Anfänger braucht rat: Verkabelung bei Effekten

  • Hallo,

    nun, ein kompletter Anfänger bin ich nicht mehr. Momentan bastel ich am Tremolo (bis jetzt habe ich folgendes gebaut: True Bypass Looper, Der Screamer, MXR Microamp) und bis jetzt hat jeder meiner Effekte funktioniert nur, mit Verlaub, im Gehäuse sah es bis jetzt jedes mal aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Wenn ich dann von euch Screenshots sehe, wie sauber und aufgeräumt es da drinnen aussieht, werd ich einfach nur neidisch.
    Bei mir hackelt es immer mit der Verkabelung. Ich schätze die Kabellängen einfach zu großzügig ein und hab dann jedes mal Probleme sie ordentlich zu verpacken.
    Wie geht ihr beim Festlegen der Kabellängen vor?
    Einerseits muss einem ja die Möglichkeit bleiben die Platine etwas aus dem Gehäuse zu nehmen und andererseits dürfen die Kabel nicht zu lang sein.

    Mglw. eine doofe Frage, ich habs bis jetzt einfach noch nicht hingekriegt und bin evtl. etwas zu ungeschickt, aber irgendwann muss will ich es ja mal lernen oder nicht? 8)

  • Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Geräte im Innenraum auch etwas unordentlich sind und den Geräten von Magnus zB einfach nicht das Wasser reichen können. Obwohl ich meistens ziemlich genau ablänge, gehen sich aus irgendwelchen Gründen dann einfach doch keine rechte Winkel mehr aus...

    Ich würde sagen, dass der einfachste Weg zu Ordnung im Gerät eine Schablone aus Pappe ist, auf der du die Potis und den Schalter festschraubst. Dann hast du mehr Freiraum für deine Hände und musst nicht im Gehäuse rumfummeln.

    mfg

    Signalverfolgung - the real answer to life the universe and everything

  • Hallo,

    meine Vorgehensweise ist (es gibt bestimmt auch noch andere, genauso sinnvolle):

    1. Alle Litzen mit Reserve an Platine anlöten. Um die Länge grob abzuschätzen, lege ich dabei die Platine in ihrer späteren Position in das bestückte (Potis, Buchsen, Schalter...) Gehäuse. Ich achte dabei auf eine sinnvolle/einheitliche Farbwahl für die Litzen.

    2. Ich entscheide mich für die "Ausklapprichtung" der Platine. Die "Drehachse" lege ich an die Seite mit den meisten Anschlüssen. Dadurch werden die Litzenlängen optimiert. Eine Beweglichkeit ganz aus dem Gehäuse heraus würde die Litzen nur unnötig lang werden lassen. Für die entspr. Litzen lege ich eine Zugabe für das Ausklappen fest.

    3. Alle Anschlüsse der Elemente (Potis, Buchsen, Schalter...) werden jetzt vorverzinnt, weil es sonst beim Verdrahten von z. B. Buchsen regelmäßig zu einer "Braterei" führt, was die Isolation von Litzen schmelzen läßt. Dabei ist die Verwendung von selbstgemachtem Flußmittel (etwas Kolophonium in Spiritus auflösen, Anschluß vorm Löten/Verzinnen damit dünn bepinseln) hilfreich.

    3. Dann befestige ich die Platine provisorisch im Gehäuse, kürze alle Litzen passend und isoliere die Enden ab und verzinne sie vor - eine weitere Maßnahme gegen "Braterei".

    4. Schließlich werden die Litzen an den Bedienelmenten verlötet. Eine gewinkelte Pinzette oder eine schlanke Verdrahtungszange (heißt die jetzt wirklich so?) helfen dabei. In schwierigen Fällen benutze ich auch eine kleine Klemmpinzette oder auch Arterienklemme (ja die aus der Chirurgie ;D) um Litzen an ihrem Platz zu halten.

    Man sollte sich dabei angewöhnen, die "Zustoßrichtung" der Lötkolbenspitze zu planen, sonst gibts verschmurgelte Bauteile oder Litzen...
    Verlötete Litze verlege/drücke ich dann in den Bereich des Gehäusebodens/-wände, damit sie beim weiteren Löten von Litzen nicht stören.
    Ganz widerspenstige Litzen kann man zeitweise mit etwas Klebeband (Krepp) fixieren.

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Hey Bernd,

    vielen Dank für diese detailierte, hilfreiche Anleitung!

