärben, wenn du beim Spielen mal in Schweiß gerätst. ;D

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Hals-Korpus-Verbindung:

    Der Hals wird ja bekanntlich nach unten breiter und entsprechend trapezförmig muss die Halstasche sein. Geht auch. Diesmal habe ich aber den Hals von dern Stellen an, an denen er in den Korpus geht parallel gesägt - das lässt sich am Korpus leichter anzeichnen und in diesem Fall auch leichter montieren. Das Griffbrett steht dann in den obersten Lagen eben einen Hauch über.

    http://www.guitarlinks.de/pics/halstasche1.jpg

    http://www.guitarlinks.de/pics/halstasche2.jpg

    Die beiden Schrauben in der Pickupnische dienen zur provisorischen Befestigung und später zur Fixierung beim Verleimen. Verleimt wird der Hals erst wenn die Decke auf dem Korpus ist, die Kantenradien gefräst sind und das Ganze geschliffen ist. Sonst stört er nur. Da die Verbindung ja parallel läuft, kann man ihn einfach in den Korpus reinschieben.

    Die Verbindung funktioniert gut, es sitzt saugend. Falls einem die Halstasche ein Hauch zu groß gerät, kann man sie seitlich mit einem eingeleimten Furnier auffüttern. In Zigarrenkisten ist manchmal ein hauchdünnes Furnier (ca. 0,5 mm) zwischen die Zigarrenlagen gelegt. Nicht wegschmeißen - aufheben! Das Zeug ist optimal, weil es auch noch eine ähnliche Farbe wie Mahagoni hat.

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Viel Zeugs heute.


    Der Hals wird geschnitzt:

    Zuerst arbeite ich in der Höhe des 1. und des 12. Bundes das Halsprofil mit der Microplane aus:

    http://www.guitarlinks.de/pics/hals1.jpg

    Der Rest wird mit dem Ziehmesser geschnitzt und zwar in DÜNNEN Schichten. Man muss aufpassen, dass man nicht zu tief gerät und je nach Verlaufsrichtung der Holzfasern muss man auch mal in die andere Richtung arbeiten. Mahagoni ist hier etwas schwierig, Ahorn ist homogener und einfacher zu bearbeiten.

    http://www.guitarlinks.de/pics/hals2.jpg

    Gut 20 Minuten später sieht das Teil schon wie ein Hals aus. Es geht also recht flott und vor allem staubfrei. Davon gibts später noch genug.

    http://www.guitarlinks.de/pics/hals3.jpg

    Grob auf Form geschliffen, der Endschliff kommt erst wenn das Griffbrett drauf ist.

    http://www.guitarlinks.de/pics/hals4.jpg


    Korpus:

    Da ich mit eingeleimten Hals nur noch schlecht rankomme wird das Loch für den Halspickup vorab gefräst. Die Decke mit Passstiften auf den Korpus gesteckt, die Frässchablone ausgerichtet und ab:

    http://www.guitarlinks.de/pics/halspu1.jpg

    Was noch für die Halstasche fehlt wird aus der Decke dann mit einem "normalen" Bündigfräser (Kugellager unten) rausgenommen.

    http://www.guitarlinks.de/pics/halspu2.jpg

    Wenn man eine Klampfe mit Decke baut, hat man den Vorteil alle Leitungskanäle nach belieben fräsen zu können. Hier freihand, muss ja nicht schön sein. Bei einteiligen Bodies kann man manchmal lange darüber meditieren wie man die Bohrung zwischen PUs und EL-Fach hinkriegt ohne an unerwünschter Stelle durch den Korpus zu stoßen. Den Kanal für die Stegmasse nicht vergessen.

    http://www.guitarlinks.de/pics/kabelkanal.jpg

    Die Zarge wird nochmal nachgeschliffen:

    http://www.guitarlinks.de/pics/zargenschliff.jpg

    Und der Rippenschoner angearbeitet. Hier kommt wieder das Ziehmesser zum Einsatz.

    http://www.guitarlinks.de/pics/rippenschoner.jpg


    Fortsetzung noch dieses Wochenende.

