Gitarre u. Bass recorden

  • Hi,

    Wollte mal alle, die schon in einem mehr oder weniger Professionellen Studio was aufgenommen haben, dazu aufrufen mal zu berichten wie sie ihre Records so gemacht haben, ich meine im Bezug auf die Abnahme des Sounds.
    Was ist besser, ein direkter Anschluss am Amp (Transistor), oder von der Box weg?

    g
    t

  • Servus,
    wir haben mal in einem professionellen Studio aufgenommen. Dazu wurde die Box in einen entsprechenden Raum gestellt und mit Mikros abgenommen. Amps standen im Regieraum und dort wurde auch eingespielt. Auf diese Weise hörst du gleich, wie die Gitarre nachher auf der Aufnahme klingt. Eine Aufnahme über den Recording out halte ich für unbrauchbar. Ich nutze das zu Hause um schnell mal was einzuspielen. Aber für schöne Aufnahmen kommt man eigentlich kaum um eine Box mit Abnahme herum.
    Alternative ist dann höchstens sowas wie ein Pod o.ä. Wer es mag soll es benutzen und spart sich ne Menge Aufwand.
    mfg

    Chryz

  • hehe, jo ich würde auf jeden fall auch ne mikroabnahme empfehlen. ich finde per di-box klingt es klinisch, hat weniger dynamik. mit mikro fängst du nicht nur den sound des amps ein sondern auch den klang des raumes ein.
    auch spielt die positionierung des mics natürlich eine rolle, nah am amp, bzw speaker, hast du schon wesentliche unterschiede wenn du das mic auf den rand richtest oder auf die mitte des speaker, du kannst auch ein mic ein wenig weiter weg vom amp aufstellen, oder gar hinter dem amp. wenn du den amp nicht auf den boden stellst sondern auf etwas drauf (bierkasten etc) hast du auch wieder einen etwas anderen sound (mehr bass wenn ich mich jetzt nicht irre)

    ich persönlich hab meinen amp am boden, ein mic am speaker und ein mic ein wenig weiter vom amp weg als raummic, ab und an nehme ich noch eins hinten.

    das beste wird wohl ausprobieren sein was am besten klingt, aber das braucht halt schon seine zeit. ist halt alles geschmackssache.

  • Hi!

    Ein Kollege, der ein kleines Heim-Studio hat, positioniert immer das weit verbreitete Shure SM 57 kurz vor dem Amp und ein Kondensator-Mic etwa 1,5 m dahinter. Im Aufnahmeprogramm verschiebt er dann die Spur vom Raummikro ganz leicht, damit die interessanten Frequenzen in Phase sind. (Ganz nah ranzoomen und etwas experimentieren.)
    Mit dem EQ dann einen Bass-Cut. Mit den Lautstärken der beiden Spuren kann man dann sehr schnell die Anteile des Raum-Klangs regeln.

    Ich persönlich hatte mal nur das eine Shure Mikro zur Verfügung und die besten Ergebnisse bei höheren Abständen (ca. 20 bis 30cm) und Ausrichtung knapp neben die Mitte des Lautsprechers.

    Gruß, Iko.

