VINTAGE... oder was ?!

  • Hallo Leute.
    Bei der ganzen VINTAGE-Euphorie frage ich mich, ab wann ein Instrument eigentlich anerkanntermaßen "Vintage" ist?
    Also meine Fender Am. Std. Strat wird nächstes Jahr 20.
    Der Hals (Rosewood) ist schön vergilbt und einige Lackschäden sind auch vorhanden ( jedoch weit entfernt vom RORY-Standart).
    Die Gitte ist also schon mal älter als so einige User hier...! ;)
    Mir persönlich ist der jeweilige Vintage-Status egal.
    Über Vintage denke ich folgendes:
    Die Leos von damals haben sich Gedanken gemacht und etwas erschaffen...
    Das möchte ich gerne mit den Pionieren der Computer-Branche vergleichen:
    Heute wird ja wohl auch niemand einem 286er nachtrauern...
    Um es mal auf den Punkt zu bringen:
    VINTAGE setze ich mit STILLSTAND gleich!!!
    Das hungrige Gegeifere nach dem "Original" schliesst ja so ziemlich jede
    Weiterentwicklung aus.
    Und alle fahren ihren Golf und wollen dabei auch auf ihren AIRBAG und so nicht verzichten...
    Ich empfinde es als Schwachsinn sich ein original Tele-Pickguard für über 2000(!) EUR zu kaufen (bei ebay zu erwerben).
    Das ist doch dekadent und rationell nicht mehr zu erklären...
    Und ich wette, dass jemand wie David Gilmour mit einer Strat-Kopie und nem Transe-Amp richtig geil klingen würde.
    Wir sind doch alle (und ich nehme mich da auch nicht raus.) nur Süchtige und lesen begierig die Testberichte in den gängige Fachblättern.
    Und irgenwie hat man immer das Gefühl nicht das richtige Equipment zu haben.
    Geht nur mir das so?
    Ich freu mich für alle, die richtig zufrieden mit ihrer Ausstattung sind.
    Wie gehts Euch mit dem Vintage-Verlangen?
    Grüßlichst
    Humbo

  • Hallo,
    Vintage- Verlangen? Ich? =0 !!!!! Zur Hölle mit dem alten Kram.
    (Und das sage ich, obwohl ich mit dem Zeuch aufgewachsen bin und noch Beatles-Songs kenne, die gerade neu rauskamen (Oh man)). Ein Kumpel von mir sammelt jede verdammte alte Schraube und weiss zu berichten, in welchem alten Teil die mal gesteckt hat. Am liebsten würde er sie in einen Glaskasten legen, und jeden Tag vom Staube befreien. Mir nötigt das lediglich ein kaltes Lächeln ab, für mich ist er ein ewig Gestriger. Naja, es mag auch sicher Sachen geben, die ihre Daseinsberechtigung haben, wie z.B. eine alte Strat. So eine eingespielte Gitarre wird ja doch erst ab einem bestimmten Alter zu sowas wie einem lebenden Organismus. Aber mehr fällt mir auch schon nicht ein.

    Gruß, Bernd

  • Naja, zweischneidiges Schwert!

    Wenn ich das Geld hätte würde ich mir schon ne 59-er Les Paul zulegen, aber eher als Wertanlage weil ich Angst hätte, das Ding beim Spielen kaputt zu machen...bin nicht gerade zimperlich zu meinen Klampfen ;)

    Ob vintage oder nicht...das Setup muss gut klingen, funktionieren und zuverlässig sein.

    Klar sind alte Gitarren und Amps irgendwie cool, aber meinen H&K Switchblade würde ich live trotzdem nicht gegen einen alten Marshall tauschen...

    Never think that an action which is ineffectual thereby becomes meaningless.

  • Zitat von Burntaylor;241074

    Naja, zweischneidiges Schwert!

    Logisch, es wird immer 2 Lager geben. Die Realisten und die Nostalgiker. Aber für mich gibt es keinen einzigen vernünftigen Grund, für Vintage ein Schweinegeld hinzublättern.
    Was ich akzeptieren kann ist für Sammlerzwecke. Alte Briefmarken z.B. haben auch keinen praktischen Gebrauchswert, es wird wohl niemendem einfallen, die blaue Mauritius auf einen Brief zu kleben, und ihn durch die Welt zu schicken. (Der würde sowieso nicht ankommen, weil er im Briefmarkenalbum eines Postboten verschwinden würde.)
    Zauberwort NOS: Da gibt es diese "black beauty" Kondensatoren. Da kostet einer soviel, wie ein Kleinwagen (na gut, nicht ganz soviel). Der Vintage-Freak schwört darauf, aber ich wette, wenn Du mit ihm einen Hörtest machst, findet er den Amp mit den black beautys nicht heraus.
    Für mich als Vintage-Atheist ist es eine Form von kollektivem Massenwahn, gespickt mit blindem Perfektionismus und aufgeschnappten Halbwahrheiten. Wahrscheinlich stecken die Ausserirdischen hinter allem. ;D

  • Zitat von humbo;241070

    Hallo Leute.
    Das ist doch dekadent und rationell nicht mehr zu erklären...

