Röhren-Sound: woher kommt die "Wärme"?

  • Hello People

    Ich habe ein bisschen gegrübelt, und gegrübelt, und konnte nicht selber zum Ergebnis kommen, da ich die Mittel dazu nicht habe.
    Ich habe mehrere Röhren-Preamps; mich nimmt es aber wunder, inwiefern die Röhre den Sound verändert, d.h. "wärmer" macht. Könnte mir vielleicht jemand ausführlich, oder auch nur zu einzelnen Punkten, die Veränderungen auf wissenschaftlicher Ebene klar machen? Wie die Sinuswellen verformt werden, welche EQ-Veränderungen vorhanden sind (ich glaube kaum, dass Röhren linear sind) und ob es zB. wenig dynamische Kompression auch bei tiefen Gain-Einstellungen gibt.
    Danke im Voraus!

  • Hi,

    mein Röhrenwissen ist nicht das allerbeste, aber ich versuchs mal noch zusammenzukriegen.

    Erst einmal begrenzt eine Röhre nicht so hart wie ein halbleiter. Wenn die röhre an ihre grenzen kommt rundet sie das signal schön ab, bei transistoren gibt es da einen punkt, an dem gehts (theopraktisch) knallhart von 100 auf 0. Das klingt viel sägender und unschöner.

    Dann kommt dazu, dass eine Röhre eben gewisse Obertöne erzeugt. Das tut ein Tranistor zwar bedingt auch, aber das Obertonspektrum der Röhre klingt für den Menschen einfach viel harmonischer. Ausserdme ist es recht stark ausgeprägt.

    Ich meine mich erinnern zu können dass bei Röhren die Geradzahligen, bei Transen die ungeraden viellfachen als Obertöne stärker betont sind. Wieder ein Punkt für die Röhre.

    Ich habe auch mal gelesen (bin mir abe rnicht sicher obs stimmt), dass ein "cleanes" Gitarrensignal in einem normal dimensionierten GITARREN-Preamp (hier der unterschied, HiFi will linear sein, Klampfenschaltungen FORMEN den Sound) schon mit 10-15% Klirr und ordentlich Obertönen rauskommt. CLEAN wohlgemerkt. Also kann man da schon ganz schön was vom Klirr- und Kompressionsverhalten der Röhre "bewundern"

    Ich hoffe mal in diesem kurzen Abriss meines Halbwissens über die leuchtenden Freunde war jetzt nicht allzuviel falsch :)

    Gruß,
    Jens

  • Ich werfe einfach mal weitere Begriffe in den Raum: Vorstufenverzerrung und Endstufenverzerrung. Wenn vom sagenumwobenen Sound von Gitarrenverstärkern die Rede ist, ist meist die Endstufenverzerrung gemeint (die meisten Gitarristen, zum Beispiel eines 100W-Marshalls kennen das Klang-Potential ihres Amps gar nicht, weil sie nie die Endstufenröhren in die Sättigung treiben konnten, weil das bei 100W mit brachialer Lautstärke einhergeht). Hier spielt dann auch die Kompression des Übertragers eine Rolle, meine ich gehört zu haben:)
    Es gab mal Hörversuche (muss den Link wieder suchen...) wo namhafte Toningenieure (Massenburg und Co.) in einem Blindtest Vorstufenverzerrung und Endstufenverzerrung vorgespielt bekamen. Das Ergebnis: bei der Vorstufenverzerrung war es unmöglich einen Favoriten zu bestimmen, mal wurde der Transen-Preamp als "besser" beurteilt, mal die Röhre. Bei der Endstufenverzerrung war das Ergebnis aber überraschenderweise einstimmig: die Röhre gewann.
    Fazit: Röhrensound = Amp aufreissen. Gut, wer einen Niedrig-Watter besitzt:rolleyes:
    Gruß
    Chris

  • Moin
    Noch mal zum Thema Linearität:
    Die Frequenzkurven von Röhren sind sehr lange sehr Linear, also an einem "EQ" Effekt liegt es nicht, außer wenn die Schaltung halt bestimme Frequenzbänder beschneidet.
    Das ist halt auch so eine Sache, da Röhren und Transistorverstärker ganz anders konzipiert sind,was (oft) einen unterschiedichen Klang nach sich zieht, ich sag nur mal Ausgangsübertrager.
    Sehr empfehlenswert zu dem Thema sind auch die Bücher von Helmut Lemme, zB. "Gitarrenverstärker-Sound".
    Mfg

  • Zu dem Thema wurde in der Vergangenheit schon mehr als eigentlich notwendig geschrieben. Spontan fällt mir dieser Artikel ein.
    Ähnliche Abhandlungen findet man als Einleitung in den meisten aktuelleren Büchern zu Röhrenverstärkern (zur Linde, Haas).


    Gruß, Volker

  • Hallo DLC..., hast Du keinen richtigen Namen, den man auch schreiben kann :confused:

    Deine Frage ist in einem Forum nur sehr schwer zufriedenstellend zu beantworten. Es wären aufwändige Zeichnungen notwendig, um "Behauptungen" zu belegen.
    Lies mal meine Signatur. Eigentlich sagt die schon alles!
    Zunächst ginge es "nur" um den Unterschied zwischen Trioden und Pentoden.
    Die Kennlinien von Halbleitern, unabhängig ob Transistor, MOSFet oder Sperrschicht-Fet ähneln alle eher der einer Pentode.
    Dennoch verhalten sich die Typen aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften grundverschieden.
    Aber auch Trioden und Pentoden verhalten sich völlig unterschiedlich.

    Mit einer Triode ist eine lineare, klirrarme Verstärkung nahezu unmöglich.
    Legt man die Arbeitslinien in ihre Kennlinienfelder wird schnell sichtbar, daß eine Signalhälfte mehr als die andere verstärkt wird.
    Diese unvermeidbare Unsymetrie führt zu unvermeidbaren Klirrfaktoren.
    Diese sind zum Glück vom Typ K2, also gradzahlig harmonisch.
    Das wiederum stört unser Hörempfinden, bis zu einer gewissen Schwelle, keineswegs.
    Im Gegenteil, es wird als füllig und warm empfunden.

    Genau das können Transen nicht!
    Alle bisher unternommenen Versuche diesen Röhrenklang nachzubilden waren nicht wirklich erfolgreich. Die Firma VOX hat da ein Schweinegeld reingesteckt und muß sich dennoch eine gewisse Sterielität des gewonnenen Klangs nachsagen lassen.

    Gruß
    Peter

    Die klangliche Genialität von Röhrenamps basiert auf ihren technischen Unvollkommenheiten.

  • Um es mal so zu sagen, die Aussage des bemühten Fachwissens-Vermitlers sind hier nicht so ganz "fundamental" :D
    Für den "warmen Klang" sind doch eher meine Ausführungen gültig. :)
    Sonst finde ich die Seite, besonders für Einsteiger, recht brauchbar.

    Gruß
    Peter

    Die klangliche Genialität von Röhrenamps basiert auf ihren technischen Unvollkommenheiten.

  • Röhren Sound woher kommt die "Wärme"

    Und über Lochkarten wurde dann der Compiler programmiert, das als "Softwareprogramm" heute auf der Festplatte gespeichert ist?

  • Röhren Sound woher kommt die "Wärme"

    Und über Lochkarten wurde dann der Compiler programmiert, das als "Softwareprogramm" heute auf der Festplatte gespeichert ist?

    //Gravewarrior, 10.06.2009: Benutzer wurde gesperrt

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