    Zitat von eBernd;272773

    2. Ich entscheide mich für die "Ausklapprichtung" der Platine. Die "Drehachse" lege ich an die Seite mit den meisten Anschlüssen. Dadurch werden die Litzenlängen optimiert. Eine Beweglichkeit ganz aus dem Gehäuse heraus würde die Litzen nur unnötig lang werden lassen. Für die entspr. Litzen lege ich eine Zugabe für das Ausklappen fest.

    DIESER Punkt ist gold Wert!
    Danke nochmal, das hat mir sehr geholfen und wird (hoffentlich) zu einem erfreulichen Ergebnise führen. Bilder werden folgen :) (zumindest schaut das Gehäuse schon mal affengeil aus hehe!)

  • Hi,

    ich kann Bernd nur beipflichten - ich mache es exakt genauso, das hat sich einfach mit der Zeit so ergeben. Dabei sind Gefäßklemmen aus der Chirugie echt Gold wert. Ich habe das Glück, dass ich während meiner Zivi-Zeit mir einige ausgediente Moskitoklemmen (die nichtspitze Variante) mitnehmen durfte. Solche hier: http://shop.doccheck.com/de/diagnostik_…kitoklemme.html
    Sind augenscheinlich auch gar nicht so teuer, wenn man den Nutzen und die Qualität solcher chirugischen Instr. in Betracht zieht.

    Gruß
    Helge

    The Rules of hacking:
    Rule #11: Don’t drink and solder (chapter 7).
    Rule #23: Distortion is Truth. (Poss’s law; chapter 23).

  • Nochn Tip zur Beschaffung:

    Es gibt heutzutage auf Jahr/Wochen-Märkten das Pendant des "billigen Jakobs" (Scheren, Messer etc.). Die haben mittlerweile auch oft solche medizinischen Werkzeuge zu günstigen Preisen. Letzter Kauf: Eine Klemme, wie Helge sie verlinkt hat, für 3 oder 4 Euro.

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • yupp,

    ich mache es auch fast so, ändere mir auch vorhandene Layouts meist so ab, dass die Kabel möglichst alle auf einer Seite (oder "über Eck") liegen. Zum Vorverzinnen bin ich meist zu faul, außer da, wo Braterei Schaden anrichten kann, also zB an Schaltern. Ich setze zum Fixieren der Teile ziemlich exzessiv kleine Stückchen Klebeband ein, manchmal auch eine dritte Hand oder so winzige Klemmen aus der Ramschkiste im Baumarkt, die aussehen wie geschrumpfte Leimklemmen. Werkzeug aus der Medizin ist wirklich Gold wert, ich habe zB ein kleines Skalpell, mit dem man auch im hintersten Winkel noch ein Kabel abisolieren kann. Da mir das Verdrillen und Verzinnern der Litzen zu aufwändig ist, nehme ich schnöden 0,6mm Schaltdraht von der Rolle, deshalb gibt es in meinen Pedalen immer nur rot und weiß, andere Farben nehme ich nur, wenn es sehr unübersichtlich wird.

    Bin auch dazu übergegangen, für die Kabelanschlüsse an der Platine diese kleinen Sockelpins einzulöten. Darin hält der Schaltdraht eigentlich sowieso fest genug. Wenn ich sicher bin, dass alles so bleibt, löte ich ihn trotzdem da rein sicher ist sicher. Falls evtl noch mods folgen sollen, wird nur gesteckt und mit Heißkleber fixiert. Litze geht da aber schlecht bis gar nicht rein.

    mfg, Immo

  • Eine weitere Frage:

    Betrifft indirekt auch die Verkabelung, also warum einen neuen Thread aufmachen? :)

    Vergleicht man den Verdrahtungsplan vom Screamer mit dem des Tremolos fällt auf, dass der 3PDT Schalter jeweils völlig verschieden belegt wird.
    Mag mir jemand einmal simpel erklären, wieso man es einmal so und einmal so macht?

    slugs

  • Zitat von slugs;272898

    Eine weitere Frage:

    Betrifft indirekt auch die Verkabelung, also warum einen neuen Thread aufmachen? :)

    Vergleicht man den Verdrahtungsplan vom Screamer mit dem des Tremolos fällt auf, dass der 3PDT Schalter jeweils völlig verschieden belegt wird.
    Mag mir jemand einmal simpel erklären, wieso man es einmal so und einmal so macht?