    Gitarrespielen ist rationell auch nicht zu erklären und trotzdem wird es gemacht ;)
    Laß den Leuten einfach den Spaß an alten Dingen. Deine einseitige Fixierung auf Neues ist auch nichts anderes als ein Vintage-Wahn mit umgekehrtem Vorzeichen.

    "Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen"
    Goethe, Faust

  • Vintage hin oder her.
    Mir gehts um Sound und Soundprägung. Ich bin BJ 68 und aufgewachsen mit einer bestimmtem Soundrichtung, musikalisch gesehen. Diesem Sound eifere ich nach und den will ich haben. Da ist mir das Equipment erst mal egal. Laufen soll es.
    Aber: mein 71'er Jazzbass liefert mir genau diesen Sound. Ich hab verschiedene Bässe probiert und keiner hat mir DEN Sound geliefert, wie diese alten Jazzbässe.
    Ähnliches mit dem Verstärker. z.Z. benutz uích einen SWR relativ neues Modell. Zum proben OK, aber nicht der Sound den ich haben will. Deswegen werd ich mir noch einen alten Fender Bassman zulegen. (Hatt schon mal einen) Der hat den Sound den ich will.
    Nebenbei ich habe viel SchnickSchnack schon gehabt (Basspod, Compressoren, Verzerrer, verschiedenste Verstärker und Boxen...), meistens nur kurz, weil das "neumodische" Zeug, meistens nicht so klingt wie ich es gerne hätte und auch noch Fehleranfälliger ist.
    Schau mal in einen alten Röhrenamp rein, da ist eigentlich nicht viel drin, und da kann auch nicht viel kaputt gehen. Und wenn dann kann ich dan selber Hand anlegen. Mal 'ne Röhre wechseln, oder 'nen Widerstand ist nicht so schwer. Ist eine D-Endstufe hin, geht meistens nur wegschmeissen und neu kaufen.
    Die alten Sachen haben eben schon bewiesen, das sie lange halten.
    Allerdings gibt es auch bei mir Bereiche, wo ich nicht auf altes Zeug gehe.
    Beispiel Boxen: alte Boxen für'n Bass klingen nicht. Das liegt meistens daran, daß die Boxen verbraucht sind. Lautsprechen sind wie Röhren Verbrauchsgut.
    Pickup's: mein Jazzbass hat neue aktive Pickups bekommen, weil die Originalen einfach sch**** waren. Brumm und Fiep.
    1000€ für'n Pickguard würde ich auch nicht ausgeben, Ein Pickguard liefert nicht den Klang.
    Fazit: Entscheident ist, für mich, was raus kommt, ob Vintage oder neu ist da egal.

  • Willie1968: Ich hab auch schon ewig eine JAzzbass, Baujahr '80, bisher hab ich auf dem auch ziemlich gerne gespielt, weil eben ein toller "Vintage-sound" rauskam.
    Letztens hab ich dann mal eine Warwick Corvette $$ ausprobiert (am Profet Xtreme 10.1 1000W!!) und da is mir echt klar geworden, dass der Bass eigentlich nur als Wertanlage oder übungsbass gut ist.
    Beim Warwick ist die Seitenlage besser, der Output ist höher, ...usw.
    Insgesamt finde ich Vintage zwar toll für Sammler, im alltagsgebrauch sind so alte Dinger aber nicht mehr so toll.

    gruß
    tpgw

  • Zitat von tpgw;241096

    ...
    Letztens hab ich dann mal eine Warwick Corvette $$ ausprobiert (am Profet Xtreme 10.1 1000W!!) und da is mir echt klar geworden, dass der Bass eigentlich nur als Wertanlage oder übungsbass gut ist.


    Stimmt die Corvette ist ein guter Übungsbass.;D
    Wat willst du mit 1KW? Must du alleine 'ne Halle beschallen?
    Welche Musikrichtung machst du eigentlich?

    Zitat von tpgw;241096

    ...
    Beim Warwick ist die Seitenlage besser, der Output ist höher, ...usw.


