Schwingen - was is das?

  • HI,

    Ich lese hier immer wieder was von "Schwingen" in Röhrenverstärkern.
    Demnächst werde ich vermutlich den Testaufbau meines gemoddeten JCM in eine Professionelle Version umändern, also so, dass ich ihn einfach nur hinstellen und spielen kann.

    WAs sind denn diese berüchtigten Schwingungen, kann das jemand erklären (von mir aus auch mehrere, dann aber ausführicher ;D)

    g
    t

  • Hallo,

    das ein Git.-PU aus mechanischen Saitenschwingungen elektrische (Spannungs-)schwingungen fabriziert und diese an den Amp zwecks Verstärkung weiterleitet ist soweit klar - aber auch wichtig fürs Verständnis.
    So eine Schwinung hat eine (bestimmte) Frequenz (Tonhöhe) gemessen in Hz (Hertz). Die Stimmgabel und das "a" auf der hohen E-Saite im 5. Bund haben zum Beispiel 440 Hz (Kammerton "A") = 440 (Saiten- bzw. Spannungs-)schwingungen in der Sekunde.

    Bis 20000 Hz soll man angeblich (akustische) Schwingungen hören können.

    Die Realität liegt beim altgedienten Rockgitarristen eher bei 14000 Hz und bei der Heavy-Fraktion bei der Hälfte ;D (bei mir: rechts 12500, links 7600 Hz)

    Wenn die Gitarre ausnahmsweise keinen Ton von sich gibt (z. B. Solo-Gitarrist ohnmächtig) sollte auch nix aus'm Amp kommen.

    Ist ein Amp aber falsch berechnet/konstruiert/aufgebaut, dann wird aus dem reinen Befehlsempfänger "Mach dat jetzt lauter!!!" ein Oszillator (Tongenerator), also eine Schaltung, die selber (permanent) Schwingungen erzeugt.

    ABER, jetzt kommts: Das ist dann nicht immer ein hörbares "Quietschen", wie bei falschrum angeschlossener Rückkopplung von der AÜ Sekundärseite, daß sofort akustisch auf sich aufmerksam macht, das können auch Schwingungen im (unhörbaren) Radiobereich sein, also z. B. 1...100 MHz (Mega-Hertz = 1 Million Hz).

    Man hört nix, der Amp ist aber ziemlich ausgelastet seine eigene Schwingung mit womöglich voller Amplitude anzufachen und zu verstärken.

    Und er gibt auch noch meist das Gitarrensignal "irgendwie" wieder, wenn auch "zu leise", "irgendwie verzerrt", u. s. w..

    Ohne eine (hochfrequenzfähiges) Scope ist da nicht viel zu entdecken, evtl. noch wandernde Arbeitspunkte der Röhren oder glühende Anodenbleche der Endröhren, was aber auch ganz andere Ursachen haben kann...

    Und wie man das verhindert, könnt ihr in meinem nächsten Buch lesen...;D

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Poste dein Buch doch mal hier ;D

    Signalverfolgung - the real answer to life the universe and everything

  • Hallo,

    Zitat

    Poste dein Buch doch mal hier

    ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren, dass die ipod- und www-Generation glaubt, daß alles "for free" ist und sich irgendwie downloaden läßt.

    Auf der anderen Seite gibt diese Generation für ein Konzertticket eine Summe aus, für die ich vor 30 Jahren auch auf ein Konzert gekommen bin - aber zusätzlich den ganzen Monat auch noch ins Koma. ;D

    juristisch notwendiger Warnhinweis: Kinder, nicht zuhause nachmachen! ;D

    Oppa Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Hallo,

    ich hoffe, die Entäuschung ist nicht zu groß, wenn das mit dem Buch sich jetzt als Fake rausstellt...;)

    Begründung: Die Theorie und Praxis ist steinalt (beginnend mit den 20er, 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts) und kann nachgelesen werden. Zum tieferen Verständnis braucht man aber mathematische und elektronische Kenntnisse, die nicht im gleichen Buch vermittelt werden, dafür aber in anderen - was dann aber oft den Kauf eines Zweitbuches nach sich zieht...;D

    Und so etwas auf den Git-Amp-bauenden DIYer zugeschnitten neu zu verfassen lohnt sich von der Stückzahl nicht - verglichen mit den jungen Menschen die Jahr für Jahr ein Elektrotechnik-Studium beginnen und sich in der Regel mit Grundlagen- und Fachbüchern eindecken müssen (natürlich weniger Röhrentechnik, aber das Problem des Schwingens von Verstärkerschaltungen ist universell).