    slugs

    Die beiden Verkabelungsarten sind gleichwertig. Du kannst sie in jedem Gerät so verwenden. Bei Effekten mit viel Gain ist es aber wichtig, dass der Eingang der Platine im Bypass auf Masse gelegt wird. Bei den beiden Arten in deinen PDFs ist das ohnehin der Fall. Ich möchte aber trotzdem darauf hinweisen, dass dies nicht immer so ist.

    mfg

    Signalverfolgung - the real answer to life the universe and everything

  • Uff... war ja klar. Mein Tremolo funzt nicht auf Anhieb. Gerade mal der "Depth" Schalter tut irgendetwas. Sobald der Effekt eingeschaltet ist, wird das Signal lauter, wenn ich den Depth Schalter gegen den Uhrzeigersinn drehe und leiser, wenn ich ihn in die andere Richtung drehe, also aufdrehe.

    Na super :rolleyes:

    Aber was anderes:

    Im Standardbausatz sind ja die 5mm LED dabei. Ich hab nun aber einfach eine 3mm LED an den Bausatz gehängt, da mir die 5mm LED zu groß ist.
    Als ich den Effekt eingeschaltet habe, hat die LED auch für ne halbe Sekunde geleuchtet, ist dann aber ausgefallen.

    Muss der Schaltplan durch irgend einen Widerstand modifiziert werden, weil ich nun eine kleinere LED verwende? (sprich: habe ich meine kleine LED nun durchgebratet? :D )

  • Zitat von slugs;272972

    habe ich meine kleine LED nun durchgebratet? :D )


    DurchgebrateNNNN!!! Klingt so, das liegt dann aber nicht an der Größe. Es gibt aber in beiden Größen auch low current LED´s, die brauchen einen größeren Vorwiderstand.

    Zum Rest: Verstehe ich das richtig: Ton geht durch, aber es tremoliert nicht?

    - Hat der Trimmer Einfluss auf´s Resultat?

    -IC´s, Dioden, Elkos richtigrum drin?

    -Evtl beim Einlöten den Optokoppler getötet?

    Hast du ein Messgerät da? Dann gib mal die Spannungen an den IC-Füßchen (jeweils gegen Masse) an und versuch, herauszufinden, ob der Optokoppler was tut.

  • Zitat von roseblood11;272973

    DurchgebrateNNNN!!!


    Tschuldigung... Und das, wo ich die ganze Welt immer verbessere (ich sag nur, der Dativ ist dem Genetiv sein Tod usw.)

    Zitat

    Zum Rest: Verstehe ich das richtig: Ton geht durch, aber es tremoliert nicht?


    Richtig

    Zitat


    - Hat der Trimmer Einfluss auf´s Resultat?


    Ja, je nachdem, wie ich ihn drehe, desto lauter oder leiser wird das Signal.

    Zitat
    Zitat
    Zitat


    -IC´s, Dioden, Elkos richtigrum drin?

    Habe ich akribisch drauf geachtet. Ja!

    Zitat


    -Evtl beim Einlöten den Optokoppler getötet?

    Jetzt wirds peinlich. Ich habe beim Abschneiden der Drähte, bevor ich den Optokoppler in die Platine reingesteckt habe (normalerweiße mach ich es umgekehrt, erst das Bauteil mit dem ganzen Draht reinstecken, anlöten und dann den Draht kappen) an einem Anschluss zu viel Draht abgeschnitten. Habe dann einfach wieder ein Stück Draht angelötet. An sich sollte das doch kein Problem sein. Ich mein, das ist recht sauber geschehen und sollte ja dennoch Strom leiten.

    Zitat


    Hast du ein Messgerät da? Dann gib mal die Spannungen an den IC-Füßchen (jeweils gegen Masse) an und versuch, herauszufinden, ob der Optokoppler was tut.

    Zitat
    Zitat

    Also ein Multimeter habe ich da, nur habe ich es noch nie benutzt.
    Damit ich das richtig verstehe, diese Messung führe ich durch, während das Pedal an der Spannungsquelle dran ist und ein Klinkekabel im Eingang steckt?
    Und wie finde ich damit heraus "ob der Optokoppler was tut" ?