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Echt der Wahnsinn! Da is man mal 2 Wochen unterwegs, kommt zurück und schaut rein *taddaaaaa* Hat man fast schon ein Lehrbuch vor sich ;)

    Echt, Respekt! Das ermutigt mich ... ;D

    Give me enough knobs, and I can control the world. -Z. Vex

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Korpusdecke: Olivenholz (statt Ahorn, bin gespannt drauf)

    Die Olivenholzdecke bietet eine attraktive Optik

    Zitat

    Hi,

    Ist die nur was für's Auge, oder auch was für's Ohr? Olivenbäume wachsen ja sehr langsam, dafür aber krumm und schief, was ja nicht so optimal für die Tonentfaltung sein soll.
    Bin halt neugierig,

    Schöne grüße, stooge

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Weiter mit dem Korpus:

    Die Decke wird im Bereich der Schalter/Potis auf 3 mm Stärke gefräst - ausnahmsweise ohne Schablone.
    http://www.guitarlinks.de/pics/eltfach.jpg

    Mit einem Zahnspachtel Leim auf dem Korpus verteilen (Stinknormaler Holzlein, schnelltrocknend - keine Wunderrezepte)
    http://www.guitarlinks.de/pics/leimbody.jpg

    und die Decke rauf. Durch die Passstifte kann sie nicht verrutschen. 5 - 6 Schraubzwingen reichen normalerweise. Hervorquellenden Leim kann man am besten nach 5-10 Minuten mit einem Kunststoffspachtel abziehen (Halstasche nicht vergessen!). Dann sollte man auch die Passstifte rausziehen bevor sie nicht mehr wollen. Aus naheliegenden Gründen sollte man keine Holzstifte verwenden.
    http://www.guitarlinks.de/pics/bodyzwinge.jpg


    Während der Korpus durchtrocknet geht's mit dem Griffbrett weiter:

    Löcher für die Dots bohren, 6 mm Ø und 2 mm tief, am 12. Bund einen hauch tiefer. Die Dots mit einem Tropfen Punktkleber einsetzen.
    http://www.guitarlinks.de/pics/dots.jpg

    Die Sidedots sollen ja beleuchtet werden, also muss Platz für die Lichtleiter geschaffen werden.
    http://www.guitarlinks.de/pics/griffbrettr1.jpg

    Die Lichtleiter werden am Ende weiß ummantelt, da man sich sonst nicht orientieren kann, wenn man die Klampfe mal ohne eingestecktes Kabel oder mit leerer Batterie spielt (Hab ich auch schon ausgetestet). Ich habe mir dafür eine passende Kabelummantelung gesucht.
    http://www.guitarlinks.de/pics/griffbrettr2.jpg
    http://www.guitarlinks.de/pics/griffbrettr3.jpg

    Die Lichtleiter werden zunächst mit Klebeband und dann an ein paar Stellen mit 2-K-Kleber fixiert. Man darf sie biegen, aber nicht knicken, dann kommt kein Licht mehr durch. Ich habe hier 0,75 mm Querschnitt genommen. Mit 1 mm sind sie schon recht störrisch.
    http://www.guitarlinks.de/pics/griffbrettr4.jpg

    Hals mit Leim einschmieren - an der Trussrodschraube nicht zu Fett!
    http://www.guitarlinks.de/pics/griffbrleim1.jpg

    und rauf mit dem Griffbrett:
    http://www.guitarlinks.de/pics/griffbleim2.jpg


    Während der Hals trocknet, weiter mit dem Korpus. Den Kantenradius der Decke gefräst und das Ganze schon mal etwas feiner geschliffen. Die Materialwahl scheint OK zu sein, das Teil klingt schon beim Schleifen gut. Ab jetzt wird nur noch auf weicher Unterlage gearbeitet, um sich nicht wieder Macken im Holz einzufangen. Für die dreckigen Jobs nehme ich ein Stück Weichfaserplatte später dann eine Moosgummimatte.

    http://www.guitarlinks.de/pics/bodyfront.jpg


    Wieder zum Hals:
    Zusammen mit dem Griffbrett nun in die endgültige Form geschliffen:
    http://www.guitarlinks.de/pics/halsform.jpg

    Den Griffbrettradius schleife ich mit einem vorgeformten Klotz, in diesem Fall mit 16 Zoll Radius. Den Hals muss man etwas unterstützen, damit er sich nicht durchbiegt und die Kopfplatte vor Biegekräften geschützt ist.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Griffbrettradius1.jpg