  • Hi!
    Endlich mal ein Thema, wo ich - als Toningenieur - mal helfen und wirklich mitreden kann;D;D
    Man kann - wie so oft - sagen: es kommt drauf an:)
    Ich persönlich würde immer zur Mikrofonabnahme des Amps, bzw eigentlich des Lautsprechers raten - wenn den ein guter Amp vorhanden ist. Ob Röhre oder Transe ist hier Geschmacks-, bzw Sound-Sache (es gibt auch gute Transistor-Amps, siehe z.B. Tech21)
    Das SM57 ist für Gitarrenamps ein sehr gutes und noch dazu billiges Mikrofon. Richtet man das Mikro mehr auf den Konus des Lautsprechers, wird der Sound höhenlastiger und schärfer, je weiter man an den Rand geht, desto bassiger wird es.
    Es hat sich ein "Goldener Winkel" bewährt: das Mikro auf die Stelle richten, wo der Konus in die Membran übergeht und das dann Mikro erst ca. 30° nach unten und dann 30° nach außen neigen (das Mikro zeigt dann schräg nach unten/außen).
    Ob man Raummikros verwendet hängt vom Raum und der Musik ab. Wenn der Amp im Wohnzimmer steht und die Schrankwand im Takt mitrumpelt -lieber nicht:)
    Wenn Raum-Abnahme, dann möglichst mit einem guten Kondensator-Mikrofon. Dessen Frequenzgang ist, im Vergleich zum Shure SM57, ausgewogener/natürlicher. Je weiter weg man mit dem Mikrofon vom Amp geht, desto mehr Anteile an reflektiertem Schall werden mit aufgenommen; dieser reflektiere Schall kommt mit einem Zeitversatz und einer anderen Klangfarbe am Mikro an, als das direkte Signal vom Amp, was unser Gehör als "Räumlichkeit" interpretiert.
    DI sollte man nicht von sofort verteufeln: wenn es geht, nehme ich immer eine trockene DI-Spur und den Amp mit Mikro gleichzeitig ab. Man kann die DI-Spur durch einen ReAmper später immer noch durch Amps jagen, oder mit Software bearbeiten. Die digitale PlugIn-Spielwelt birgt hier unzählige Spielwiesen für Klänge, die noch kein Gitarrist vorher gehört hat: ich finde ein spannendes Thema...
    Die Amp-Emulationen wie GuitarRig, line6 Pod, etc sind heutzutage auch ein gute Alternative. Hier muss man nur daran denken, das der Sound nicht nur von der Software abhängt, sondern im großen Maße auch von den verwendetet Wandlern, sprich: Soundkarte. Klingt die Soundkarte Sch**** und rauscht, biegt auch das teuerste Guitar Rig keinen Monster-Marshall aus einem Kack-Signal. Mit einem guten DI-Signal kann man aber auch aus einer Software-Simulation einen guten Sound heraus kitzeln.
    Vielleicht kann man allgemein sagen: wenn man in einem Studio aufnimmt, wo ein Techniker sein Handwerk versteht, dann schleppen wir mit Freude Amps.
    Wenn man zu Hause Demos produziert und nicht über ein/zwei gute Mikros und entsprechende Mikrofonvorstufen verfügt, ist gegen Software-Emulationen überhaupt nichts (mehr) einzuwenden.
    Bei Interesse kann ich noch´n bisschen mehr zum Thema Gitarren-Recording erzählen.
    Grüße
    Chris

  • Hier gibt's einen sehr guten Artikel darüber, dem und Chris' Aussagen lässt sich nichts mehr hinzufügen, wie ich finde ...

    http://www.mrdwab.com/john/Recording.html

    edit: Da Du anscheinend wirklich was von der Materie verstehst Chris, kannst Du wegen mir gerne noch ausführlicher werden :)

    Give me enough knobs, and I can control the world. -Z. Vex

  • Es sein denn die eigenen Erfahrungen... ;D

    Also was Chris sagt ist völlig i.O.

    Ich nehm aber zum Recorden meinen Bass nie mit 'nem Mike ab, sondern hab dafür eine Vorstufe. Eigentlich sogar 2.
    Einmal meinen heißgeliebten, etwas gemoddeten HK Bassmaster. Sehr schöner, warmer Klang etwas Vintage...
    2. hab ich für modernere Sounds einen SM Pro Audio TB 101. Der Klang ist natürlich anders als der vom BM. Moderner, klarer und doch mit viel Wärme.
    Mit beiden gehe ich direkt in unser Tascam, bzw. in das Recordingding... (was das auch immer sein mag).
    Der größte Vorteil ist der, das die Dinger ins Gigbag passen und man somit nix schleppen muss.
    Live benutz ich die Teile übrigens auch...