    Also die Saitenlage bei meinem JB ist optimal, der Output ist mit den neuen Tonabnehmern super, obwohl dafür hat man ja einen Verstärker. Wichtiger ist wohl eher der Signal/Rauschabstand und der ist bei JB-Originalen eher bescheiden, deswegen hab ich die Pickups ja ausgetauscht. Aber es sind und bleiben Tonabnehmer und nicht Tonproduzenten.
    Für Dich war dann aber nicht der Sound des Bass entscheidend bzw. der Sound von JB passt nicht zur Musik die du machst, vermute ich mal.
    Ne Corvette mit 'nem Jazzbass zu vergleichen ist genau so unmöglich wie 'ne Corvette (Auto) mit 'nem 911 Porsche. Beides sind Autos, und beide taugen nix für den Alltag.
    Wenn du mit dem Sound der Corvette(Bass) zufrieden bist, ist das völlig i.O.. Nur hackt nicht immer auf den Leuten herum, nur weil Sie andere Prioritäten setzen.:mad:
    Ich habe neben meinem JB auch noch einen Status Serie I 5-Saiter. Aber ich würde nie auf den Gedanken kommen, den mit einem JB zu vergleichen. Der Sound ist grundlegend verschieden. Und das isst auch gut so.
    Zu meinen Coverbandzeiten hatte ich jede Menge Zeug, damit ich mich den Songs entsprechend anpassen konnte. Da brauchte ich einen flexibelen Klang, da kam der Status gerade recht. Es klang auch alles so ähnlich wie im Original, aber eben nur so ähnlich.
    z.Z. mach ich New Country/Country Rock, da brauch ich nur einen authentischen Sound und den will ich aber richtig und nicht nur so ähnlich.
    So das war's von mir zum Thema Vintage.:cool:

  • Zitat von Willie1968;241109

    Stimmt die Corvette ist ein guter Übungsbass.;D
    Wat willst du mit 1KW? Must du alleine 'ne Halle beschallen?
    Welche Musikrichtung machst du eigentlich?


    Ich hab den ja nur 'probiert'

    Zitat

    deswegen hab ich die Pickups ja ausgetauscht. Aber es sind und bleiben Tonabnehmer und nicht Tonproduzenten.

    Da liegt eben das Problem: Ist der Bass noch Vintage oder 'nur' ein alter Korpus mit neuen PUs?;)

    g
    t

  • Nun muss ich doch nochmal.
    Der Sound ist Vintage ohne Störgeräusche. Eben das was ein "alter" Corpus kann. Einen super schönen vollen Klang zu produzieren, der dann von den Tonabnehmern ohne störendes weitergeleitet wird. Ob der Bass noch Vintage ist, weiß ich nicht, ist mir auch fast egal (ich hab die alten Pickups natürlich noch;D)
    Auf alten Aufnahmen z.B. sind die Störgeräusche auch nicht zu hören. Ich schieb das gerne auf unsere digitalisierte Welt. Sobald auch nur ein Handy in die Nähe meines noch nicht modifizierten JB kam, gings schon los. Früher gab es keine Handies und somit auch kein Problem. Das gleiche gilt equivalent für: Taschenuhren, digitale Effekte, Looper, Switcher, DMX Lichtsteuerungen, D-Endstufen, Mixer mit digitalem Hall...
    Die digitale Welt stört die alten Instrumente, das ist wirklich ein Problem, hat aber nix mit Vintage zu tun.
    Nicht das man das falsch versteht, ich bin kein D-Hasser, im Gegenteil, ich bin Programierer.
    Außerdem war der Warwick bestimmt auch Vintage = alt. Haste mal die Jahresringe gezählt!?!?!;D

  • Zitat von Willie1968;241111

    Die digitale Welt stört die alten Instrumente, das ist wirklich ein Problem

    Das stimmt so nicht. Die übelsten Radaubrüder sind immer noch rein analoge Leuchtstofflampen und schlecht gebaute Netzteile (im schlimmsten Fall stört der Amp sich selbst).

    Stur lächeln und winken :cool:

  • Ein Grund, weshalb viele bekannte Gitarristen den Vintage-Gitarren nacheifern liegt auch an der Holzqualität. Die 59er Les Pauls sollen aus sehr gutem Mahagoni gebaut worden sein. Holz, dass es heute praktisch nicht mehr gibt (Abholzung usw.) so wurde mir das von meinem Gesangslehrer erklärt, dessen Freund einer der führenden Vintage Gitarrenhändler ist - er hat letztens für Slash eine 59er besorgen müssen

    aber mal ganz im Ernst - Klanglich sind das nuancen, preislich nicht. Ich würde mir kein solches Instrument kaufen, ausser ich hätte so viel Geld, dass es mich nicht stören würde... Aber im Buch 'Beauty of the Bursts' gibt es halt schon sehr viele Leckere Gitarren von dazumals, die man heute einfach nicht mehr kriegt

    Ich sage immer, leben und leben lassen, jeder findet das Instrument das ihm passt, ob dies nun ein 40 jahre altes ist oder eines aus 2008 spielt dabei doch keine Rolle.