    Riopalisander ist eisenhart, noch schwieriger zu schleifen als Ebenholz. Es dauert also eine halbe Stunde. Zwischendurch wird immer mal wieder rübergepeilt und ein (Stahl-)Lineal rangehalten. Wenn man den Schleifklotz ungleichmäßig belastet kann man eine Mulde im Griffbrett kriegen. Deshalb sollte man den Hals zwischendurch mal umdrehen und in die andere Richtung arbeiten.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Griffbrettradius2.jpg

    Zunächst mit 80er Körnung, damit es überhaupt voran geht, dann feiner bis ca. 300, dann ohne Klotz weiter mit 600, Stahlwolle 00 und Stahlwolle 000. ;D

    Weiter gehts dann mit der Bundierung

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Bundierung:

    Die Bundierung/Neubundierung ist im Rockinger Workshop wirklich bestens beschrieben und ich werde das hier nicht alles wiederholen.
    Am besten erstmal beim Rockinger gucken und dann hier weiterlesen:
    http://www.rockinger.com

    Nach dem Radienschliff sind die Bundschlitze meistens nicht mehr tief genug und man muss sie nachsägen. Dazu braucht man ein Feinsäge mit einer definierten Sägeschlitzbreite von 0.6 mm. Im Baumarkt suchen lohnt nicht, besser bei http://www.dick.biz (Die Handiwork 135 ist recht günstig. japanische Werkzeuge sind übrigens durchweg Spitze - wer an sowas Spaß hat wird bei Dick einiges finden). Nun möchte man die Schlitze ja auch nicht ZU tief sägen, weil das A: Scheiße aussieht, B: die Festigkeit des Halses insgesamt etwas beeinträchtigt, C: die Lichtleiter, die man da mühsam reigeferkelt hat durchtrennt.
    Folgendes Vorgehen: Die Bunddrähte, die ich habe, brauchen 1,5 mm Schlitztiefe - ich spendiere ihnen 2 mm. Die zeichne ich auf einem dünnen Karton an und überprüfe regelmäßig die Schlitztiefe bevor ich weitersäge. Das Griffbrett ist gewölbt, also nicht nur in der Mitte nachmessen!
    http://www.guitarlinks.de/pics/Bundschlitze.jpg

    Ich kann nur empfehlen vorgebogenen Bunddraht zu kaufen, auch wenn er ein wenig teurer ist als die Meterware. Er legt sich sozusagen selbstzentrierend in den Bundschlitz:
    http://www.guitarlinks.de/pics/Bundierung1.jpg

    Man braucht jetzt so einen kleinen "Ausbeulhammer" (weiß nicht wie der offiziell heisst) und schlägt den Bund mit der Hartplastikseite erst an den beiden Aussenseiten ein und dann von innen nach aussen. Hier werden häufig rückstoßfreie Hämmer mit Bleikugelfüllung empfohlen, die schaden wohl auch nichts, ich bin aber mit dem Primitivlteil sehr zufrieden und merke nichts von Rückfederung. Der Hals wird an den Stellen an denen man gerade raufkloppt natürlich von unten unterstützt.
    Diese Geschichten mit dem Einpressen der Bünde sind Kacke: Du brauchst zumindest ein Formstück für die Bunddrahtaufnahme - kostet Geld - und Du versaust viel leichter was als wenn Du mit dem Hammer arbeitest. Auch wenn man Manschetten hat, wenn man das erste Mal auf sein mühsam gefertigtes Griffbrett raufdengelt: Es funktioniert, geht schnell, easy und sicher. Nach dem zweiten Bunddraht denkst Du, Du hättest nie was anderes gemacht. Hau rein!
    http://www.guitarlinks.de/pics/Bundierung2.jpg

    Beim Abschneiden der überstehenden Bundstücke und beim Feilen der Kanten Handschuhe zu tragen ist sicher nicht der schlechteste Vorschlag.