  • Servus!
    Jop, den Bass hatte ich ja völlig vergessen;)
    Also: Bass wird gerne per DI-Signal aufgenommen. Die Klang-formende Komponente Lautsprecher ist beim Bass-Sound nicht so prägend wie bei der E-Gitarre. Außerdem kann man so Bassist und Schlagzeuger in einen Raum gemeinsam spielen lassen, was dem Feeling fast immer zu Gute kommt. Gerne kann man auch eine gute Mikrofon-Vorstufe oder noch besser einen Röhren-DI-Box benutzten - Einschub: kennt jemand zufällig ein schönes Layout für so eine DIY-Röhren-DI-Box?
    Was man, vor allem bei Rockmusik oder Musik härterer Gangart macht ist auch hier die Kombi: DI-Signal und Amp per Mikro abgenommen. Auch beim Bass-Amp funktioniert das SM57 ganz gut, hier hatte ich aber auch schon mal das berühmte RE20 (heisst auch der Elefantenpimmel - ansehen und verstehen warum...;D) oder sogar das Bass-Drum-Mic D112 verwendet.
    Ein - meiner Meinung nach - hervorragender Bassverstärker zum Aufnehmen ist übrigens der Fender Bassman. Für die Bühne meistens zu leise (zerrt zu schnell), aber im Studio für warme, angeröhrte Bass-Sounds eine Waffe!
    @Willie: RICHTIG! Die eigene Erfahrung und vor allem die eignen Ohren sind das einzige, was wirklich zählt. Ich hatte schon Leute im Studio, die wollten kein SM57, weil es billig ist - Nach dem Motto: billig taugt nix... was soll man da noch sagen.
    Deswegen: das sind alles Tipps, bzw Erfahrungswerte, "weil mans halt so macht". Wenn jemand einen anderen Weg findet: go for it!
    Generell ist das Problem, dass es zu viele unbekannte Parameter gibt, um in so einem Rahmen "amtliche" Ratschläge zu geben: Raumakustik, Typ und Qualität der Wandlung, der Kabel, Art und Aufstellung der Monitorboxen, technische und musikalische Versiertheit des Benutzers, etc, etc
    Mein Schlüsselerlebnis: Gary Moore spielt im Hotelzimmer über seine Paula und einen Marshall-Mini-Übungsamp das Solo von "Still got the Blues" und klingt EXAKT so wie auf Platte - Unglaublich!!! Seitdem glaube ich nur noch was ich höre:)
    Gruß
    Chris

  • Zitat von 100WChris;243632

    Servus!
    ...
    Einschub: kennt jemand zufällig ein schönes Layout für so eine DIY-Röhren-DI-Box?
    ...Gruß
    Chris

    Ach da gibt es so viele... Ich wollte/will mir auch noch eine bauen. Aber der Druck ist nicht mehr so groß, seit ich den TB101 habe. Für nur 80€... Da lohnt sich kein selbstbau.
    Obwohl, den Madamp BP1MK1 hab ich schon mal nachgebaut. War vor meiner Fender Bassman Zeit (Also Anfang des Jahres..;D). Klingt super toll, mir persöhnlich aber dann doch zu clean...

  • Hi!

    Bei der von mir gewählten Position des SM57 muss ich noch dazu sagen, dass es sich um einen extrem abgedämpften Raum handelte, bei dem die Wände fast vollständig mit diesen Klangschluckermatten tapeziert waren.

    Wenn wir demnächst wieder im blanken Keller aufnehmen, möchte ich das gerne mal mit dem goldenen Winkel ausprobieren. Wie weit entfernt vom Lautsprecher wird hierbei das Mikrofon denn in etwa positioniert?

    Gruß, Iko.

  • Hallo Iko!
    Das SM57 kommt direkt vor den Speaker, so nahe ran wie´s geht, ohne das das Mikro den Bezug berührt. So bekommst du den echten Amp-Sound mit ordentlich Pegel, ohne Beeinflussung vom Raum, in dem er steht.
    Wenn der Raum extrem gedämpft ist, bringt auch das Raummikro wenig. Eher im Gegenteil: die Matten dämpfen eigentlich nur Höhen weg, Mitten und Bässe "schwingen" sich einfach durch die Matte durch, da sind die Wellenlängen zu lang. Das wird dann auch mumpfig klingen.
    Wenn ihr im blanken Keller aufnehmt, probiere mal das Raummikro wirklich so weit weg vom Amp wie möglich aufzustellen - gerne ein paar Meter - so kriegst du schöne Reflektionen vom Raum und die auch noch ordentlich zeitversetzt, fast schon wie ein kurzes Delay... könnte interessant klingen!
    Wie gesagt, da hilft nur ausprobieren...
    Gruß
    Chris

  • HI,

    Ich muss den fred einfach nochmal auspacken.

    Inzwischen bin ich nämlich stolzer besitzer eines SM57 und eines Behringer Mischpults.