    Daniel

  • mhm, interessantes thema

    ich kann halt persönlich die modernen gitarrensounds nicht ab, ist meine persönliche einstellung. ich bevorzuge schon eher einen, wie soll ich sagen, vintageorientierten oder altmodischen klang, das heißt, ich spiele fast ausschließlich singlecoils und habe einen sehr großen teil des üblichen gains durch mitten ersetzt. das bedeutet, dass ich einen mitten- und höhenreichen, aggressiven, extrem durchsetzungsfähigen gitarrensound habe, den aber mit wenig gain hinbekomme (gar keinen spiel ich genauso selten, moderner ultraclean mag ich genausowenig wie high-gain).
    aber (und das ist der grund, weshalb ich hier poste): ich bekomme diesen sound mit einer absoluten budget-lösung hin. die grundkomponenten sind ein marshall avt (gebraucht 250€, haut mich xD, aber wird bald durch einen fender hrd ersetzt), ein selbst gebauter verzerrer (gesamtkosten 35€, offiziell ein fuzz, aber in meinen ohren irgendwas zwischen booster, treblebooster und overdrive) und eine hagstrom f-300 (knapp 300€) - man sieht: auf das echte wintätsch mit echt holzwurm kommts mir net an, aber halt auf nicht-modernen sound.
    und somit hab ich persönlich auch kein problem damit, dass die entwicklung nicht wirklich weiter geht - das neuartige zeug der letzten paar jahre haut mich eh net vom hocker, und wer mal in den 60ern und 70ern schaut, findet die coolsten gitarrensounds ever!

    (meine meinung halt)

  • Die echten Vintage Fanatiker gehen mir auf den Wecker, die wirklich nur Dinge aus den 50er Jahren bevorzugen, sich irrwitzig teures Zeug unter dem Wort andrehen lassen oder Märchen erzählen. Komischerweise sind das dann ausgerechnet Leute mit sich sündhaft teure neue Gitarrenkabel kaufen die absolut nichts mit Vintage zu tun haben, aber in Foren gerne darüber diskutieren ob der Nitrolack mit einer anderen Farbe erhebliche Klangunterschiede ausmacht, oder wie man Neuteile am besten in Alte verwandelt.
    Braucht man Bumble Bees? Vielleicht, denn Kondensatoren beeinflussen den Klang wirklich unterschiedlich, aber dass die alten wo das Öl z.T. ausläuft noch so klingen wie vor 55 Jahren, daran sollte man schon zweifeln.

    Ebenso geht mir aber auch der neumodische Kram gegen den Strich. Wenn man ausschließlich Gitarristen als Vorbilder hat, die Digitalkram jeglicher Art benutzen, dann nur zu. Aber wehe es geht um "will so klingen wie" mit einem billigen modelling Dingsda. Braucht man EMG oder gibt man sich mit allen Negativeigenschaften von passiven Pickups zufrieden, warum klingt das drei Kanal Röhrentop mit Endlosheadroom richtig schlecht usf. In dem Bereich wird viel Geld verdient, mit viel Show, viel Signatureblödsinn und vielen Halbwahrheiten, mit Effekttretern voller angeblicher Geheimnisse (die man DIY alle entzaubern kann) und den nächsten Transistoren die angeblich wie ein Röhrenamp klingen.

    Da denke ich mir nur, selbst schuld, den Vintage Klang gibt es, wie raphrav richtig geschrieben hat, fast geschenkt. Wobei ich da hinzufügen würde das es keinen Marshall AVT braucht, Vollröhren im Boutiquestil bekommt man inzwischen aus China oder Russland hintergeschmissen, so günstig sind die, oder man schraubt sie sich selbst. Mit ein paar Analog Effekten, ich hab z.B. zwei Selbstgebaute, und drei gekaufte Klassiker im Betrieb, klingt das dann auch. Die wenigsten wissen wirklich was man mit einem kleinen Vollröhrenamp und alleine einer guten, aber nicht allzu teuren, Gitarre mit richtiger Spielweise und 6 Potis alles anstellen kann.
    Genauso wenige verstehen die Geheimnisse hinter wirklich guten Alben, ich habe ja Bauklötze gestaunt als ich gelesen habe das mein bisheriger Allzeitfavorit noch in den 90er Jahren komplett Analog eingespielt, aufgenommen und gemischt wurde, das war mir bislang unbekannt, erklärt aber doch Einiges, vor allem warum das auch nach 1000 mal hören nicht langweilig wird.

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