    Was bei der Bundierung noch zu beachten wäre: Die Bundfeile (die zum Leveln, nicht die Radienfeile) ist NICHT durch irgend eine andere in der Werkstatt schon vorhandene Feile zu ersetzen, die sind nicht plan genug. Dieses Teil wird bei einer Neubundierung hauptsächlich dazu eingesetzt die Bundstäbe an den Enden zu bearbeiten - also der Griffbrettkante anzugleichen und die Schrägung zu feilen. Zur eigentlichen Nivellierung der Bünde, also der Bundoberkanten darf man sie nur ganz vorsichtig einsetzen, am Besten nur mit ihrem Eigengewicht! Wenn man bis hierhin gut gearbeitet hat, gibt es nämlich nicht viel zu auszugleichen und alles, was man unnützerweise auf den Bunddrähten plattschrabbelt muss man später wieder verrunden. Ich verwende lieber ein planes Aluprofil, das ich mit 600er Schleifpapier beklebt habe (und das hat schon 5 Griffbretter hinter sich und geht immer noch - es gibt hier also wirklich nicht allzuviel zu schleifen).
    Bei einem Fretjob an einer gebrauchten Gitarre mit runtergespielten Bünden sieht das allerdings anders aus.

    Wenn nun ein Bunddraht bei der Nivellierung zu sehr abgeflacht werden musste, geht man am besten so vor (der Draht, den ich hier zeige hätte es eigentlich noch nicht nötig - aber um mal zu zeigen wie's geht):
    Das ist eine Bundverrundungsfeile, die gibt in in verschiedenen Größen, oder wie hier mit austauschbaren Einsätzen. daneben der zu behandelnde Bund.

    http://www.guitarlinks.de/pics/Bundierung3.jpg

    Um zu überhaupt sehen zu können was man bearbeitet wird die Bundoberseite wird mit einem Edding eingefärbt - und dann wird der Radius raufgefeilt bis nur noch ein schmaler Strich zu sehen ist - Bingo!

    http://www.guitarlinks.de/pics/Bundierung4.jpg

    Sehr viele Industriegitarren werden serienmäßig mit so einer abgeflachten Bundoberfläche geliefert. Das ist natürlich keine optimale Saitenauflage sondern es schnäselt ein wenig rum - eine Mini-Sitar sozusagen. Bei Akustikgitarren kommt das häufig gut, aber Elektrische kann man durch so eine Bundoptimierung wirklich aufwerten: der Cleanton wird sauberer und der Zerrton wird definierter.

    Nach dieser Behandlung werden die Bunddrähte nochmal feinst poliert, damit beim Saitenziehen nichts raspelt. Am einfachsten geht das mit einer intensiven Massage mit "00" Drahtwolle und einer Feinmassage mit "000" Drahtwolle.
    GANZ WICHTIG!: Wenn schon Pickups montiert sind: Die Arbeit mit Stahlwolle produziert eine Oktrillion von kleinen Stahlwollefäserchen von denen die Mehrheit in Deinen Pickups sesshaft wird und kaum noch zum Umzug zu bewegen ist. Pickups sind vor solchen Arbeiten penibelst abzukleben.

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    wrkdesign

    und wieder einsame spitze dein bericht und pics :)

    ich möcht auch mal kurz meine arbeitsweise beschreiben was das abkanten und entgraten der bünde betrifft.
    ich spanne ein karrosserie schleifbrett mit 320 körnung in den schraubstock.das teil hat ungefähr 400mm länge
    damit verschleif ich die seiten der bünde in einem abwasch .da muss nix gefeilt werden.nun kipp ich den hals leicht und schleif die schräge rein.diese arbeitsgänge wiederhole ich mit aluprofil (wie von wrkdesign)und 600er papier(aufgeklebt)somit hab ich mir den ganzen akt mit dem feilen der bundenden gespart.ihr könnt mir glauben,da ist garantiert jeder bund gleich.und wenn jetzt noch was kratzt wird es mit der ziehklinge entfernt.

    gruss micha

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Der Hals kommt ran:

    Wenn das Ding erst mal eingeleimt ist, ist nichts mehr zu verändern. Also montiere ich den Hals nochmals provisorisch um den Halswinkel zu kontrollieren. Ich lege ein langes Metalllineal auf den Hals und messe den Abstand zum Korpus an der Stegposition (sorry, ohne Foto). Demnach müsste die Saitenauflage am Steg (e-Saite) etwa 20 mm über dem Deckenniveau sein, das ist im grünen Bereich - eine Korrkektur am Halsfuß ist nicht notwendig.
    Das Ding wird nun mit Leim eingesetzt - in den Außenbereichen nicht zu üppig, denn leimbesudelte Flächen nehmen später kein Öl mehr an und bilden helle Flecken.