    Meine Frage lautet nun, wie laut man den Amp aufdrehen darf(soll) sodass man eine gute Aufnahme erhält.

    g
    t

  • Oke, aber wird das dem Shure nich zuviel, wenn das bis auf 5cm am Speaker dran is????
    Nicht das das schöne Ding hops geht:o

    Außerdem hab ich das Gefühl, dass das Mikro schon bei über ZImmerlautstärke leicht verzerrt, kann das sein?

    g
    t

  • Ein SM57 ist Standard für Gitarrenaufnahmen, das kann es ab. Und genauso ist es Standard für Snareaufnahmen. Und die ist auf 2cm Entfernung auch nicht leise. ;)

    Wenn etwas zerrt, dann eher das Pult bzw. das Aufnahmemedium.

  • Ich wollt schon sagen, überprüf lieber ob du richtig eingepegelt hast....ich reiß meinen Amp auch immer halb auf bei aufnahmen = ca. 110 dB/W/m und das kanns locker wegstecken.
    Und wenn es bei Zimmerlautstärke schon zerrt und du trotzdme richtig eingepegelt hast etc. würde ich sagen dein Mikro ist schrott

    Tschüssi

  • Servus!
    Das SM57 gehört zu den Mikros mit extremen Nehmerfähigkeiten! Das Mikro hängt übrigens seit Ende der Sechziger am Rednerpult des Präsidenten der Vereinigten Staaten - das kann also was ab;D
    Also: 110dB? Zimmerlautstärke? ÜBERHAUPT kein Problem. Um das Sm57 zu zerren zu kriegen bedarf es weit mehr! Ich weiss es nicht genau, aber ich glaube mich zu erinnern, das das SM47 ca. 174dB Schalldruck wegstecken kann und da rennst du vorher aus dem Raum: Vor Schmerz;D
    tpgw: Weit aus weniger verträgt dein Behringer-Pult. Deswegen: in dem Kanal, in dem das SM57 steckt den GAIN erstmal ganz zurück und dann langsam aufdrehen. Wie nimmst du auf, mit Software, vermute ich? Schau auf die Pegelanzeige (des Aufnahmekanals) in der Software und je nach Fabrikat dreh den GAIN so weit auf, dass es auf keinen Fall ROT leuchtet und im Idealfall irgendwo an der Grenze zwischen Grün und Gelb rumzuckelt. Ist dir das zum spielen zu leise, muss du die MONITOR-Lautstärke erhöhen, also die ABHÖR-Lautstärke. Bei weiteren Problemen an mich wenden; das ist mein Spezialgebiet (im Gegensatz zu Elektrotechnik;))!
    Gruß
    Chris

  • Hi Chris!

    Hab bei unseren Aufnahmen deinen Tip mit dem Raummikro ausprobiert. Es stand etwa 3m vom Amp entfernt knapp unter der Decke. Unser Basser wollte nicht glauben, dass das auf der Aufnahme nur eine Gitarre ist. Klingt zudem auch ganz gut. Hab beim Raummikro nur eine Absenkung der Frequenzen bei etwa 1000kHz gemacht. Mit der von dir empfohlenen Position des Shure war der Sound nach leichten Korrekturen des Winkels und mit etwas mehr Abstand auch dufte. Hab im Moment leider keine Beispiele der Aufnahmen online.

    Gruß, Iko.

  • Hi Iko!
    Coole Sache! Das mit dem Filtern der Raummikros ist ne gute Idee. In der Nähe von Wänden und Decken hast du eine Betonung der Bassfrequenzen, vielleicht war es Dir deswegen zu viel.
    Anbei mal zwei Schlagzeug-Aufnahmen (die wir vor wenigen Tagen im Studio gemacht habe), um zu verdeutlichen, wie geil der Effekt eines Raummikros sein kann! Einmal unbearbeitete Signale mit ein bisschen Raum und im zweiten MP3 mal den Raum schön laut gemacht.
    Außerdem finde ich den Drum-Sound auch seeehr gelungen! (***stolz***;D)
    Gruß
    Chris

    musikding.rocks/index.php?attachment/1806/

    musikding.rocks/index.php?attachment/1807/

  • Servus Chris,
    schönen Dank für die Clips, der Unterschied ist wirklich gut hörbar. Allerdings ist es für meinen Geschmack schon fast etwas viel Raumanteil. Aber letztlich muss man das ja noch im Mix abstimmen. Um was für Musik gehts denn dabei?
    mfg

    Chryz

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