Geschirmte Litzen?!

  • Hi,

    um die Pfeifanfälligkeit bei High-Gain-Latschen etwas zu reduzieren scheinen wohl geschirmte Litzen für die Signalführung eine Möglichkeit zu sein.

    Ich habe nun das Pfeifproblem bei der BOR. Im kleinen Gehäuse kein Problem, aber im Multieffekt (Buffer>Wah>Booster>Fuzz>BOR>Delay>Booster>Out) bei längeren Kabelwegen pfeifts wie Sau.

    Nach anfänglichen Bestrebungen, die Litzen so SCHÖN wie möglich zu verlegen habe ich gestern in einem Anfall von Lötwahn alles rausgerissen und die Kabel so KURZ wie möglich gelegt. Same shit! Es pfeift, als gäbe es kein morgen...

    Nun habe ich mal geschirmte Litzen verwendet. Allerdings war mir als Laie wenig bewußt, dass die Schirmung nur dann Sinn hat, wenn sie auch auf Masse liegt.
    Resultat: Es pfeift nun noch schlimmer als vorher! Schon bei kleinsten Pegeln.

    Frage 1: Macht das irgendwie Sinn? Habe ich mir nun, da ich die Abschirmung nicht auf Masse gelegt habe, so etwas wie eine Antenne gebastelt?

    Frage 2: Der nächste Schritt wird also sein, dass ich den Schirm einseitig auf Masse lege. Jetzt habe ich im Forum gelesen, dass es durchaus nicht egal ist, welche Seite man da verbindet. Was ist logischer? Inputseitig oder outputseitig schirmen? Diese Antwort blieb mir die Boardsuche leider schuldig.

    Wäre nett, wenn mir jemand hilft, der BOR das Pfeifen auszutreiben.

    Chris

  • Hallo,

    eines vorweg: Es kann sein, daß das Pfeifen auch nach richtiger Verwendung geschirmter Litzen bleibt, weil es evtl. durch ein ungünstiges Layout der Platine erzeugt wird. :(

    Die Schirmung wird normalerweise (Achtung ich verallgemeinere hier) "von der Quelle her" auf Masse gelegt, also an der Input-Buchse und nicht am Eingang der Platine.

    Trotzdem muß aber ein (in Zahlen: 1) durchgehender Masseweg für das Signal (Also v. Input-Buchse -> Platine -> Outputbuchse) vorhanden sein. Diese wird dann mit "normaler", ungeschirmter Litze ausgeführt.

    Trotz Schirmung sollte man Ein- Und Ausgangsleitungen (gerade wenn das Signal auf ihnen gleichphasig ist) nicht unbedingt über längere Strecken (> 5...10 cm) unmittelbar neben einander verlegen - Abstand hilft...

    Schwache, von hochohmigen Quellen stammende Signale haben eine Abschirmung "nötiger" als starke aus niederohmigen Quellen (also, der Ausgang eines Buffers hat normalerweise keine Schirmung nötig).

    Es gibt auch "schlechte" abgeschirmte Leitung, die

    - wenig Bedeckung durch das Abschirmgeflecht hat ("spart Kupfer")
    - hohe Kapazität pro Meter hat (gute hat typ. 100 pF/m) und auf längeren Strrecken die Höhem bedämpft (RC-Tiefpaß).

    Übrigens komme ich in vielen Anwendungen ohne Abschirmung aus, wenn ich die Signal-Litze und Masse-Litze mireinander verdrille - die Masse-Litze wird dann natürlich beidseitig angeschlossen...;). Sollte man aber nur bei kürzeren Leitungen (< 25 cm) machen, weil sonst die Kapazität der Doppel-Leitung zu hoch wird.

    Alles klar?

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Hi Bernd,

    das hilft mir schonmal weiter!

    Dem Platinenlayout unterstelle ich mal Narrensicherheit, da es der Bausatz von Uwe ist.

    Als geschirmte Litze verwende ich die hier:

    http://www.thomann.de/de/sommer_cable_onyx_2025_schwarz.htm

    http://www.thomann.de/de/sommer_the_…krofonkabel.htm

    Da sollten der Kupferanteil sowie die Kapazität eigentlich passen.