    Aufsatteln:

    Der Sattel ist ein kleines unscheinbares Teil, dass viel Kopfzerbrechen hervorrufen kann. Die möglichen Materialien zu diskutieren ist einen eigenen Thread wert. Ich habe in diesem Fall einen vorgekerbten (ja, ich weiß, ich bin faul) Sattel aus "Graphit" genommen (es gibt da einige Begriffsverwirrungen im angelsächsischen Sprachbereich: "Graphit" ist das Zeugs aus dem Bleistiftminen sind - auch schwarz, aber ziemlich bröselig. "Carbon", das ist hier gemeint, ist ein kohlefaserverstärkter Kunststoff, leicht und fest.
    Was was ich hier in den Händen habe ist jedenfalls nicht bröselig, sondern recht formstabil und soll ja angeblich die Saiten gleiten lassen. Der vorgekerbte Sattel (hier 44 mm breit) gibt einem den Saitenabstand vor, aber die optimale Schlitztiefe muss man auch in diesem Fall schaffen.

    Dazu benötigt man: einen Satz Sattelsägen oder -Feilen 600er Schleifpapier und eine Dicktenlehre:
    http://www.guitarlinks.de/pics/Sattel1.jpg

    Diese kleine bunte Knabbermischung in dem Tütchen sind Feilen, die Zahnärzte bei Wurzelbehandlungen einsetzen. Das ist Einmalmaterial d.h. nachdem sie damit im Patienten rumgestochert haben schmeißen sie sie weg. Beim nächsten Zahnarztbesuch nach einigen gebrauchten Exemplaren fragen: uns interessiert alles über 0.3mm Durchmesser.

    Das Sattelfeilen ist ein wenig heikel, den wenn man auch nur ein wenig zu tief gearbeitet hat, gibt's nix mehr zu reparieren. Hier kommt die Dicktenlehre zum Einsatz: Die Schlitze im Sattel dürfen nicht höher als die Bunddrahtstärke sein. Wir stellen die Dickte auf das Maß der offiziellen Bundstäbchenhöhe ein (hier 1,1 mm). Die Dicktenlehre wird auf diesen Wert eingestellt und vor den Steg gelegt:
    http://www.guitarlinks.de/pics/Sattel2.jpg

    Dann wird gesägt/gefeilt bis man auf Metall stößt und zwar zur Kopfplatte hin abfallend, damit die griffbrettseitige Kante des Stegs auch wirklich den höchsten Auflagepunkt bildet.
    Danach werden die Kerben mit einem Stückchen gefalteten 600er Schleifpapier geglättet, in den beiden schmalsten Schlitzen kommen die Dentalfeilen zum Einsatz.


    Holzkitt:

    In der Olivenholzdecke gab es an der Unterseite eine Verwachsung, die spröde war und beim Fräsen ein wenig ausgebröselt ist (Bei anderen Hölzern würde man von "Astloch" reden, bei Olivenholz ist es eher eine kleine skurrile Landschaft). Um ein Füllmaterial zu schaffen, dass in etwa der Holzfarbe entspricht, gehe man so vor:
    Von einem Restabschnitt des Originalmaterials mit einer Feile wenig "Sägemehl" produzieren - etwas transparenten Epoxy 2-K Klebstoff anrühren und mit dem Holzstaub zu einer Paste verrühren - die Macken im Holz damit ausspachteln, aushärten lassen, schleifen - aus. Auf diese Weise lassen sich auch die Fugen, die bei Perlmutt-Inlays entstehen füllen. Bei einfarbigen Hölzern, z.B. Ebenholz, gibt das eine perfekte Oberfläche. Bei gemaserten Hölzern trifft das natürlich nur bedingt zu, ist aber besser als ein Loch.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Holzkitt.jpg


    Steg positionieren:

    Nachdem Hals und Sattel sitzen kann man den Steg genau positionieren, und zwar nicht nach der ursprünglichen Schablone oder dem Aufriss, sondern anhand der tatsächlichen Bedingungen. Ist der Hals auch nur um 1 Grad schief zur theoretischen Mittelachse eingeleimt, laufen die Saiten in den höheren Lagen schon neben dem Griffbrett.
    Mit einer gespannten Schnur simuliert man die Position der beiden e-Saiten und legt so die exakte seitliche Position des Steges fest. Wenn der aus der geplanten Mitte herausläuft, müssen auch die PUs entsprechend angepasst werden.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Stegposition.jpg

    Die Mensurlänge ist bekannt, in diesem Fall 648 mm. Die Korrektur zur Bundreinheit verlängert die Saiten in jedem Fall und verkürzt sie nie. D.h. der Steg wird so montiert, dass die Auflage der hohen e-Saite in der vordersten Einstellposition der tatsächlichen Mensur entspricht und der Einstellspielraum des Steges sich nach hinten erstreckt. Stege, die einen geringen Stellbereich haben - z.B. Tunamatic-Stege - kann man auch gleich etwas schräg montieren (3 Grad zur Mittelachse).