  • Zitat von slugs;272984


    Also ein Multimeter habe ich da, nur habe ich es noch nie benutzt.
    Damit ich das richtig verstehe, diese Messung führe ich durch, während das Pedal an der Spannungsquelle dran ist und ein Klinkekabel im Eingang steckt?
    Und wie finde ich damit heraus "ob der Optokoppler was tut" ?

    Am einfachsten so: Led aus dem Optokoppler mit ausreichend großem Vorwiderstand (ca. 2kΩ) an einer 9V Batterie betreiben und bei den anderen Pins nachmessen, ob der Widerstand zwischen den anderen beiden Pins gesunken ist. danach könntest du den Widerstand um ein paar Hundert Öhmchen ändern und nachsehen, ob der Widerstand auf der anderen Seite sich auch in die selbe Richtung wie der Vorwiderstand verändert.

    mfg

    Signalverfolgung - the real answer to life the universe and everything

  • So,

    nu läuft alles. Was war? Ein Kondensator hatte auf der Platine eine kalte Lötstelle (obwohl die echt schön Kegelförmig war, aber dafür voll mit schwarzem schmodder und nicht schön glänzend).
    Jetzt tremolierts plötzlich und die LED leuchtet auch.
    Wusste ja gar nicht, dass die ihre Leuchtstärke dem Tremolo anpasst.

    Uhuhuhuh.
    Spätestens morgen gibts Bilder vom Gehäuse :)

  • Und nun die Bilder.

    [Blockierte Grafik: http://home.arcor.de/slugs/Tremolo1.JPG]

    [Blockierte Grafik: http://home.arcor.de/slugs/Tremolo2.JPG]

    [Blockierte Grafik: http://home.arcor.de/slugs/Tremolo3.JPG]

    Das ist mein erster Sunburst und ich muss sagen, dafür isser mir sehr gut gelungen :)
    Das Layout (bis auf die Schrift) stammt von meiner Freundin.
    Leider muss ich jetzt nochmal am Pedal sprühen :( Ich Hirnie bin beim Löten an der Stirnseite (sieht man jetzt nicht) 2 mal ans Gehäuse gestriffen. Jetzt sind dort 2 aufgeweichte Punkte, die bis zur Alu Grundierung reichen.
    Da heißt es jetzt wohl ordentlich abdecken und dann sprühen.

    Zum Inneren, naja. Ich denke Profi-Bastler werden die Nase rümpfen, für mich ist es allerdings das bis jetzt beste Löt-Ergebnis (wie gesagt, ihr wollt nicht in meine anderen Pedale reinschauen)
    Muss die LED-Drähte noch mit Schrumpfschlauch isolieren. Hab nur grad keinen da.
    So, jetzt bin ich wieder ein paar Wochen/Monate glücklich und dann bau ich mir wieder ein neues.

    Einen Kompressor könnte ich auch noch gebrauchen :rolleyes:

  • Sehr cool! Stell die Bilder auch mal in den "Eure schönsten Treter..." thread.

  • ´Moin, miteinander.

    Die Anzahl meiner Posts verrät: ich bin dabei, mein erstes Pedal zu bauen. Das Tremolo. Bin beim Anbringen der Litze.

    Da fand ich den Tipp mit dem Vorverzinnen.
    Die Frage: Vorverzinnen = Lot an die entsprechenden Stellen anbringen, erst dann verbinen. (richtig?).

    Nun verzinnst du (Bernd) alles vor. Heißt das, ich kann Lot an die Schalterösen anbringen und an die Litze und dann beide "geloteten Enden" einfach am Lot zusammenführen? Und spare mir so das "die Litze durch die viel zu kleinen Löcher friemeln"?

    mfg, Manuel

  • Hallo,

    da wo es geht, nutze ich schon die vorverzinnten Löcher um die Litzen dort reinzustecken, das spart eine weitere Hand.

    Nach meiner Erfahrung sind es ja oft die großen Kontaktstreifen der Klinkenbuchsen (und Potis), die anfangs nur ungern Lötzinn annehmen. Da bleiben beim Vorverzinnen - wenn man es nicht übertreibt - die Löcher schon offen.

    Während ich mir das Vorverzinnen der eh kleinen Anschlußpins von (Fuß-)Schaltern erspare und die vorverzinnten Litzen direkt in die Löcher stecke.
    Aber die nehmen (nach meiner Erfahrung) eh leichter das Lot an.

    BTW. Wenn eine verzinnte Litze (wesentlich) dicker ist als vorher, dann macht man beim Verzinnen noch was falsch.;)

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

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