    Außerdem gibt es ja auch deutschsprachige Autoren der jüngeren Gegenwart, wie z. B. Kainka oder zur Linde oder van der Veen, die sich Röhrenverstärkerthemen widmen, von den alten, immer wieder gern zitierten Herrschaften wie Barkhausen, Diciol, Schröder, Limann, Richter, Ratheiser usw. ganz abgesehen.

    Nicht zu vergessen die praxisbezogenen Bücher aus der DDR, z. B. von Schubert.

    Da muß man halt Antiquariate bemühen, die es ja auch im www gibt...

    So, gute Nacht (von meiner Seite aus - der Letzte macht das Licht aus!)

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • HI,

    was hältst du davon, wenn du uns einen kleinen Überblick über die Bücher gibst, also so grob, wie man das Schwingen grundsätzlich verhindern kann.

    g
    t

  • So, bin wieder wach.

    Also es gibt schon Fach(chinesisch)bücher, die sich schwerpunktmäßig mit der Stabilität (= das Gegenteil von Schwingen) von Verstärkerschaltungen beschäftigen. Die sind aber gespickt voll mit Mathe, die in den Büchern selber vorausgesetzt wird.

    Das Thema ist z. B. ein Bestandteil der Regelungstechnik, weil ein stabiler Verstärker i. d. R. (nicht immer!) ein rückgekoppelter und damit ein geregelter Verstärker ist.

    Das ist ja auch ein schönes Beispiel fürs Schwingen: Vertauscht man bei einem über den AÜ gegengekoppelten Röhrenverstärker die Sekundäranschlüsse, dann schwingt er sofort.

    Das Behandeln des Themas "Schwingen" in mehr hobbymäßig ausgerichteten Büchern fällt da deutlich dünner aus (weil man ja auch ohne die passende Mathe auskommen muß) und sind meist Tipps zur Bauteildimensionierung und Bauteileanordnung.

    Und die Schwinggefahr liegt auch nie am selben kritischen Punkt einer Schaltung:

    Ich hatte schon Verstärker, die liefen am Labornetzteil stabil und hinterher an ihrem eigenen NT nicht.

    Oder an Breitbandboxen alles super und bei Dreiwegeboxen war plötzlich Schingen angesagt

    Oder endlich mal die ollen gebrauchten Röhren gegen neue getauscht und es schwingtete..:eek:

    Leider ist das Thema der Stabilität ein sehr umfassendes, was ich mit obigen Beispielen zeigen wollte.

    Deswegen sind die - auch im www zu findenden - bewährten Chassis-Layouts von Röhrenverstärkern eine gute Praxisschule, die ohne Mathe auskommt.

    Ein genaues Anschauen und Vergleichen möglichst vieler (vor dem Eigenbau) lohnt sich wirklich.

    Eine Bücherliste finde ich schwer anzugeben. Sie einfach auflisten ist ja nicht die Arbeit, sondern sie zu bewerten: Wieviel enthält es zum Thema? Wieviel Mathe ist erforderlich? Gibt es das Buch noch? Was kostet es? (Würdest du dir z. B. ein 86 € Buch zum Thema kaufen um dann festzustellen, daß du die Mathe dazu in der Schule noch nicht hattest? :rolleyes:).

    Deswegen: Sich an den jahrzentelang gesammelten Erfahrungen vieler anderer orientieren (1:1 Nachbau) und sich dann langsam "freischwimmen" ist beim (stabilen) Verstärkerbau ein machbarer Weg...

    Meine Meinung

    Gruß, Bernd

    Jaichweiß (Andy Pipkin)

  • Hallo t und r!

    Ich habe vor kurzem zwei praxisnahe Seiten im Netz gefunden, die mir weitergeholfen haben und kaum Mathekenntnisse erfordern:
    valvewizard.co.uk (Dort wird im Punkt "Gridstoppers...." ein Teilbereich der Schwingungsbekämpfung behandelt) und
    bonavolta.ch (Dort derden under "Tubes for Dummies" Grundlagen erklärt.)
    Unter radau.ch gibt es Links zu alten Fachbüchern als pdf.

    Grüße Alex

  • Ich finde man sollte Bernd einen Orden für seine Posts in diesem Forum verleihen.

    mfg

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