    Nochmal der Korpus:

    Die restlichen Pickuplöcher sind gefräst und die Sackbohrungen für den Steg gebohrt und zwar mit Hilfe eines Bohrständers! Freihand gebohrt kann so ein 11-mm-Bohrer eine beachtliche Eigendynamik entwickeln und das Loch mal 2-3 mm neben die gewünschte Position driften lassen - was an dieser Stelle katastrophal wäre.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Korpus4.jpg

    Die Löcher für die Potis werden gebohrt, da gibts weiter nix anzumerken, aber der Schlitz für den 5-Weg-Schalter muss noch rein. Diese "Oberfräse" für eine biegsame Welle hatte ich mir mal für Intarsienarbeiten gebaut.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Korpus5.jpg

    Und mit dieser Einrichtung (an einem Anschlag natürlich) und einem 2,3 mm Hartmetallfräser ist der Schlitz dann schließlich drin.

    http://www.guitarlinks.de/pics/Korpus6.jpg


    Finish:
    Die Holzarbeiten sind erledigt, die gesamte Klampfe wird nun erstmal eingeölt und zum Trocknen aufgehängt.
    http://www.guitarlinks.de/pics/Pause.jpg

    Das heißt, erstmal Sendepause - ich melde mich dann erst in ein paar Tagen wieder.


    Ciao
    Wolfgang

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Ich weiß, ich habs schon mehrmals geschrieben, aber mir raubts echt einfach den Atem! Ganz ohne Flachs, das is spannender als irgend n Tatort oder sonstwas ... Ich kann kaum den nächsten Eintrag abwarten. Vor allem gefällt mir die Gitarre einfach saugut. Die Form is einfach klasse, nicht übertrieben ausgefallen aber doch wirklich eigenständig und das Holz ... da werd sogar ich schwach ;)

    Wolfgang, Du hast meine absolute Bewunderung sicher! Und meinen Neid für die Klampfe auch ;D

    Give me enough knobs, and I can control the world. -Z. Vex

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Hallo

    Also die Pause hast du dir verdient ,nach diesem grossartigen Doppeleinsatz!

    Uns ermoeglicht sie deinen Vortrag in Ruhe noch einmal zu geniessen und

    (hoffentlich) etwas daraus zu lernen.

    Danke

    MfG Jimini

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Erst mal vielen Dank für Eure Lobhudeleien.


    Es geht weiter. Das Öl ist soweit trocken, dass man weiterarbeiten kann. Die Trockenzeit hängt mit davon ab wie tief das Öl ins Holz eindringen kann. Beim offenporigen Mahagoni dauert es schon einige Tage, das Olivienholz ist nach einem Tag trocken. Wachs habe ich auch schon drauf - dünn einreiben, nach 10 Minuten nachpolieren fertig.


    Trussrodcover:

    Das Plättchen habe ich aus einer 3 mm Kunststoffplatte gefeilt und matt geschliffen, damit es dem Charakter der Gitarre entspricht.
    http://www.guitarlinks.de/pics/tcover1.jpg

    Hinten kommt ein selbstklebendes Moosgummistückchen drauf, das in den Trussrodschlitz passt. so kann man das Cover schön klein halten und mit nur einer Schraube befestigen.
    http://www.guitarlinks.de/pics/tcover2.jpg
    http://www.guitarlinks.de/pics/tcover3.jpg


    Abschirmung und Beleuchtung:

    Die Böden der Single-Coil-Fräsungen und des Elt-Fachs werden mit einer selbstklebenden Kupferfolie versehen. Die Folienteile müssen natürlich alle an Masse gelötet werden, wenn sie was bewirken sollen.
    Der Lichtleiterstrang wird gekürzt und mittels einem Stück Isolierschlauch und Klebeband mit einer weißen LED verbunden. Die wird dann mit einem 360 Ohm Vorwiderstand an 9 V betrieben.
    http://www.guitarlinks.de/pics/led1.jpg
    http://www.guitarlinks.de/pics/led2.jpg