    Verstehe ich richtig, dass die durchgängige Masseverbindung quasi parallel (also nicht im Sinne von "physisch direkt daneben") zur Signalführung verlaufen muss. Ich habe die Masse bisher als Sternmasse von einem einzigen gemeinsamen Punkt aus zu allen "massebedürftigen" Teilnehmern realisiert.

    Chris

  • Salü,
    eBernd: Ich dachte verdrillen und schirmen sind zwei unterschiedliche Sachen. Schirmen hilft gegen elektrische Felder (hält einmal das Feld der geschirmten Leitung "in der Leitung" und zum anderen verhindert einstrahlen von ausen in die Leitung), während verdrillen das Magnetfeld der Leitung aufhebt (zum Beispiel bei Wechselstromheizung von Röhren).
    mfg sven

  • Hallo,

    chris: Sternerde ist richtig. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß Strom (zumindestens bei diesen Frequenzen ;D) immer einen Rückleiter (= geschlossener Stromkreis) benötigt.
    Ich kenn nämlich Leute, die durch Verwendung abgeschirmter Leitungen ungewollt auf Ein-Draht-Signal-Leitung umgestiegen sind.:rolleyes:

    Sven: Korrekt, das sind zwei unterschiedliche Sachen. Das Verdrillen ist empirisch und vom Innenleben eines HaiÄnd-Preamp übernommen. Vor langer Zeit mal auf Jogi's RB Thema gewesen - ist ja auch deine Zweit- bzw. Drittwohnung...;D

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Erster Erfolg und neues altes Problem...

    So, die geschirmte Litze hats voll gebracht!
    Vielen Dank für die Tips. Die BOR macht nun keinen falschen Mucks mehr. Selbst wenn ich sie mit dem Black Toast (immer noch mit fälschlicher JFET/MOSFET-"Modifikation") anpuste und sie hinten raus mit dem SHO lauter mache ist kein Pfeifen zu vernehmen. Und auch das überempfindliche Wah kann ich ohne Pfeifkonzert zuschalten. Das ist schon mal ein Erfolg.

    Aber ein klitzekleines Problem wäre da noch:

    Es rauscht!

    Zwar alles im grünen Bereich, aber mir ist aufgefallen, dass ich das Rauschen komplett abstellen kann, wenn ich das Gehäuse mit der Hand berühre. Wahlweise geht's auch mit Handauflegen an den Pickup-Schrauben meiner Stratocaster weg. Wenn ich nur die Saiten berühre hat das hingegen keinen Einfluss aufs Rauschen.

    Mir ist ähnliches schon beim Prototyp meines Multieffekts aufgefallen. Da habe ich immer eine Kabelverbindung vom Effektgehäuse zum Rockcase Pedalboard gelegt und das Rauschen war verschunden.

    Das hier soll aber ein Standalone-Gerät werden (Kleines Besteck) womit die Case-Verbindung entfällt. Was kann das sein und wie kann ich das beheben? Hat mein Gehäuse nicht genug Masse???!!

    Chris

  • Hallo,

    nur mal zur Sicherheit ein alter Kalauer vorweg:

    "Die Hummel rauscht und das Meer brummt"

    Das Gehäuse sollte natürlich auch auf Masse gelegt werden, wenn es durch die Klinkenbuchsen nicht automatisch geschehen ist...

    Wenn ja, mal den Widerstand Gehäuse-Klinkenbuchse(nmasse) nachmessen...

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Na das Gehäuse ist natürlich auf Masse. Sogar mit ner extra zu diesem Zweck angebrachten Gehäuseschraube.

    Aber es rauscht wirklich nur ganz dezent, so wie eine ganz kleine Hummel. Wenn ich mit der Hand dran gehe, ist's ganz weg. Mit HUMbuckern (welch Ironie...) ist es komischerweise umgekehrt. Da rauscht es lauter bei der Handauflegung.... verwirrend!
    (Nochmal sicherheitshalber: Ich meine wirklich Rauschen. Brummen tut Gott sei Dank nix.)

    Zu guter letzt hat jetzt auch noch der Tonebender bei extremen Gaineinstellungen das Ozillieren gelernt. Und das ist nun echt kein Pfeifen mehr. Ein richtiger Ton, dessen Höhe ich mit dem Tonepoti regeln kann. Nänänä...da ist noch ganz schön der Wurm drin. Oder die Hummel?! Hornissennest?
    Ich glaube ich geh jetzt erst mal schlafen. Morgen weiter debuggen.

    Chris

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