    Steg:

    Die Gewinde für den Steg werden mit dem Plastikhammer eingeschlagen. Ins eine Loch steckt man vorher durch den vorbereiteten Kanal einen Draht oder besser eine Litze, die schert nicht so leicht ab. Sie wird beim Einschlagen durch den Gewindebolzen festgeklemmt. Das andere Ende kommt an Masse.
    http://www.guitarlinks.de/pics/masse.jpg


    Pickups:

    Die Pickups werden eingeschraubt. Mir ist es unergründlich, warum man im Hause Häussel die dicksten und unflexibelsten Kabel verwendet hat die aufzutreiben waren.
    http://www.guitarlinks.de/pics/pus.jpg


    Eltfach:

    Die Abdeckung des Elektrofaches beinhaltet eine Batteriekammer, einen zusätzlichen Schalter für die Batterie (normalerweise wird über die Klinkenbuchse geschaltet aber so kann man die Beleuchtung ganz ausschalten) und die Buchsenhalterung. Sie ist so positioniert, dass das Kabel gleich geradeaus über den Gurtknopf läuft.
    http://www.guitarlinks.de/pics/eltfach1.jpg


    Schaltung:

    Der Schalter ist ein Eyb-Megaswitch M. Es geht aber auch jeder andere 5-Wege-Schalter der über mindestens 3 Schaltebenen verfügt. Die Schaltweise ist: Hals, Hals-Mitte, Mitte, Mitte-Steg(gesplittet), Steg(Humbucker). Mit dem Minischalter kann man den Humbucker auch im Solobetrieb splitten.
    http://www.guitarlinks.de/pics/verdrahtung.gif


    Montage Hardware:

    Die Dome-Speed-Knöpfe haben ja keine Skala, man kann sich aber eine kleine Hilfe bauen. Ich montiere die Knöpfe so, das ich - aus Spielposition am Steg vorbeigepeilt - die Schrauben sehe wenn A: das Volume-Poti ganz aufgedreht ist, B: das Tone-Poti an seinem Arbeitspunkt ansetzt.
    http://www.guitarlinks.de/pics/knoeppe.jpg

    Zur weiteren Montage der Hardware ist nicht viel zu sagen - ich denke dass kennt jeder. Nur soviel: Tonhölzer sind hart und die Schraubenlöcher gehören vorgebohrt und zwar in ganzer Tiefe. Das bewahrt einen vor vergurkten Köpfen und abgedrehten Schrauben (besonders die kleinen an den Mechaniken machen sich gerne einen Spaß daraus).


    Jetzt wäre es an der Zeit mal Saiten aufzuziehen, wenn ich nicht noch eine mittelschwere Katastrophe entdeckt hätte.

    Mehr davon morgen
    Wolfgang

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Zitat von wrkdesign


    Die Einzelteile trudeln jetzt so langsam ein - mit Ausnahme der Hölzer, die bunkere ich schon seit einem knappen Jahr. Es ist ratsam, die Hölzer vor der Verarbeitung ein paar Monate unter Werkstattbedingungen zu lagern, auch wenn sie als verarbeitungsfähig verkauft werden.
    [...]

    Okay, ist lange her, ich weiß ;D
    Aber was verstehst Du unter dem "Lagern unter Werkstattbedingungen"? Geringe Luftfeuchtigkeit, Wärme, ...? Da ich evtl. bald an das Holz für meine Lap Steel komme würde mich das ziemlich interessieren was ich da genau beachten soll(te).

    Give me enough knobs, and I can control the world. -Z. Vex

  • Re:Bauprojekt Stromgitarre

    Zitat von Tümmüh

    Okay, ist lange her, ich weiß ;D
    Aber was verstehst Du unter dem "Lagern unter Werkstattbedingungen"? Geringe Luftfeuchtigkeit, Wärme, ...? Da ich evtl. bald an das Holz für meine Lap Steel komme würde mich das ziemlich interessieren was ich da genau beachten soll(te).

    ich hab meinen angeblich trockenen mahagonybody 3monate im heizungskeller oben und unten ne metallplatte drauf gelagert.
    fazit:das holz blieb gerade hat aber 800gramm an gewicht verloren.da war ich baff ::)
    gruss micha

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